Früherer Ortsvorsteher von Moosheim vereint Familie und Ehrenamt

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 Sieben Kinder und viele Ehrenämter: Darauf blickt der 90-jährige Engelbert Kemmer aus Moosheim zurück.
Sieben Kinder und viele Ehrenämter: Darauf blickt der 90-jährige Engelbert Kemmer aus Moosheim zurück. (Foto: Wolfgang Lutz)
Wolfgang Lutz

Engelbert Kemmer ist am vergangenen Donnerstag 90 Jahre alt geworden. Bei guter Gesundheit und klarem Verstand blickt Moosheims früherer Ortsvorsteher auf sein Leben zurück, in dem die Familie immer an erster Stelle stand, aber auch das Ehrenamt seinen festen Platz hatte. Mit nun 90 Jahren stehen das Lesen der Zeitung und die regelmäßigen Ausfahrten mit dem E-Bike auf seinem Tagesplan.

Mit drei Schwestern in Moosheim aufgewachsen, besuchte Engelbert Kemmer auch dort die Schule, bis er im Alter von 15 Jahren eine Lehrstelle in Friedrichshafen antrat. Hier erhielt er bei der Firma Dornier einen Ausbildungsvertrag im Jahr 1944 als Metallflugzeugbauer. Ein Jahr lang erlebte er dort in der Lehre auch die Flugzeugangriffe auf Friedrichshafen hautnah mit. Nach Kriegsende zog es ihn wieder zurück in die Heimat, wo er in Saulgau bei Schmiedemeister Bodenmüller das Handwerk des Hof- und Wagenschmiedes erlernte. Nach sieben Jahren in seinem ehemaligen Ausbildungsbetrieb wechselte er die Stelle und arbeitete dann 39 Jahre bis zu seiner Pensionierung beim Landmaschinenunternehmen Bautz in Saulgau. 20 Jahre übte er den Beruf als Schweißer aus, zehn Jahre war er als Meister in der Guss-Putzerei beschäftigt.

Erste Wohnung in Schmiede

Mit 21 Jahren lernte seine spätere Ehefrau Brunhilde kennen, die aus der damaligen Ostzone geflüchtet war und in Moosheim Unterkunft und Arbeit fand. Nach der Hochzeit 1952 diente dem Ehepaar das Heimathaus seines Vaters als erste Wohnung. Dort war eine Schmiede eingerichtet, die seinem Onkel als Broterwerb diente. Acht Jahre später baute sich das junge Paar dann neben die Schmiede ein Haus, in dem die Familie wuchs. Vier Jungen und drei Mädchen kamen zur Welt. Zur Großfamilie zählen heute neun Enkel und drei Urenkel. Das Schmieden bei seinem Onkel neben seiner Arbeit bei Bautz wurde zu seinem großen Hobby. „Das Geld konnte ich gut gebrauchen, als das Haus neu gebaut wurde“, so Engelbert Kemmer.

Trotz der vielen Arbeit und seiner Familie war das Ehrenamt für Engelbert Kemmer ein Leben lang sein Begleiter. Bereits 1965 wurde er zum Gemeinderat gewählt und war auch zehn Jahre stellvertretender Bürgermeister. Nach der Gemeindereform im Jahr 1975 wählten ihn die Bürger in den Ortschafts- und auch eine Periode lang in den Stadtrat. 25 Jahre schenkten ihm dann die Ortschaftsräte das Vertrauen als Ortsvorsteher – ein Ehrenamt, das er mit Leib und Seele ausführte. In seine lange Zeit als Ortsvorsteher fielen prägende Vorhaben für die Gemeinde Moosheim. Bei der Dorfsanierung waren es die Sanierung und der Umbau des Klostergebäudes mit Saal, Vereinsräumen sowie der Unterbringung der Ortsverwaltung. Auch am Bau des Pfarrgemeindehauses, er war auch stellvertretender Pfarrgemeinderatsvorsitzender, hatte er maßgeblichen Anteil. Und nicht zu vergessen der Radwegebau zwischen Moosheim und Bad Saulgau.

Sein persönlich wichtigstes Hobby war für Engelbert Kemmer immer die örtliche Feuerwehr. 1951 trat er in die Moosheimer Wehr ein und war dann 33 Jahre deren Kommandant. Drei Großbrände fielen in seine aktiven Dienstjahre. Als Kommandant legte er großen Wert auf eine gute Ausbildung seiner Kameraden. „Bei mir hatten alle Moosheimer Feuerwehrleute das Leistungsabzeichen in Bronze und Silber abgelegt, was selten war, und darauf bin ich heute noch stolz.“ Heute beschränken sich aber seine Aktivitäten auf Fahren mit dem E-Bike.

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