Gerhard Langenfeld vereint Wohnen und Arbeiten

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 Für einen kreativen Mensch im Atelier gibt es keinen Stillstand: Gerhard Langenfeld.
Für einen kreativen Mensch im Atelier gibt es keinen Stillstand: Gerhard Langenfeld. (Foto: Gabriele Loges)
Gabriele Loges

Gerhard Langenfeld ist einer der meistbeachteten Künstler im Landkreis. Mit seinen Arbeiten ist er zurzeit in mehreren Ausstellungen auch außerhalb der Region vertreten. 2015 wurde er zum sechzigsten Geburtstag in der Kreisgalerie mit einer Einzelausstellung geehrt. Seit zwei Jahren wohnt er mit seiner Familie im neu gebauten Haus in Bondorf, das Wohnen und Arbeiten im Atelier verbindet. Bei einem Atelierbesuch öffnete der gebürtige Saulgauer sein Refugium, in dem seine Bilder entstehen, ihn aber auch umgeben und beim Reflektieren und Fortschreiten anregen.

Das Haus mit Atelier, so Gerhard Langenfeld, könnte eigentlich überall stehen, wichtig sei, dass es so geworden ist. Im Wesentlichen hat seine Frau, die viel mehr von Architektur verstehe als er, die Einheit geplant. Fast jeden Abend arbeitet Langenfeld viele Stunden in seinem Atelier. Wenn es nicht so wäre, würde es ihn unzufrieden machen: „Ich hab’s zudem gern bequem, so kann ich Familie und künstlerische Arbeit gut verbinden. Selbst wenn mir nachts noch etwas Wichtiges einfällt, kann ich herkommen.“

Hohe Wände bieten Fläche

Die hohen Wände im Raum bieten reichlich Präsentationsfläche, die gerade mit neuen großformatigen Bildern bestückt ist. Eines davon bereitet Langenfeld für eine weitere Ausstellung vor. Große, nur scheinbar monochrome schwarze Flächen sind mit feinen Linien unterbrochen oder wirken versetzt, außen befinden sich unterschiedliche breitere oder schmale Farbflächen, die neue Schichten freilegen. Man soll und muss sich beim Betrachten Zeit lassen. Die Wahrnehmung ist für Langenfeld ein Sehprozess: „Es gibt immer ein Davor und Dahinter, nichts ist eindeutig, sondern bedingt sich wechselseitig.“ Irritationen seien dabei bewusst eingeplant, die dann provozieren, genau hinzuschauen.

Das Sehen ist für sein eigenes Schaffen wesentlich: „Ich bin ein emotionaler Gucker.“ Seine Inhalte hole er sich nicht von außen, nicht aus seiner Biographie. Die aktuellen Acrylbilder kommen aus der Beschäftigung mit dem Vorigen: „Ich habe nie einen Bruch gemacht. Das Neue kommt aus dem Alten.“ Gerade hier im Atelier komme manchmal wieder etwas aus dem Werkprozess, wenn auch verwandelt, zurück.

Die erste Begegnung mit der Kunst hatte der Saulgauer im Aufbaugymnasium. Froh sei er gewesen, als er ins Internat durfte. Hier wurde er von Joachim Hämmerle unterrichtet. Einmal sagte der Lehrer: „Langenfeld, Maler gibt’s wenig gute.“ Vielleicht habe ihn dies ermutigt, diesen Weg zu gehen, auch wenn die Eltern mit dem Entschluss, an der Kunstakademie in Stuttgart zu studieren, wenig anfangen konnten. Der Drang nach Freiheit und das Fernweh haben ihn darin bestärkt.

Als Jugendlicher ist er zudem oft in die „Fähre“ gegangen. Die Impressionisten interessierten ihn, vor allem, wie sie mit Farben gearbeitet haben: „In jungen Jahren habe ich dann selbst vogelwild gemalt.“ Aus wilder expressiver Malerei fand er zur Zeichnung. In den 1990er Jahren reduzierte er in einem langen Prozess alles auf Schwarz in unterschiedlichen Abstufungen. Später ergänzten die glänzenden „Spiegelbilder“ seine Arbeit. Die Fotografie ist dabei ein Mittel, um die Bildhaftigkeit zum Ausdruck zu bringen. Für ihn sind diese Werke eine Form von Malerei und haben nichts Fotografisches.

Es zählt das Jetzt

Seit kurzem kommt wieder Farbe ins Bild. Das habe vielleicht etwas damit zu tun, dass er inzwischen gelassener sei: „Ich gehe sehr intuitiv vor, danach erst reflektiere ich über das, was da geworden ist und von dort mache ich weiter und korrigiere, manchmal dauert das ewig.“ Wie und ob es mit dem Kunstschaffen weitergeht, interessiere ihn inzwischen nicht mehr. Er werde als Künstler und als sozialer Mensch gut wahrgenommen. Für ihn zähle inzwischen das Jetzt und daraus entstehe das Nächste: „Wenn ein kreativer Mensch ins Atelier geht, gibt’s keinen Stillstand. An jedem Tag, an dem was dazukommt, schöpft man neue Kraft und weiß, es geht weiter, es läuft.“

Natürlich sei die Arbeit auch Handwerk, aber vor allem müsse man sich selbst gegenüber authentisch bleiben. Bei diesen neuen Bildern interessiere ihn besonders die Rahmung und zwar über das Bild hinaus. Die Hängung gehöre mit dazu. Für den Wahrnehmenden sei das Sehen des gesamten Ensembles wichtig.

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