Fairtrade-Stadt: Erste Schritte sind getan

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 Die Mitglieder der Steuerungsgruppe: Baykal Ünal (Vorsitzender der UBS-Fachgruppe Einzelhandel), Markus Barth (Tbg-Prokurist),
Die Mitglieder der Steuerungsgruppe: Baykal Ünal (Vorsitzender der UBS-Fachgruppe Einzelhandel), Markus Barth (Tbg-Prokurist), Anita Metzler-Mikuteit (freie Journalistin), Engelbert Wurmser (Weltladen Asante), Kurt Rimmele (Geschäftsführer Sonnenhof-Therme), Diakon Johannes Jann, Marika Marsovszki (Kirchengemeinderat evangelische Kirche), Ilona Boos (städtische Wirtschaftsförderung), Bürgermeisterin Doris Schröter, Armin Masczyk (Rektor Schulverbund) und Niklas Gentner (Umweltbüro). (Foto: privat)
Anita Metzler-Mikuteit

Der erste Schritt hin zur Fairtrade-Stadt Bad Saulgau ist gemacht. Vor wenigen Tagen haben Vertreter von Einrichtungen und Institutionen die hierfür notwendige Steuerungsgruppe gebildet. Bei der Diskussion wurde deutlich: In vielen Bereichen in der Stadt wird bereits fair und nachhaltig gehandelt. Eine gute Basis für ein kommunales Engagement, das auch nach der Zertifizierung lange nicht zu Ende sein soll.

Eigentlich ist es der zweite Schritt. Der erste war – vorschriftsgemäß – die Zustimmung im Gemeinderat. Hier wurde auch festgezurrt, dass Stadt und Verwaltung langfristig dem Leitgedanken „Nachhaltig leben – fair handeln“ folgen wollen. Zum ersten Treffen der Steuerungsgruppe wurde Martin Lang vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg eingeladen. Der Verband mit Sitz in Stuttgart setzt sich dafür ein, dass sich viele Menschen von einer Vision weltweiter Gerechtigkeit leiten lassen und entsprechend leben, wirtschaften und sich für eine entsprechende Politik stark machen.

Martin Lang kennt unzählige Fairtrade-Towns. „Es ist in aller Regel ein bereichernder Prozess“, beschreibt er das Prozedere der Zertifizierung und empfiehlt, dabei auf den moralischen Zeigefinger zu verzichten. Vielmehr solle man gänzlich „unverkrampft“, in einer einladenden Atmosphäre und gemeinsam mit den Bürgern auf das Ziel hinsteuern. Doch die Zertifizierung ist das eine. Was danach kommt – oder eben nicht – das andere. Martin lang weiß aus Erfahrung, dass es hier eine Zweiteilung gibt. Heißt: Zum einen gibt es Kommunen, die sich auf der Auszeichnung ausruhen. Die anderen sehen diese als Startschuss für weitergehende und vor allem langfristige Aktionen und Projekte. Dass Bad Saulgau zur zweiten Kategorie gehören wird, das wurde schon am ersten Abend deutlich. „Wir wollen nicht nur dieses Etikett, wir meinen es wirklich ernst“, sagte Bürgermeisterin Doris Schröter. Der Begriff „fair“ müsse längerfristig deutlich mehr umfassen, beispielsweise Regionalität oder Nachhaltigkeit. Doch zunächst geht es darum, im Vorfeld der Zertifizierung die fünf vorgegebenen Kriterien zu erfüllen. Zwei davon – der Ratsbeschluss und die Bildung einer Steuerungsgruppe – sind bereits erfüllt. Weiter wird gefordert, vier Geschäfte und zwei Gastronomien mit im Boot zu haben, die mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten. Hinzu kommen Schulen, Kirchengemeinden und Vereine, die mindestens einmal pro Jahr eine Aktion zum Thema Fairer Handel durchführen. Ein weiteres Kriterium umfasst die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Dass diese Voraussetzungen in Bad Saulgau zu stemmen sind, darüber waren sich an diesem Abend alle einig. Am Schulverbund etwa wird bereits in mehreren Unterrichtsfächern das Thema mit eingebunden. Auch könnten, so Schulleiter Armin Masczyk, entsprechende Themen im Rahmen der Projekttage aufgegriffen werden.

Auch bei der Tourismusbetriebsgesellschaft Bad Saulgau (Tbg) geht schon vieles in die richtige Richtung. „Wir ermutigen unsere Caterer, beim Speisenangebot diese Aspekte zu berücksichtigen“, sagte Tbg-Prokurist Markus Barth. Im Textil- und Kosmetikbereich ist das nicht anders. Als Vertreter der Einzelhändler berichtete Baykal Ünal von Modelabels und Pflegeprodukten, die fair, nachhaltig und regional sind, deren Anbieter sich aber eine entsprechende Zertifizierung oft nicht leisten können. „Wir sollten dabei auch den ganzen Weg sehen, von der ersten bis zur letzten Meile“, so Baykal Ünal und schließt dabei nicht zuletzt eine faire Bezahlung der Paketboten mit ein.

Umstieg auf Pappbecher

Kurt Rimmele sieht rund um die Sonnenhof-Therme Handlungspotential besonders in punkto Nachhaltigkeit und Regionalität. T-Shirts und Polo-Shirts für Mitarbeiter etwa werden bei einem Unternehmen gekauft, das seine Waren nach eigenen Angaben komplett in Deutschland produziert. Bei Mehrwegbechern ist in naher Zukunft beabsichtigt, von Kunststoff- auf Pappbecher umzusteigen. Für Martin Lang sind „die günstigsten Produkte eindeutig die teuersten“. Nämlich dann, wenn alle Faktoren von der Herstellung bis zum Verkauf in die Berechnung mit einfließen.

Anhand von Beispielen machte der Fairhandelsberater auch deutlich, wie vielfältig faire und nachhaltige Ideen umgesetzt werden können. Nicht mit dem moralischen Zeigefinger, sondern mit Kreativität, in Gemeinschaft mit anderen und dem guten Gefühl, in seinem eigenen Umfeld ganz viel bewirken zu können. Angesiedelt ist die Steuerungsgruppe an den Fachbereich eins und an das Umweltbüro. Hier ist der Ansprechpartner Niklas Gentner, der dort sein freiwilliges ökologisches Jahr absolviert.

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