Gemeinsam die Schmerzen verarbeiten

Lesedauer: 4 Min
 Referent Jürgen Eckstein und die Gruppensprecherinnen Hella Medenwaldt und Annette Hinzer gründen in Bad Saulgau eine Selbsthil
Referent Jürgen Eckstein und die Gruppensprecherinnen Hella Medenwaldt und Annette Hinzer gründen in Bad Saulgau eine Selbsthilfegruppe Fibromyalgie. (Foto: Frank Riegger)
Frank Riegger

Die Gründung der Selbsthilfegruppe Fibromyalgie unter dem Dachverband der deutschen Fibromyalgie-Vereinigung ist am Mittwochabend in den Räumen der Zieglerschen vollzogen worden. 14 betroffene Schmerzpatienten aus Bad Saulgau und Umgebung wollen miteinander an der Linderung ihrer Schmerzen arbeiten.

Der Begriff Fibromyalgie steht für Faser-Muskel-Schmerzen. Und damit ist bereits das zentrale Symptom der Erkrankung beschrieben. Meist handelt es sich um anhaltende, tiefe Muskelschmerzen, die von Missempfindungen begleitet werden. Eine Betroffene vergleicht diese Krankheit mit einem Chamäleon, das ständig die Farbe wechselt. Bei Fibromyalgie wechseln Stimmung, Orte der Schmerzen und auch Begleiterscheinungen. Es seien „springende Schmerzen – mal hier, da“, so die Betroffene. Fibromyalgie sei kein Weichteilrheuma. Auch streife diese Krankheit teilweise die Psychosomatik, weil bei 24 Stunden Dauerschmerzen auch eine depressive Phase eintreten könne.

Kein Platz für Selbstmitleid

Jürgen Eckstein, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes, Gruppensprecherin Annette Hinzer und ihre Stellvertreterin Hella Medenwaldt stellten am Mittwochabend Zweck und Arbeitsweise dieser Selbsthilfegruppe vor. Hier sei kein Platz für Jammerei, Selbstmitleid und negative Stimmungen. Positiv solle der Blick nach vorne im Fokus stehen und miteinander gegen die Krankheit und für Linderung gearbeitet werden. Ganz wichtig sei: Kennenlernen und gegenseitiges Vertrauen, Erfahrungsaustausch, Gespräche und Bewegungstherapien, Übungen für den gesamten Bewegungsapparat, Gleichgewichts- und Gedächtnistraining sowie rhythmische Tanzbewegungen. Aber für jeden nur so weit, wie er es vertragen kann. Ganz wichtig sei auch die Achtsamkeitsübung. Über- und Unterforderungen dürfe es nicht geben. Darum werde geübt, auf sich zu achten, aufzupassen und die eigenen Grenzen kennenzulernen.

Um eine positive Stimmung aufzubauen, gab es am Anfang die Frage: Was haben sie heute oder gestern Schönes erlebt? Jeder hatte das Wort und alle hörten aufmerksam zu. Aus zufriedenen und lachenden Gesichtern kamen unvermittelt viele Aussagen wie Freunde besuchen, Kaffeegäste haben, nette Menschen kennenlernen, ein Kinobesuch, morgens aufstehen und lächeln oder zufällig ein Buch in die Hand bekommen. Mit vielen derartigen spontanen Gedanken wurde kurz das Thema Schmerz in den Hintergrund verdrängt. Dies bestätigte, dass Lachen und Fröhlichkeit zu den effektivsten Schmerztherapien gehören.

Das Gefühl, nicht alleine gelassen zu werden, ist ein wichtiger Bestandteil der Gruppenarbeit. Gemeinsame Ziele: Positiv nach vorne gehen, miteinander an Zielen arbeiten und viel Bewegung um die Muskulatur beweglich zu halten – also eine bessere Lebensqualität zu erreichen. Unter dem Dach der Deutschen Fibromyalgie-Vereinigung finden sich mehr als 5000 Schmerzpatienten, in Baden-Württemberg existieren mehr als zehn Selbsthilfegruppen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen