Ein Blick auf die einstige Künstlerschmiede

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 Wendelin Renn, Bürgermeisterin Doris Schröter und Galerist Andreas Ruess unterhalten sich an einem Ausstellungsstück von Gerold
Wendelin Renn, Bürgermeisterin Doris Schröter und Galerist Andreas Ruess unterhalten sich an einem Ausstellungsstück von Gerold Miller, Künstler in Berlin und Absolvent des Aufbaugymnasiums. (Foto: Rudi Multer)
stellv. Redaktionsleiter

Einige Besucher haben sich bei der Vernissage der Ausstellung „Künstlerschmiede LOS, Lehreroberschule und Aufbaugymnasium Saulgau 1877 - 1992“ im Lichthof im Alten Kloster in Bad Saulgau mit Stehplätzen begnügen müssen. So groß war das Interesse an der historischen Werkschau von 31 Lehrern und Schüler der Schule und einer Frau im Rahmen von 120 Jahre Bad Saulgau. Vertreten sind die ersten Jahre der Bildungseinrichtung genauso wie Absolventen und Lehrer der 80er- und 90er-Jahre. Noch mehr haben sich künstlerisch betätigt und haben sich teilweise einen Namen gemacht. Doch die Recherche und das Zusammentragen der Werke war nicht einfach, wie Galerist Andreas Ruess andeutete. „Irgendwann muss dann auch mal Schluss sein“, sagte er im Hinblick auf die Werkauswahl.

Mit der Wertung über die Zukunft der Bildungseinrichtung als Exzellenzgymnasium für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) lagen Bürgermeisterin Doris Schröter und Wendelin Renn, Kunsthistoriker und Redner der Vernissage, nicht ganz auf einer Linie. Doris Schröter ist von der Idee des Exzellenzgymnasiums gänzlich begeistert. Es gebe schlicht keinen besseren Standort für das Exzellenzgymnasium als diese Bildungseinrichtung. „Wie früher sollen hier wieder junge Talente gefördert werden“. Distanzierter dagegen sah es der Kunsthistoriker: „Wieder einmal vergessen die Großkopfeden das kreative Potenzial, die Kraft des Innovativen, welches allein die Kunst beherrschst.“ Damit die Kunst im neuen Gymnasium ihren gebührenden Platz bekommt, baut er auf die Unterstützung der Bürgermeisterin.

Abgesehen von den letzten Jahren als japanische Schule war die Vergangenheit der Schule in der Tat bekannt durch ihre gute Ausbildung im künstlerischen Bereich, nicht allein im bildnerischen. Ein früherer Abiturient der Schule, Professor Wolfram Rehfeldt, unterhielt bei der Vernissage am Klavier. Er öffnete den Blick auf die Leistungen der Schule im musischen Bereich.

Legendär: Joachim Hämmerle

Garant für diese künstlerische Ausrichtung war unter anderem Joachim Hämmerle, so Wendelin Renn. Er langjährige Leiter der städtischen Galerien in Villingen-Schwenningen, Sohn eines Bäckers in Dürmentingen, kam 1969 an die Schule. Hier habe sich für ihn die weite Welt der Kunst geöffnet. Schüler am Aufbaugymnasium konnten 1969 als erste in Baden-Württemberg mit dem „Exotenfach Bildende Kunst“ Abitur machen. „Wir haben das Feuer für die Kunst erfahren dürfen, diese unbändige Leidenschaft, diese Visionen eines Lehrers“ schwärmte der Referent. Selbst landesweit fiel die Schule auf. Wer sich als Schüler von Joachim Hämmerle bei Kunstakademien bewarb, bekam immer einen Platz, was bei landesweit 3000 Bewerbungen und 30 freien Plätzen auch Neid erregte. Der Erfolg bestätigt im Nachhinein die richtige Auswahl. Werke von Absolventen des Gymnasiums seien inzwischen in Sammlungen und Galerien in New York, Berlin, Rom, Tiflis oder London vertreten. Joachim Hämmerle selbst konnte übrigens nicht zur Eröffnung kommen, ließ sich aber von seiner Frau vertreten.

Erinnerungen in Buchform

Zum Abschluss bedankte sich Galerieleiter Andreas Ruess bei den Leihgebern. Besonders erwähnte er Ludwig Zimmermann, der während der Veranstaltung sein Buch „Aus der Oberschwäbischen Lehrerschmiede“ signierte. Er war einer der letzten Absolventen der einstigen Lehreroberschule. Er konnte laut Ruess Kontakte zu einigen früheren Schülern vermitteln.

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