Die Trainer haben die Qual der Wahl

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 Aus der Kreisliga A, vom SV Bolstern, zum Stammspieler in der Landesliga: Tenshi Kleiner (rechts, hier gegen Hohentengens Chris
Aus der Kreisliga A, vom SV Bolstern, zum Stammspieler in der Landesliga: Tenshi Kleiner (rechts, hier gegen Hohentengens Christoph Handte) hat seinen Platz bei den Ostrachern auf Anhieb gefunden und sich - wie einige andere - gut integriert. (Foto: Archiv- Thomas Warnack)
Sportredakteur

In einer Miniserie wirft die „Schwäbische Zeitung einen Blick auf die Bilanz der drei Landesligisten der Region. Im zweiten Teil widmen wir uns dem FC Ostrach, der in dieser Saison seine sechste Spielzeit in Folge in der Landesliga bestreitet - und trotz des personellen Umbruchs vor der Saison seine zweitbeste erste Halbserie überhaupt bestritten hat. Nach 16 von 30 Spielen stehen die Ostracher auf Platz acht und haben 24 Punkte auf ihrem Konto. Gute Voraussetzungen, um das Ziel Klassenerhalt zu verwirklichen. Das erste Spiel bestreitet der FCO am Samstag, 2. März, um 15 Uhr, gegen die TSG Balingen II.

Situation: Nach 16 absolvierten Spielen steht Platz acht zu Buche für die Zebras vom Ostrachstrand. Nie standen die Schwarz-Weißen in dieser Saison schlechter als Platz neun klassiert, dreimal - an den Spieltagen zwei sowie neun und zehn - rangierten die Ostracher sogar auf Platz vier, pendelten ansonsten zwischen den Rängen sechs und acht. Diese Bilanz kann sich sehen lassen, auch weil die Mannschaft im vergangenen Jahr einen großen Umbruch erlebt hat. Doch den hat die Mannschaft gut verkraftet. Das Trainergespann Timo Reutter/Christian Söllner hat einen breiteren Kader als jemals zuvor, angeführt von den „Leitwölfen“ wie Markus Gipson, Stefan Hornstein, Johannes Irmler oder Christian Luib.

Vorrunde: Das erste Rückrundenspiel gegen den FV Ravensburg II (3:2) mit eigerechnet haben die Ostracher 24 Punkte auf dem Konto, das ist die zweithöchste Punktzahl in der Landesliga nach 16 Spielen nach der Saison 2016/2017. Damals belegten die Ostracher mit 33 Zählern Rang drei. In den anderen Landesligaspielzeiten hatten die Ostracher 22 (2017/2018), 21 (2015/2016), 20 (2014/2015) und 13 Punkte (2013/2014) auf dem Konto. Allerdings gibt es eine Riesendiskrepanz was Heim- und Auswärtsspiele betrifft. Mit Rang 13 (zwei Siege, zwei Remis, vier Niederlagen) lässt sich schon von einer Heimschwäche sprechen. Sechs geschossene Heimtore sind der schlechteste Wert der Liga, zwölf Gegentore bedeuten Rang acht. Ganz anders sieht es in der Auswärtswertung aus. 17 geschossene Tore sind der viertbeste Wert aller Mannschaften, neun Gegentore bringen die Ostracher auswärts bis auf Platz zwei. In der Gesamtwertung bedeuten 23 geschossene Tore Rang zehn, 21 Gegentore Rang sechs. Der Grund für diese Zahlen liegt wohl auch in der Spielweise der Zebras. Aus einer massierten Deckung mit fünf Abwehrspielern spielt es sich auswärts leichter auf als eigenem Geläuf. Bis zum 6. Oktober, dem mühevollen 2:1 gegen Kißlegg, dauerte es, ehe es im vierten Heimspiel den ersten von zwei Heimsiegen gab. Dagegen holten die Ostracher in den ersten fünf Auswärtsspielen 13 Punkte. Erst am 3. November gab es beim 1:2 in Berg die erste Niederlage in der Fremde. Eine von zwei. Die zweite (1:2) setzte es am 24. November, ausgerechnet beim Schlusslicht in Dotternhausen.

Stärken: Ganz klar ist das die Abwehr. Die Fünferkette mit dem zentralen Verteidiger, der meist Fabian Riegger hieß, schafft es die Räume eng zu machen. Gerade auswärts erweist sich das als wahres Bollwerk. Insgesamt viermal (zweimal auswärts, zweimal zu Hause) spielte der FCO schon zu null. Auswärts gab es dazu dreimal zwei und dreimal ein Gegentor. Nur zu Hause schluckte die Mannschaft unverhältnismäßig viele Gegentore. Unter anderem vier gegen Weiler und drei gegen Straßberg bei der Kunstrasenpremiere.

