Ein faszinierendesKonzert mit vier Händen

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 Das Pianistenpaar Vilija Poskute und Tomas Daukantas spielen im Lichthof im Alten Kloster.
Das Pianistenpaar Vilija Poskute und Tomas Daukantas spielen im Lichthof im Alten Kloster. (Foto: Monika Fischer)
Monika Fischer

Bei vierhändigen Klavierkonzerten ist man gespannt, ob auf einem oder zwei Instrumenten gespielt wird. Im Lichtsaal des Alten Klosters haben sich Vilija Poskute und Tomas Daukantas den Fazioliflügel geteilt, wobei sie auf der rechten, der Primoseite agierte, die häufig melodieführend ist. Er übernahm den Secondopart auf der Bassschlüsselseite und bediente – überaus feinfühlig - das Pedal.

Als Programmauftakt hatten die vielfach ausgezeichneten Künstler zwei Stücke aus dem dreiteiligen Werk „Trois morceaux en forme de poire“ von Erik Satie (1866-1925) gewählt. Der französische Komponist gilt vielfach als ironisch-witzig, was im Spiel der Pianisten durchaus nachvollziehbar war: Strahlend hohe Klänge wurden von tiefen Bässen pariert, auf harte Anschläge und markante Akkorde folgten Echoeffekte, akrobatisch anmutende Läufe und stakkatoartige Hüpfer erinnerten an Zirkusatmosphäre.

Vor allem bei temporeichen Stellen wurde spürbar, mit welch blindem Verständnis die Künstler aufeinander reagieren, sodass ihr Spiel aus einem Guss erscheint. Die räumliche Enge am Flügel meisterten sie durch schnelles Freigeben der Tasten, indem die Arme ausschwangen. Mal kreuzten sich die Hände, griff Tomas Daukantas blitzschnell auf die Violinschlüssel-Seite, um strahlend hohe Akkorde zu schlagen, mal wechselte seine Partnerin für Momente ins Bassrevier.

Edvard Grieg hat in der Peer Gynt Suite ein dramatisches Gedicht von Henrik Ibsen vertont, das märchenhafte Motive und Gestalten der nordischen Mythologie enthält. In der musikalischen Umsetzung schöpfte Grieg aus Volksliedgut und Tanzrhythmen, um Naturerlebnisse wie die Morgenstimmung oder Gefühle von Euphorie, Verführung, Wut und Schmerz musikalisch erfahrbar zu machen. Ein Strudel der Empfindungen, den das Klavierduo auf bravouröse Weise im Lichthof entfaltete. Der Charakter einzelner Szenen zeigte sich auch in der Körpersprache der Interpreten. Mal beugten sie sich vor, lehnten sich zurück, mal schienen sie sich im Tanz zu wiegen, und bei temperamentvollen Einsätzen riss es sie förmlich vom Hocker.

Perlende Akkorde,lyrische Momente

Zu den wichtigsten Werken des Komponisten Franz Schubert (1797 – 1828) gehört die Fantasie f-Moll op. 103, die er im Jahr seines Todes komponierte. Sie besteht aus vier Sätzen, die ohne Unterbrechung durchgespielt werden. Auf einen meditativ-melodiösen Beginn folgte ein Gewitter dezidierter Akkorde. Perlende Tonfolgen gaben sich tänzerisch, um erneut in breite Anschläge zu münden. Aus dem Wechsel von lyrischen Momenten und turbulenten Fortissimo-Teilen entstand eine Spannung, die im Schlussteil abrupt abstürzte, gefolgt von einem Takt der Stille. Daran schloss sich die Anfangsmelodie und markierte nun den Schluss der Fantasie. Dass der letzte Ton gehalten wurde und das Künstlerpaar ihm nachspürte, bis er sich in Nichts auflöste, erzeugte geradezu einen Gänsehauteffekt.

Der letzte Programmteil war dem Komponisten Camille Saint-Saëns (1853 -1921) gewidmet und zitierte drei Teile aus dessen Oper Samson und Dalila. Auch hier webten die Pianisten feinste Tongespinste, gefolgt von expressiven Akkorden und rasanten Läufen. Im Danse Bacchanale schließlich nahm das furiose Musizieren geradezu arabisch anmutende Formen an.

Mit Bravorufen bedankte sich das Publikum für einen Abend, der mitreißende Klangerlebnisse und beglückende Momente gleichermaßen verband. Als Zugabe spielten die Künstler das Stück „Der Schwan“ aus Saint-Saëns‘ „Karneval der Tiere“ und zogen mit dem fulminanten „Säbeltanz“ von Aram Chatchaturian nochmals alle Register ihres Musizierens.

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