Freude verdrängt beim Spatenstich den Frust

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So sollen die Produktionsstätte und die Schaukäserie des Mozzarella-Produzenten Giovanni Melillo auf dem Areal des ehemaligen G
So sollen die Produktionsstätte und die Schaukäserie des Mozzarella-Produzenten Giovanni Melillo auf dem Areal des ehemaligen Gasthauses Engel in Haid aussehen. (Foto: Architekturbüro SHS)
Schwäbische Zeitung
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Das Warten hat ein Ende: Mozzarella-Produzent Giovanni Melillo hat am Freitagabend mit zahlreichen Gästen den Spatenstich für seine Produktionsstätte und Schaukäserei auf dem Areal des früheren Gasthauses Engel in Haid gefeiert. Im Herbst dieses Jahres will Melillo dort mit der Produktion beginnen und dann seinen Betrieb in Hohentengen aufgeben. Es war ein langer Weg mit bürokratischen Hindernissen.

Über die vergangenen Wochen und Monate will Giovanni Melillo am liebsten gar nicht mehr viel reden – zu anstrengend, zu nervenaufreibend war die lange Wartezeit, bis er die Baugenehmigung für seine neue berufliche Heimat erhielt. Melillo ist seit Anfang 2017 neuer Eigentümer des ehemaligen Gasthauses und wollte ursprünglich bereits im nächsten Monat seinen bekannten Mozarella in Haid herstellen und seine Produkte direkt vermarkten.

Doch das Regierungspräsidium Tübingen hatte ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hauptgrund der Verzögerung waren Bedenken wegen der Zufahrt vom Parkplatz des Grundstücks zur Bundesstraße 32. Und genau diese Zufahrt war nie ein Problem, solange früher nur die Gastronomie betrieben wurde. Aber durch die Nutzungsänderung war plötzlich die Ausgangssituation eine andere, sodass die Zufahrt vom Parkplatz auf die B 32 nicht genehmigt wurde und eine neue Zufahrt geplant werden musste. „Ich bin relativ ruhig geblieben, dafür, dass ich Italiener bin“, sagte Melillo beim Spatenstich am Freitagabend.

Geduld wird strapaziert

Und Melillos Geduld wurde noch weiter strapaziert, weil der Abfluss des Oberflächenwassers nicht in eine Wiese nebenan geleitet werden durfte. Sickermulden waren die Lösung, in die das Oberflächenwasser in Zukunft abfließen kann. Im Herbst 2017 saß deshalb der Frust tief bei Giovanni Melillo. „Das ärgert mich schon alles“, sagte Melillo, als sich seine Pläne nicht realisieren ließen und er seine Kunden und Lieferanten vertrösten musste.

Fünf Monate später freut sich Melillo jetzt nur noch darauf, dass es endlich bald losgehen kann. Und mit ihm auch Architekt Johannes Heinzler vom Architekturbüro SHS in Hohentengen. „Wir haben drei Anläufe für einen Spatenstich genommen. Und wir mussten immer nach neuen Lösungen suchen“, sagte Heinzler am Freitagabend. Die Stadt Bad Saulgau habe das Projekt stets unterstützt, auch wenn ihr bei der Problematik mit der Zufahrt die Hände gebunden waren. „Wir waren von Anfang an von dieser Idee der Mozzarella-Produktion begeistert“, sagte Bad Saulgaus Bürgermeisterin Doris Schröter, die sich auf den Genuss von Melillos Mozzarella freue.

Giovanni Melillo hatte sich bewusst für einen neuen Standort entschieden, um seine Produktionskapazitäten zu erweitern und um eine Schaukäserei zu eröffnen, in der er den Besuchern die Produktionsschritte von der Milch bis zum fertigen Mozzarella-Käse zeigen kann. In seiner Garage in Hohentengen kann der Unternehmer derzeit 1000 bis 1500 Liter Milch pro Tag verarbeiten. Auf dem neuen Firmenareal in Haid könne er dann mehr als 10 000 Liter täglich verarbeiten.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Klaus Burger sagte beim Spatenstich, dass er überzeugt sei „von der Qualität der erstklassigen Produkte“ – auch wenn er es bedaure, dass Melillo den Standort in Hohentengen aufgebe. „Aber er bleibt im Landkreis Sigmaringen und haucht dem Engel neues Leben ein“, so Burger, der hinterher mit den Gästen im Gasthaus die Produkte aus Melillos Produktion kosten durfte. Spätestens ab diesem Zeitpunkt wollte niemand mehr über Zufahrten und Abwasser sprechen. Aber noch einmal will Giovanni Melillo nicht mehr auf die Geduldsprobe gestellt werden. „Im Herbst will ich hier produzieren“, sagt er. Mit der Schaukäserei will er sich noch etwas Zeit lassen.

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