Ein Hoch auf die Fantasie: Manege frei!

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Ein tolles Musical aus der Zirkuswelt zeigen die Kinder der Berta-Hummel-Schule.
Ein tolles Musical aus der Zirkuswelt zeigen die Kinder der Berta-Hummel-Schule. (Foto: Fotos: Katrin Liedtke)
Katrin Liedtke

Ein großer Wurf ist am Freitag dem Chor der Berta-Hummel-Schule gelungen. Am Vorabend des Schulfestes brachten über 60 Grundschüler auf der Bühne des Stadtforums ein schwungvolles Musical zur Aufführung. Um den etwa 900 Besuchern Platz bieten zu können, gab es gleich zwei Vorstellungen von jeweils einer Stunde Dauer.

„Der Tag, an dem der Zirkus verboten werden sollte“ heißt das bezaubernde Stück aus der Feder Eva Württembergers. Roter Samtstoff sorgt für authentische Atmosphäre und sogleich füllt sich die Bühne mit quirligem, bunt kostümiertem Zirkusvolk. „Zirkus, Zirkus, ja das ist unsere Welt“ klingt es fröhlich. Die Akteure feiern ein Fest der Lebensfreude. Doch Ungemach droht vonseiten des Oberverwaltungsrats Müller 1, begleitet von seinem Gehilfen Müller 2. Schon auf seinem Weg durchs Publikum hagelt es Verwarnungen wegen nicht ordnungsgemäßer Haarlänge und unrasiertem Erscheinen. War ihm schon dies eine Aktennotiz wert, so ist der Zirkus Buntelli, der in der Stadt gastiert, in seinen Augen der Gipfel von unkontrollierbarem Chaos. Der Zirkus stelle eine Gefahr für die öffentliche Ordnung dar und müsse umgehend verboten werden. „Und wenn dann endlich der Stempel knallt im deutschen Blätterwald, dann ist wieder Ordnung eingekehrt“, bringt es der Chor auf den Punkt.

Otto ist der stärkste Mann

Doch erst einmal heißt es „Manege frei“. Die Drittklässler der Hummelschule beweisen als Jongleure, Akrobaten und Clowns ihr Können. In die Vorführung eingebettet sind zahllose Lieder, mal für den ganzen Chor, mal für einzelne Darsteller. Der Magier zersägt seine Assistentin, ohne dass sie dabei Schaden nimmt, und Otto, der stärkste Mann der Welt, legt einen staunenswerten Auftritt hin. Als die Zirkusprinzessin anmutig über die Bühne schwebt, ist es um Müller 2 geschehen – er wechselt die Seiten. Das werde noch Folgen haben, ereifert sich Müller 1 und verbietet dem Zirkus jegliche Aktivitäten: Die Künste des Magiers sind für ihn „Scharlatanerie übelsten Ausmaßes“, die Clowns nennt er "alberne Gestalten" und der Zirkusprinzessin wirft er „unerlaubtes Führen eines Adelstitels“ vor. Als sich der Zirkusdirektor weigert, die Stadt zu verlassen, holt Müller 1 die Polizei zu Hilfe.

Das vormals so fröhliche Völkchen lässt die Köpfe hängen, doch Müller 2 hat den rettenden Einfall: Eine Bürgerbefragung soll entscheiden. Das Ergebnis ist eindeutig: Der Zirkus soll bleiben! Sogar die vier Polizisten sind dieser Meinung.

Am Ende des Stückes ist der Applaus mehr als verdient, Chorleiterin Heidrun Boll kann stolz sein auf ihre Schützlinge. Die Proben hatten schon an Martini begonnen, in den Vorbereitungen steckte enorm viel Arbeit, doch der Aufwand hat sich gelohnt. Manch einer der jungen Darsteller wuchs über sich hinaus, der reguläre Schulunterricht allein könne das nicht leisten. Solche Erfahrungen seien einfach unersetzlich. „Strahlende Kinderaugen sind für mich der größte Lohn“, sagt Boll und strahlt selbst.

Dank Sponsoren war nicht nur der Eintritt frei, es konnten auch Requisiten erworben werden und jedes Kind wird eine DVD der Aufführung bekommen. Beim Hinausgehen kommen viele Besucher der Bitte um eine „klingelnde oder auch knisternde“ Spende nach. Diese wird für Anschaffungen für den Chor verwendet und die Helden des Abends dürfen sich auf ein Eis freuen.

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