Fuß passt nach Sturz nicht mehr in den Motorradstiefel

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„Über Grenzen“: Paul Hartmann, einen der beiden Regisseure, begleitet Margot Flügel-Anhalt bei ihrer Motorradreise. Zum Filmstar
„Über Grenzen“: Paul Hartmann, einen der beiden Regisseure, begleitet Margot Flügel-Anhalt bei ihrer Motorradreise. Zum Filmstart kommen viele Besucher ins Kino Saulgau. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Kinobetreiber Jürgen Burth hat am Montagabend im Kino Saulgau die Protagonistin des Films „Über Grenzen“, Margot Flügel-Anhalt, sowie einen ihrer zeitweiligen Reisebegleiter, Paul Hartmann, begrüßen können. Die beiden waren gekommen, um für den Film und das druckfrische Buch die Werbetrommel zu schlagen. Ein höchst interessiertes Publikum im voll besetzten Saal nutzte die Gelegenheit, detaillierte Fragen zu stellen.

„Reisen macht süchtig“, stellte die 64-jährige Margot Flügel-Anhalt fest, als sie am Ende des Films auf ihre Zukunftspläne angesprochen wurde. Klar gehe sie wieder auf Tour. Schon die ersten Filmszenen bewiesen aber, wie mutig die relativ kleine, drahtige Frau gewesen sein muss, um mit ihrer kleinen Honda Enduro knapp 18 000 Kilometer durch Osteuropa und Zentralasien zu fahren. Und dies als Motorradneuling, der bis kurz vor dem Start noch gefährlich wackelig auf der Maschine saß.

Hilfsbereite Menschen

Erste Pannen stellten sie bereits in Gera und bald wieder in Polen vor Probleme: Die Sprit-Zufuhr versagte und ihre Reparaturkenntnisse waren äußerst bescheiden. Wären da nicht hilfsbereite Menschen eingesprungen, hätte dies bereits das Ende der Tour bedeuten können. Zwar hatte sie sich zwei Jahre lang auf die Reise vorbereitet, Persisch gebüffelt, um sich mit den Leuten im Iran verständigen zu können. Auch Trainingseinheiten in Selbstverteidigung, die sie vor Übergriffen schützen sollten, standen auf dem Programm.

Und trotzdem erschien den Kinobesuchern das Vorhaben überaus couragiert, als Frau meist mutterseelenallein durch Länder zu fahren, die von Männern dominiert werden. Durch Gegenden, vor deren Besuch eindringlich gewarnt wird. Was wäre im Krankheitsfalle, bei Unfällen mit schweren Verletzungen, wenn das Motorrad streiken würde? In diese Richtung zielten die meisten Fragen der Zuschauer. Sie hatten im Film erlebt, wie häufig die Fahrerin im unwegsamen Gelände stürzte. Wie massiv ihr Fuß nach einem Sturz anschwoll, sodass er nicht mehr in den Stiefel passte. Sie sei zäh, parierte sie solche Fragen mit einem Lachen. Hinsichtlich des verletzten Knöchels gestand sie aber ein, habe sie einfach Glück gehabt, dass ein polnischer Motorradfahrer vorbeigekommen sei und das Bein fachmännisch bandagiert habe.

Regen und Schnee

Glück auch in Sachen Sicherheit. Bis auf eine zwielichtige Begegnung mit drei Männern in Kasachstan, die sie entschärfen konnte, habe sie sich nie bedroht gefühlt. Viel problematischer sei die Wetterlage gewesen. So hätten Regen und Schnee die Pisten unversehens in Schlammwüsten verwandelt und dies in Gegenden, die im Sommer als absolut trocken gelten.

Weitere Belastungen waren die Kälte auf über 4000 Metern und der mangelnde Sauerstoffgehalt der Luft. Letzterer bescherte auch ihren zeitweiligen Begleitern, den beiden Regisseuren des Films, Johannes Meier und Paul Hartmann, Atemnot und heftigste Kopfschmerzen, die nur mit stärksten Medikamenten zu ertragen waren. Die beiden Männer folgten ihr zwölf Tage lang – mehr Urlaub war nicht drin – in einem Geländefahrzeug mit dem Ziel, möglichst viel Material für den geplanten Film zu gewinnen. Den größten Teil der 236 Stunden langen Filmausbeute produzierte die Hauptdarstellerin jedoch selbst, unter anderem mittels einer Helmkamera. Auf die Frage,ob ein ein stärkeres Motorrad als elf PS starke Honda Enduro wohl sinnvoll gewesen wäre, erfolgte ein entschiedenes Nein.

Größere Maschinen seien für die meisten Pisten zu schwer und benötigten deutlich mehr Kraftstoff als ihr Modell mit 3,5 Liter auf 100 Kilometer. Und sie hätte einen Motorradführerschein gebraucht, während sie die 125er noch mit dem alten „Lappen“ steuern durfte.

Müsste Margot Flügel-Anhalt ein Rangliste ihrer Reiseeindrücke erstellen, so stünden die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Menschen bei weitem an erster Stelle. Dahinter rangieren die grandiosen Landschaften, von denen man im Film gerne noch mehr gesehen hätte.

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