Erste Kriminacht erzeugt viel Spannung

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 Uli Herzog (links), Silke Nowak und Michael Boenke bei ihrer ersten Kriminacht im Gasthaus Sternen.
Uli Herzog (links), Silke Nowak und Michael Boenke bei ihrer ersten Kriminacht im Gasthaus Sternen. (Foto: Fotos: Monika Fischer)
Monika Fischer

Michael Boenke, Silke Nowak und Uli Herzog sind als Schriftsteller von Thrillern mit regionalen Bezügen bekannt. Bei einer Kriminacht im Bad Saulgauer Gasthaus Sternen haben die Gäste sie am Freitagabend persönlich erleben können. Moderator und Organisator der ausverkauften Veranstaltung war Frank Eisele von der Schwaaz-Vere Buchhandlung. Für Entspannung zwischen den Leseproben sorgte das Duo Karl-Werner Späth an der Harmonika und Fritz Haug auf der Gitarre.

Kein Zweifel, die Kriminacht im Sternen war ein Volltreffer. Der boomende Vorverkauf deutete es schon an: Wer sich eine Karte gesichert hatte, sollte sich beizeiten auf den Weg machen, um im Gastraum einen Sitzplatz zu ergattern. Tatsächlich drängten sich die Krimifans schon weit vor Beginn der Lesung in Andrea Friedmanns Traditionslokal, sodass die Frauen vom Service, allesamt im gestreiften Sträflingsdress, kaum zu ihren Gästen durchkamen.

Eisele präsentiert Steckbriefe

Eigentlich hätte es gar keiner Vorstellung der Autoren bedurft, denn sie und ihre Romanhelden sind weit über die Region hinaus bekannt. Doch Moderator Eisele präsentierte Details ihrer Vita in Form eines Steckbriefs, der vom Publikum entschlüsselt werden musste. Das gesuchte „Subjekt Nummer 1“ war männlichen Geschlechts, mittelgroß, um die 60 Jahre alt, hatte Germanistik sowie Religionspädagogik studiert und ist in Bad Saulgau wohnhaft. Kein Zweifel, es handelte sich um Michael Boenke, der zuerst einen Abschnitt aus seinem Roman „Kuhnacht“ vortrug. Darin fetzen sich Hobbykriminalist Daniel Bönle und Lebensgefährtin Cäci bezüglich der Erziehung von Söhnchen Korbinian T-Rex. Eine Szene, die den Kriminalfall noch aussparte und ob ihrer Pointen viel Gelächter erntete. Boenkes zweiter Lesedurchgang, diesmal aus dem Klosterkrimi „Nonnenfürzle“, endete dagegen mit einem Albtraum: Rollte doch der Sießener Schwester Immaculata Flora beim nächtlichen Walkingtrip ein entstellter menschlicher Schädel vor die Füße. Der nächste Steckbrief galt einem weiblichen „Subjekt“ Anfang 40, studiert und promoviert, in Bad Saulgau zuhause. Die Gesuchte: Silke Nowak. Sie hat bereits neun Bücher publiziert, die sie höchst erfolgreich als E-Books im Internet vermarktet. Zu Beginn las sie aus ihrem neuesten Thriller, „Nocturna – die tödliche Schrift“, in der eine uralte Prophezeiung ein furchtbares Verbrechen voraussagt, mit dem die Ravensburger Privatdetektivin Rubi Fuchs konfrontiert wird. Danach folgte eine Kostprobe aus ihrem bekanntesten Roman „Die Tigerin“, in dem es um Menschenhandel, Zwangsprostitution und einen toten Richter geht.

Fahndung Nummer 3 galt wieder einem Mann, 70 Jahre alt, der in Biberach geboren wurde, in Wien eine Werbeagentur leitete und jetzt in Altshausen lebt: Uli Herzog. Seit seinem Eintritt ins Rentenalter lancierte er drei Bücher, hat aber die Handlung für mindestens zehn weitere im Kopf.

Zu Beginn stellte er den Band „Frauenduft“ vor, in dem der Ex- Profiler Ludwig Hirschberger die Entführung und Ermordung mehrerer Frauen aufklärte und dabei fast ins Jenseits befördert wurde. Anschließend griff Herzog zu seinem druckfrischen Krimi „Endstation Biberach“, der sich mit häuslicher Gewalt befasst. Daraus präsentierte er dem Publikum auf sehr lebendige Weise eine Verfolgungsjagd, die abrupt an einer geschlossenen Bahnschranke endete.

Die Frage, ob der Schurke diese trotz eines herannahenden Zugs durchbrach, blieb – natürlich – offen. Hatte das Publikum während der zweistündigen Lesung mäuschenstill zugehört, so entlud sich die Spannung am Ende in heller Begeisterung.

Und in die letzten Takte des Musikerduos, das auch den Kriminaltango drauf hatte, mischten sich lauthals Rufe nach einer Neuauflage. Uli Herzog mag es mit Zufriedenheit vernommen haben, denn er war es schließlich, der die Idee einer Kriminacht aus Reutlingen importierte. Ob Michael Boenke dann noch dabei sein wird, ist allerdings fraglich. Denn momentan lässt er die Schriftstellerei ruhen und geht stattdessen per Kamera auf Fotopirsch. Seine Fans wie jene grauhaarige Dame, die sämtliche seiner Romane verschlungen hat, werden trauern.

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