Schwächen: Bislang die Offensive. Ostrach tut sich immer dann schwer, wenn es das Spiel machen muss oder besser wenn es gilt, in die rote Zone zu kommen und die sich bietenden Chancen auch zu verwerten. Zwar trugen sich bislang zehn verschiedene Schützen in die Torjägerliste ein, aber ein echter Goalgetter fehlt. Markus Gipson (6) und Eugen Michel (5) - Letzterer fiel allerdings eine ganze Zeit lang in der Vorrunde aus - sind die besten Schützen. Doch einige Talente mit „Killergenen“ stehen in Ostracher Reihen: Varady, der endlich mal sein Potenzial ausschöpfen muss, Guglielmo und der in der Vorbereitung bislang so treffsichere Agim Rahmani könnten Gipson/Michel zur Seite springen.

Personal: Viele hatten nach dem personellen Umbruch Angst um den FCO, befürchteten, dass die Mannschaft ausgerechnet zum 100. Geburtstag des Vereins wieder in der Bezirksliga spielt. Auch weil zunächst Christoph Rohmer im vergangenen Winter die Mannschaft verließ, das Spagat zwischen Arbeitsort Hollenbach und Ostrach nicht mehr schaffte. In der vergangenen Sommerpause hängten dann auch mehrere langjährige Stammspieler - teilweise berufsbedingt, teilweise aus privaten oder Altersgründen, ihre Fußballschuhe an den Nagel, Spieler wie Dieter Styben, Michael Eisele, Rene Küchler sowie das Spielertrainergespann Simon Kober und Lukas Maier. Es kamen mehrere junge, neue Spieler hinzu, größtenteils ohne Landesligaerfahrung, die sich aber sofort glänzend einfügten. Tenshi Kleiner, Luke und Yannick Ender, Alex Rambacher, Mirko Schiemann, David Gebhart haben alle ihre Einsatzzeiten bekommen. Dazu gleich vier Spieler, die aus der eigenen Jugend zum Kader stießen und zwischen erster und zweiter Mannschaft pendeln. Aber das Trainerduo Reutter/Söllner setzt auf die Jugend, zu der auch noch Spieler wie Daniel Rothmund und Michael Arnold gehören. In der Vorrunde wurden einige Spieler von Verletzungen ausgebremst, mehrere Spieler fielen aus. In der Rückrunde dürften Reutter/Söllner dagegen einige Male die Qual der Wahl haben, sollte die Mannschaft verletzungsfrei bleiben. Und weil sich Spieler wie Agim Rahmani, Ladislav Varady oder Samuel Gulglielmo geradezu aufdrängen.

Vorbereitung: In bislang drei Spielen gab es zwei Siege gegen den FC Überlingen (3:1) und die SG SC Blönried/SV Ebersbach (7:0) und eine Niederlage gegen die SG Dettingen-Dingelsdorf (0:1). Fünf der zehn Tore erzielte Agim Rahmani. Gegen Überlingen und Dettingen eher in Notbesetzung angetreten, konnten Reutter/Söllner gegen Blönried/Ebersbach auf einen breiten Kader zurückgreifen. Zu den elf Spielern auf dem Feld gesellten sich gleich elf Ersatzspieler. Schöne neue Welt in Ostrach. Zum Abschluss der Testphase folgen noch die Spiele gegen die SpVgg. FAL (Fr., 15. Feb., 19.30 Uhr), den SV Denkingen (Mi., 20. Feb., 19.30 Uhr) und den FV Walbertsweiler-Rengetsweiler (Sa., 23. Feb., 16 Uhr).

SZ-Prognose: Mit dem Abstieg hat der FC Ostrach nichts zu tun. Der Vorsprung auf den vermeintlichen Relegationsrang beträgt acht Punkte. Das Polster sollte groß genug sein. Vorausgesetzt die Ostracher starten gut. Aber das Auftaktprogramm bis Ostern wird alles andere als ein Spaziergang. Nach der Partie zum Auftakt gegen die TSG Balingen II geht die Reise zum Überraschungsteam aus Biberach, das sich im Winter weiter verstärkt hat. Dann gibt es das Derby gegen Mengen, bevor es nach Friedrichshafen geht. Es folgen die vermeintlich machbaren Aufgaben gegen Leutkirch, in Kißlegg und gegen Oberzell. Der FC Ostrach landet am Saisonende auf einem Platz zwischen sechs und neun.

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