Geschichte der Fähre hinterlässt bleibenden Eindruck

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 Kulturamtsleiter Andreas Ruess (links) begrüßt als Gastgeber des 23. Oberschwabentags Thomas Zotz und Edwin Ernst Weber von der
Kulturamtsleiter Andreas Ruess (links) begrüßt als Gastgeber des 23. Oberschwabentags Thomas Zotz und Edwin Ernst Weber von der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Rund 150 Mitglieder und Interessierte sind am vergangenen Samstag der Einladung der Gesellschaft Oberschwaben für Geschichte und Kultur in das Stadtforum gefolgt. Anlass war der 23. Oberschwabentag. Der bot die Gelegenheit, sich einen Tag lang eingehend über die gastgebende Jubiläumsstadt zu informieren. Als Urzelle des städtischen Kulturlebens hat besonders die Historie der Fähre einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Kulturamtsleiter Andreas Ruess nennt während seiner Präsentation Künstlernamen, die Eingang in die Fähre gefunden haben und aufhorchen lassen, darunter Gerold Miller, Willi Siber oder Leo Schobinger, Mitglied der Stuttgarter Sezession um 1930. Ruess erinnert an das „centre d’information“, eine Bildungs- und Kultureinrichtung, die auf Anordnung der französischen Militärregierung nach Ende des Zweiten Weltkriegs eingerichtet wurde und aus der die Fähre hervorging. Überraschend früh sei die kulturelle Landschaft Oberschwabens nach Kriegsende erblüht, so Ruess. Dass das Museum nicht den Namen „Volksbildungswerk Museum“ erhalten hat oder „Die Brücke“, ist wohl auf Charles de Gaulle zurückzuführen. Der französische Staatsmann soll die Bezeichnung „Fähre“ favorisiert haben, weil diese, konträr zu einer Brücke, „immer manövrierfähig bleibt“.

Eiskalter Kohlenkeller

Nicht weniger eindrücklich wird das Theaterleben in Bad Saulgau vorgestellt, das bereits 1950 im alten Festsaal seinen Anfang nimmt. Bald lassen die Bühnenakteure ihrem Unmut über die unhaltbaren Zustände dort freien Lauf – und weigern sich, weiter aufzutreten. „Die Garderoben waren in einem eiskalten Kohlenkeller untergebracht“, so Ruess. Wenig später wird die Stadthalle gebaut. Ob Götz George, Helmut Qualtinger oder Klaus Maria Brandauer und unzählige Schauspielergrößen kommen nach Bad Saulgau.

In diesem Kontext spielt auch das Hotel Kleber-Post eine bedeutende Rolle. „Ohne sie hätte eine solch starke Entwicklung von Kunst und Kultur nicht stattfinden können“, sagt Ruess. Andreas Ruess lässt keinen Zweifel daran, dass der Bevölkerung durch die stete Präsenz von Weltkunst, angesiedelt zwischen Gotik und Expressionismus, durchaus „so manches zugemutet wurde“. Viele Jahrzehnte später, im Jahr 2010, folgt der Umzug der Fähre ins Alte Kloster.

Moderator Edwin Ernst Weber, Geschäftsführer der Gesellschaft Oberschwaben, lobte das „herausragende Kultur- und Veranstaltungsprogramm“ in Bad Saulgau und begrüßte den Vorsitzenden der Gesellschaft Oberschwaben, Thomas Zotz. Der Professor für mittelalterliche Geschichte beleuchtete in seinem Vortrag die geschichtlichen Spuren von Saulgau unter der Herrschaft des Klosters Buchau bis hin zur Stadtwerdung im 13. Jahrhundert. Die gefälschte Urkunde aus dem 12. Jahrhundert (siehe Nachgefragt) fand genauso Eingang in seine Ausführungen wie die geschichtlichen Spuren Saulgaus in der frühkarolinischen Zeit, die Buchauer Geschichte von Stift und Stadt, die Entwicklung Saulgaus vom einfachen Dorf zum Marktort und weitere bedeutende Spuren auf dem Weg zur Stadtwerdung.

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