Feuerwehr stemmt sich gegen Hochwasser

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15.30 Uhr: Das Wasser des Sießener Bachs tritt an zwei Stellen über die Ufer. Über die Brücke im Hintergrund fließt jetzt das Wa (Foto: Wolfgang Lohmiller)
Rudi Multer

„Das war knapp“, sagt der Einsatzleiter am Kindergarten St. Josef. 25 Zentimeter hoch stand das Wasser im Hof der Kindertagesstätte. Noch ein paar Millimeter mehr und das Wasser wäre in den Kindergarten geflossen. „Wir haben es gerade noch geschafft.“ So blieben die 20 Zentimeter Wasser im Keller. Nicht nur vor dem Kindergarten St. Josef hatte die Feuerwehr gestern das Hochwasser knapp gestoppt. Nach heftigen Regengüssen am frühen Nachmittag hatte sich die Hochwasserlage an den beiden Schwerpunkten am Sießener Bach und an der Schwarzach in den Abendstunden entspannt, blieb aber kritisch. Alles hing davon ab, ob es am Abend noch einmal zu starken Regenfällen kommen würde.

Ohne Vorwarnung spitzt sich gestern gegen 13 Uhr die Lage in Bad Saulgau zu. Normalerweise bekommt Stadtbrandmeister Karl-Heinz Dumbeck Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes auf sein Handy übertragen. Diesmal blieb das Handy stumm. „Starke Regenfälle über Konstanz waren angekündigt“, sagt der Stadtbrandmeister im Feuerwehrgerätehaus. Der heftige, langanhaltende Regenguss prasselte ohne Vorwarnung auf Bad Saulgau. Und zwar nur hier. „Im ganzen Landkreis ist sonst nichts“, sagt Kreisbrandmeister Michael Hack. Er ist vor Ort im eilends im Feuerwehrgerätehaus eingerichteten Führungsstab im Feuerwehrgerätehaus.

Karl-Heinz Dumbeck rechnet wegen des heftigen Regens schon nach den beiden ersten kleineren Alarmen mit einem Großeinsatz und alarmiert die gesamte Abteilung Stadt, später die Abteilungswehren, außerdem die Feuerwehren Herbertingen und Mengen. Ein Einsatzleitwagen der Feuerwehr in Sigmaringen unterstützt den Großeinsatz, ebenso Logistikfahrzeuge der Feuerwehren Hohentengen und Scheer. Um 15 Uhr nimmt der Führungsstab im Feuerwehrgerätehaus die Arbeit auf. Die DRK-Bereitschaft Bad Saulgau übernimmt die Versorgung und Verpflegung der Einsatzkräfte. Bürgermeisterin Doris Schröter informiert sich im Feuerwehrgerätehaus, der Erste Beigeordnete Richard Striegel stellt die Verbindung zwischen Stadtverwaltung und Feuerwehr sicher.

Es wird tatsächlich ein Großeinsatz. Zuletzt ist die Feuerwehr an 80 Orten mit 220 Männer und Frauen im Einsatz. An der Schwarzach bedroht das Hochwasser die Kläranlage. „Wir konnten die Situation mit Pumpen entschärfen“, sagt der Stadtbrandmeister. Gefährlich entwickelt sich auch die Hochwasserlage im Bereich des Sießener Bachs. Nach einer Stunde heftigen Dauerregens bildet der Wasserspiegel mit den angrenzenden Wiesen eine Ebene. Nur der Parkplatz beim Krankenhaus steht im Uferbereich des Sießener Bach unter Wasser. Doch im Bach drücken die Wassermassen nach. Noch sieht es undramatisch aus.

Gegen 15 Uhr spitzt sich auch die Lage in diesem Bereich des Sießener Baches, der Berta-Hummel-Schule und der Geschwister-Scholl-Straße, zu. Wassermassen aus dem Sießener Tal drücken nach. Keller laufen reihenweise voll. An zwei Stellen tritt das Wasser über die Ufer, setzt den Sießener Fußweg mehrere Zentimeter unter Wasser. Mit vier Pumpen schafft die Feuerwehr 2400 Liter in der Minute aus dem Bach. Die Situation entspannt sich, bleibt aber kritisch. „Es besteht die Gefahr, dass der Damm bricht“, macht Karl-Heinz Dumbeck deutlich. In diesem Fall könnte das Wasser weiteres Unheil anrichten an der Berta-Hummel-Schule, am Kindergarten St. Josef, sogar in der Innenstadt.

Mit Sandsäcken verstärken die Feuerwehrleute den Damm. Ob die Entspannung anhält, hängt einzig davon ab, ob weitere Regenfälle folgen. Karl-Heinz Dumbeck kann optimistisch sein: „Es sind keine weiteren Niederschläge vorausgesagt.“

Nach den 48 Einsätzen am Samstag und Sonntag, einem nur kurzeitigen Verschnaufen am Montag, zehrt der neuerliche Großeinsatz merklich an den Kräften der Retter. Deshalb: „Einen halben Tag Ruhe könnten wird jetzt gebrauchen“, sagt der Stadtbrandmeister und wirft einen Blick zum Himmel. Kommt noch etwas oder kommt nichts mehr? Am seidenen Faden hängt die wohl verdiente Ruhepause.

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