„Die Spaten liegen schon bereit“

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Schwäbische Zeitung

Für Richard Striegel ist es eine Pilgerfahrt auf dem Jakobsweg, für Franz Frauenhoffer schlicht eine Odysee: „Schnelles Internet“ auf das flache Land zu bringen, erscheint als nur schwer lösbare Aufgabe. Trotzdem: Nach großem Einsatz können die Verantwortlichen nun wenigstens einen Teilerfolg für Bolstern und Wolfartsweiler vorweisen.

Von unserem Redakteur  Marcus Haas

Franz Frauenhoffer führt im Gemeinderat plastisch vor Augen, was in den Jahren seit dem Erfolg in Friedberg in Sachen Internet ablief. Nachdem im Jahr 2008 über die Franz und Regine Frauenhoffer Stiftung der Ort Friedberg an die schnelle Datenautobahn kam, sollten bald andere Ortsteile folgen. Frauenhoffer stellte vor rund einem Jahr ein Gesamtkonzept für die Breitbandversorgung von Bad Saulgau samt Ortsteilen vor und kurz danach trafen sich auch die Ortschaftsräte in der Stadthalle, um solidarisch ein Gesamtkonzept für schnelles Internet zu entwickeln. Was ist daraus geworden? „Wir wären längst nicht so weit, wenn Sie sich nicht so dahinter geklemmt hätten“, macht Richard Striegel in Richtung Franz Frauenhoffer im Gemeinderat dazu deutlich.

Frauenhoffer blickt zurück und berichtet von langen Wartezeiten im Dialog mit Ministerium und Regierungspräsidium, von frustrierenden Namensverwechslungen, von sich mehrfach verändernden Förderrichtlinien, von einer trägen Telekom, kann aber trotz der vielen Hürden und Frustrationen in Sachen schnelles Internet ein Ergebnis vorweisen. „Mit Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger starten wir bald in Bolstern und Wolfartsweiler.“ Ihr Glück: Hier besteht die Infrastruktur aus dem Stromnetz bereits. Die Bürger wohnen quasi unter der notwendigen Technik bzw. in der Nähe von Strommasten, denn die Orte sollen an eine bestehende Infrastruktur angeschlossen, indem Stromtrassen genutzt werden. Genauer: An manchen Strommasten wie bei Bolstern und Wolfartsweiler gibt es bereits Glasfaserkabel, die genutzt werden können. Von den Strommasten sind es dann noch wenige hundert Meter in der Erde bis zum Kabelverzweiger der Telekom.

Mit im Boot ist eine Firma aus Stuttgart. Die hilft unter anderem mit „Blechkisten“, den sogenannten Outdoor-DSLAMs, die die entsprechende Technik zur Umsetzung und Einspeisung der DSL-Signale liefern. Zudem stellt sie die erforderlichen Leerrohre kostenlos zur Verfügung, bläst die Glasfaser-Kabel ein und errichtet vollends die aktive Technik. Erreicht wird damit ein schnelles Internet: DSL 35 000 im download und 5000 im upload. Die Ausschreibung der Tiefbauarbeiten erfolgt über die Stadtwerke Bad Saulgau. Die Finanzierung des Tiefbaus läuft über Spenden in Kooperation mit der Franz und Regine Frauenhoffer Stiftung. Eine Voraussetzung: 130 Kunden machen mit. Die Kosten für schnelles Internet für den Einzelnen liegen bei rund 50 Euro im Monat. „Die Spaten liegen schon bereit“, macht dazu Stadtrat Eugen Kienzler für Bolstern deutlich.

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