Ein Meisterwerk der Buchmacherkunst

Lesedauer: 5 Min
 Hans-Georg und Beate Rimmele übergeben das Schwarze Stundenbuch für die Jakobuskirche in Heratskirch an Dekan Peter Müller.
Hans-Georg und Beate Rimmele übergeben das Schwarze Stundenbuch für die Jakobuskirche in Heratskirch an Dekan Peter Müller. (Foto: Fotos: Eugen Kienzler)
Eugen Kienzler

Die Jakobuskirche in Heratskirch ist seit vergangenen Mittwoch um ein weiteres Kleinod reicher. Im Rahmen eines feierlichen Abendlobes hat die Bad Saulgauerin Beate Rimmele ein Faksimile des berühmten Schwarzen Stundenbuchs Karls des Kühnen an die Jakobuskirche übergeben. Dekan Peter Müller konnte dazu eine große Anzahl an interessierten Besuchern begrüßen.

Peter Müller dankte der Familie Rimmele für dieses wertvolle Buch, eine Perle der Buchmacherkunst, das in der ehrwürdigen Jakobuskirche, die beinahe zur selben Zeit erbaut wurde, wie das um 1475 entstandene Original des Schwarzen Stundenbuches. Hugo Birkhofer, der sich intensiv mit den Stundenbücher befasst hatte, führte in die Geschichte dieses Schwarzen Stundenbuchs ein. Es ist eines von nur sieben sogenannten schwarzen Handschriften des 15. Jahrhunderts, die heute noch erhalten sind. Benannt nach den tiefschwarz eingefärbten Pergamentblättern, waren diese außergewöhnlich luxuriös gestalteten Gebetbücher ausschließlich für den Adel und die wohlhabende Bürgerschaft bestimmt. Das Original des sich nun in der Jakobuskirche befindlichen Stundenbuches entstand im Auftrag Karls des Kühnen in Brügge und kam später in den Besitz der Habsburger. Heute ist es einer der größten Schätze der österreichischen Nationalbibliothek in Wien. Geschmückt ist das Gebetsbuch mit zahlreichen aufwendig gestalteten Miniaturen, Medaillons und Rankmuster.

Limitierte Auflage

In den 1970er-Jahren entstand unter wissenschaftlicher Begleitung in den Wiener Werkstätten ein Faksimile in einer limitierten Auflage von nur 850 Stück. Eines davon erwarben die Eltern von Beate Rimmele. Nach dem Tode ihrer Eltern und ihrer Schwester Regine, waren sich Beate Rimmele und ihr Mann Hans-Georg einig, im Sinne ihrer Familie zu handeln, und dem Buch eine neue Heimat zu geben. „Die Jakobuskirche, ein Kleinod aus dem selben Jahrhundert, ist der richtige und gute Ort für dieses Stundenbuch“, sagt Beate Rimmele zu den Beweggründen, dieses Schmuckstück des Buchdrucks der Jakobuskirche zu vermachen. Außerdem erinnere sie der Platz bei der Darstellung des Apostels Jakobus des Älteren, an dem die Stele mit der Vitrine nun steht, an ihre eigene Pilgerwanderung nach Santiago di Compostela, die sie in Heratskirch begann. Der Buchkeil in der Vitrine, die von der Firma Pius Luib aus Fulgenstadt gefertigt wurde, stammt übrigens aus einem Bauholz aus dem 15. Jahrhundert.

Das Abendlob war der festliche Rahmen, der auch musikalisch etwas Besonderes war. Schon bei der Eröffnung mit einem Satz aus Antonio Vivaldis Doppelkonzert a-Moll bewiesen die beiden Violinisten Lavinia Lutz und Tristan Dorn ihr gekonntes konzertantes Zusammenspiel. Der italienische Hymnus aus dem 15. Jahrhundert, „Alta Triniat beata“, war nicht die passende Hinführung, sondern ein Dank der großartigen Interpretation durch den Dreigesang Beate Rimmele, Anja Heggenberger-Lutz und Barbara Wagerer. Strahlend, hoffnungsvoll und auf die Menschwerdung Christi einstimmend, war das „Ave Maria“ von Hanser, bei dem die Sängerinnen von Richard Fischer am Continuo einfühlsam begleitet wurde.

Abgerundet wurde diese feierliche Stunde durch Lesungen und Impulse von Dekan Peter Müller wie die Betrachtung des Gedichts „Von Gott aus gesehen“ des als geistlicher Dichter im Plattenbau bekannten Ordensmannes Andreas Knapp und mit dem gemeinsam gesungenen Adventslied „Macht hoch die Tür“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen