„Du kannst zeigen, dass es anders geht“

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Heidi Haller, stellvertretende Vorsitzenden von BuKi, (links) mit Greta Marcu.
Heidi Haller, stellvertretende Vorsitzenden von BuKi, (links) mit Greta Marcu. (Foto: Stefan Zell)
Schwäbische Zeitung

Seit diesem Sommer arbeitet Greta Marcu im BuKi-Haus in Cidreag als Koordinatorin für die pädagogische Arbeit. SZ-Redakteur Rudi Multer sprach mit ihr per WhatsApp über ihre Ankunft in Cidreag und ihre ersten Erfahrungen bei der Arbeit mit Roma-Kindern. Das Gespräch begleitete Stefan Zell, Vorsitzender von BuKi.

Wie sind Sie zu BuKi gekommen?

Das ist eine interessante Geschichte. Ich habe fast neun Jahre in Österreich gearbeitet. Eine Bekannte hat mich angerufen, ob ich Interesse an einem Job hätte. Sie fragte, ob ich mit Kindern aus Roma-Familien arbeiten möchte. Das ist nicht neu für mich. Als Klassenlehrerin in Rumänien hatte ich eine Klasse mit elf Kindern, von denen neun aus Romafamilien kamen. Ich habe damals ähnlich gearbeitet wie bei BuKi. Der Unterricht begann mit Hände- und Gesichtwaschen.

Sie haben das Angebot dann angenommen.

Als wir im Sommer zurückgezogen sind, habe ich mich gemeldet. Wir hatten das Vorstellungsgespräch dann im August.

Stephan Zell (lacht): Das war für uns von BuKi die spannende Phase, als uns das BuKi-Haus gekündigt wurde. Wir suchten schon lange Zeit eine Koordinatorin für die pädagogische Arbeit. Dann kamst du. Wir sahen die Greta und dachten, die können wir nicht vorbeiziehen lassen. Das war die Entscheidung. Jetzt, wo wir endlich eine Koordinatorin hatten, mussten wir auch das Haus kaufen.

Greta Marcu: Ich habe gespürt, dass ich mitarbeiten möchte. Ich hatte so positive Eindrücke von den Kindern.

Stefan Zell: Wir hatten Greta zum Gespräch eingeladen. Normalerweise dauert das ein bis anderthalb Stunden. Der Plan war, nach dem Gespräch gemeinsam das BuKi-Haus anzuschauen. Aber die Greta wollte das gar nicht. Nicht nur eine Woche ist sie geblieben, sondern zwei, drei Wochen. Sie hat die Kinder gesehen und wollte mit ihnen arbeiten. Und für uns war klar: Das ist unsere Frau.

Greta, Sie sind Rumänin. Welchen Ruf haben die Roma in Rumänien?

Der Ruf ist ganz schlecht. Mit diesem Wort sagst du alles, dass sie nicht arbeiten, schmutzig sind, saufen und Zigaretten rauchen. Meine Meinung ist, dass auch andere Volksgruppen mit Vorurteilen zu kämpfen haben, etwa die ungarischen Leute oder die Leute aus Siebenbürgen. Bei denen ist das genauso. Wer eine negative Mentalität hat, der sieht auch nur die negativen Sachen.

Wo möchten Sie bei der Arbeit als Koordinatorin ansetzen?

BuKi sollte sich mit den Eltern beschäftigen. Ich kann die Mentalität nicht ändern, aber in kleinen Schritten kannst du zeigen, dass es anders geht. Von zu Hause bekommen unsere Kinder im BuKi-Haus keine Erziehung und sie bekommen eine ganz andere Kultur vermittelt.

Wirkt das nicht ein wenig wie eine Behandlung von oben herab?

Das braucht mutige Roma-Frauen. Ich sage ihnen: Wenn du arm bist, bist du arm. Etwas anderes ist es, wenn du schmutzig bist. Auch wenn du arm bist, kannst du sauber sein.

Gibt es dafür schon Ansätze?

Jeden Dienstagnachmittag sind Frauen aus Roma-Familien ins BuKi-Haus eingeladen. Nächsten Dienstag werden die Kinder zusammen mit den Eltern Engel basteln.

Viele Rumänen gehen ins europäische Ausland und kommen nicht mehr zurück. Sie haben einige Jahre in Österreich gearbeitet. Weshalb sind Sie zurückgekommen?

Ich habe immer gewusst, dass ich zurückkommen werde. In Österreich habe ich viele neue Sachen kennengelernt, neue Freundschaften geschlossen, aber auch mit meinen Grenzen Bekanntschaft gemacht. Ich war dort aber nur mit meinem Mann und meinen Kindern, ohne Familie. Unsere Töchter sind jetzt sechs und acht Jahre alt. Ich wollte, dass sie hier mit meiner Familie aufwachsen. Jetzt war der Moment.

Das würde ein Deutscher nicht so sagen. Familie ist bei Ihnen mehr als Mann und Kinder?

Opa und Oma sind wichtig für die Erziehung, ebenso wie die Taufpaten. Mein Taufpate hilft mir sehr sehr viel. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder hier aufwachsen können.

Wo möchten Sie bei der Arbeit Schwerpunkte setzen?

Die Kinder sollten möglichst früh zu uns kommen. Wir möchten eine frühkindliche Gruppe schaffen und- wie gesagt - die Arbeit mit Eltern ist sehr wichtig.

Was ist für Weihnachten geplant?

Am 14. Dezember haben wir hier im BuKi-Haus einen Adventsbasar. Zu unserer Adventsfeier möchten wir auch die Schulinspektoren und die Lehrer aus Perumbesti und Cidreag einladen und unsere Hausärztin. Ihnen möchte ich Buki vorstellen. Das fördert die gute Zusammenarbeit. Eine Weihnachtsfeier für Kinder, Eltern, meine Kolleginnen und Kollegen, mit Heidi und Stefan ist ebenfalls geplant.

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