Eine der großen Fotografinnen zeigt ihr Werk

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Eine Besucherin betrachtet bei der Vernissage zwei Aktstudien.
Eine Besucherin betrachtet bei der Vernissage zwei Aktstudien. (Foto: Fotos (2): Monika Fischer)
Schwäbische Zeitung
Monika Fischer

Mit Karin Székessy hat Galeriechef Andreas Ruess eine Fotokünstlerin in die Fähre geholt, die durch ihre Kompositionen, darunter surrealistisch inspirierte Aktfotografie, einen internationalen Namen besitzt. Karla Nieraad, Leiterin des Stadthauses Ulm, führte in die Werkschau aus 60 Schaffensjahren Székessys ein, die sich zum Publikumsmagneten entwickeln könnte.

Trotz tropischer Hitzegrade hatte sich eine beträchtliche Zahl von Kunstfreunden zur Ausstellungseröffnung im Lichthof des Alten Klosters eingefunden. Auch die knapp 80-jährige Fotografin war aus Hamburg eingeflogen und zeigte sich höchst angetan von den außergewöhnlichen Galerieräumen. Bürgermeisterin Doris Schröter nahm in ihrer Begrüßung Bezug auf die 70-jährige Geschichte der Fähre, die 2009 aus der Schulstraße in das zum Kulturzentrum „Altes Kloster“ umgestaltete Altersheim St. Antonius gezogen war. Am neuen Ort, so Schröter, öffnete sich die bisher der Malerei verhaftete Galerie erstmals der Fotografie und erlangte mit einer Herlinde Koelbl-Ausstellung sofort ein überregional großes Interesse.

Erfolg in Männerdomäne

Ähnliches könnte den Bildern von Karin Székessy widerfahren, gehört sie doch zu den ersten Frauen, die Ende der Fünfzigerjahre in der damals von Männern dominierten Welt der Fotografie einen Stammplatz eroberten. Nach ihrem Studium des Bildjounalismus arbeitete sie als Fotoreporterin und dies mit so großem Erfolg, dass sie von Zeitschriften wie „Kristall“, „Spiegel“ oder dem „Playboy“ gebucht wurde. Die wachsende finanzielle Unabhängigkeit erlaubte ihr ein zunehmend selbstbestimmtes Arbeiten, das auch von der engen Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem 2010 verstorbenen Grafiker Paul Wunderlich, geprägt war. In ihrer lebendigen, sehr persönlich gehaltenen Hinführung zum Werk der Künstlerin ermutigte die Laudatorin Karla Nieraad das Publikum, die Fotos, deren atmosphärische Stimmung von Witz bis Melancholie reicht, selbst zu erkunden und sich vielleicht sogar ein Lieblingsmotiv auszugucken.

Dafür gibt es bereits im Lichthof, wo ein Großteil der Hundebilder hängt, viele Gelegenheiten. Etwa „Florette auf dem Kürbis“. Oder „Anton in der Sandgrube“. Sicherlich hätten auch die Künstlerportraits eine Chance, allen voran das Foto eines knabenhaft wirkenden 39-jährigen Joseph Beuys mit Gel-Frisur statt des späteren Filzhuts. Karin Székessys facettenreiche Werke sind überwiegend in Schwarz-Weiß gehalten, lediglich einige der Landschaftsimpressionen zeigen Spuren von Farbe. All ihren Bildern ist indes gemeinsam, dass sie meisterlich komponiert statt naturalistisch fotografiert sind.

Auch die Aktstudien, schwerpunktmäßig in den letzten drei Räumen angesiedelt, sind Inszenierungen, bei denen Accessoires wie Licht, Schatten, Schleier oder Blumenranken eine gewichtige Rolle spielen und den surrealistischen Effekt unterstreichen. Vanessa und Jessica Porter, zwei junge ambitionierte Musikerinnen aus Laupheim, gestalteten den musikalischen Rahmen der Vernissage. Die beiden begeisterten auf Vibraphon und Marimbaphon mit einem temperamentvollen Tango sowie einer duftigen Impression von Debussy in solchem Maße, dass eine Zugabe fällig wurde.

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