Die Natur schmückt Ruhestätten mit eigenen Gaben

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 Förster Harald Müller führt die Besucher durch den Bestattungswald Frankenbuch
Förster Harald Müller führt die Besucher durch den Bestattungswald Frankenbuch (Foto: Fotos: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

In einem würdigen und schlichten Rahmen ist am Sonntagnachmittag der Bestattungswald Frankenbuch eingeweiht worden. Zahlreiche Besucher nutzten den Tag, um sich zu informieren und sich einen ersten Eindruck von dieser alternativen Bestattungsform mitten im Wald zu verschaffen.

Auf einer sanften Anhöhe zwischen Wilfertsweiler und Hundsrücken liegt der Bestattungswald und ist als solcher auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Auf den zweiten schon: Neben den Infotafeln, dem neu angelegten Parkplatz und schmalen bunten Bändern an einzelnen Bäumen ist es vor allem der schön gestaltete Andachtsplatz, der daran erinnert, dass dieses Waldstück ein besonderes ist. Ein rund drei Meter hohes und schlicht gehaltenes Kreuz aus Eichenholz ragt zwischen den Bäumen in den Himmel. Rechts und links davon wurden dazu passend extra lange Sitzbänke aufgestellt. Mitten in der Natur und unter freiem Himmel ist hier Raum für Trauerfeiern, die ganz individuell gestaltet werden können. Ob mit Pfarrer oder Trauerredner, mit Gesang, Gebet oder Musik oder einfach in aller Stille – es gibt keinerlei Zwänge. Grabschmuck ist hier nicht erlaubt, und den braucht es auch nicht. Im Jahreslauf schmückt die Natur die letzten Ruhestätten mit ihren eigenen Gaben.

„Für uns ist das durchaus interessant“, sagt ein Ehepaar, das eigens aus diesem Anlass mit dem Fahrrad aus Friedberg angeradelt kommt. Nicht nur wegen der Nähe zur Natur, sondern auch aus ganz praktischen Gründen. Etwa bezüglich der Grabpflege. „Wir wissen nicht, ob unsere Kinder mal hier in der Nähe bleiben und Zeit haben werden, das Grab zu pflegen“, so die Besucherin. Bürgermeisterin Doris Schröter erinnert in ihrer Ansprache an den tiefgreifenden Wandel in der Friedhofskultur. „Dieser Ort lässt einen neuen Umgang mit dem Tod zu und ist sicher auch eine große Hilfe bei der Trauerbewältigung“, sagt Schröter und bedankt sich bei dem Projekt-Initiator Harald Müller. Der Förster ist bei Gesprächen mit ehemaligen Studienkollegen zunehmend neugierig geworden auf diese alternative Bestattungsform – und hat das Projekt ins Rollen gebracht.

Eichenholz hat praktische Gründe

Auch die evangelische Pfarrerin Stefanie Zerfaß ist zur Einweihung gekommen und erinnert daran, dass der Tod untrennbar zum Leben gehört. Dass das Kreuz auf dem Andachtsplatz aus Eichenholz gefertigt sei, habe nicht nur praktische Gründe. „In seiner Dauerhaftigkeit hat das Eichenholz symbolischen Charakter und verweist auf das ewige Leben“, so die Theologin. Dieses Kreuz der Auferstehung schenke Zuversicht und Kraft. „Hier übernimmt die Natur die Grabpflege“, sagt Hauptamtsleiterin Birgit Luib und informiert die zahlreichen Besucher, die sich auf dem Andachtsplatz versammelt haben, über weitere Projekt-Details des 4 ha großen Waldstücks.

Weitere Informationen gibt es auch bei den anschließenden Führungen, die ebenfalls rege genutzt werden. Dabei werden von den Besuchern viele Fragen gestellt. Etwa zu den verschiedenen Grabarten wie etwa Familien-, Freundschafts-, Wahlruhe- oder Gemeinschaftsgrabbäumen. Aber auch zur Preisgestaltung oder den Zugang zu den einzelnen Bäumen. „Die Wege zu den Bäumen werden nur bei der Beisetzung freigemäht“, so Harald Müller. Das wächst natürlich wieder zu und kann den Zugang durchaus etwas beschwerlich machen. Gutes Schuhwerk ist also notwendig – je nachdem, wie weit die jeweiligen Bäume von den Wegen entfernt sind. Im Winter werden aus rein praktischen Gründen keine Beisetzungen durchgeführt. „Die Gefahr, auszurutschen, ist einfach zu groß“, so der Förster, der auch darüber informiert, dass die Urnen biologisch abbaubar sein müssen. Er weist auch darauf hin, dass es sich hier nicht um einen Friedwald handelt. Anders als beim Bestattungswald handelt es sich dabei um einen deutschlandweiten Anbieter für Baumbestattungen, dahinter steht also ein privates Unternehmen.

Gleichnis vom Senfkorn

Im Informationsflyer der Stadt ist zu lesen, dass „der Baum in all seiner Symbolik auch im Christentum seit jeder seinen festen Platz hat“. Auch auf das Gleichnis vom Senfkorn wird eingegangen. Auf Nachfrage war es Dekan Peter Müller aus Termingründen nicht möglich, an diesem Nachmittag dabei zu sein. Die erste Beisetzung im Bestattungswald findet bereits in wenigen Tagen statt. Für Familie Spayda war sofort klar, dass ihr Sohn Mike hier seine letzte Ruhestätte finden soll. „Dieser Ort spiegelt einfach unser Leben wider“, so die Eltern, „wir sind hier viel mit ihm spazieren gelaufen“. Das Bläserensemble der Stadtmusik Bad Saulgau umrahmt die kleine Feier mitten im Wald an diesem sonnigen Nachmittag auf eine schöne Weise.

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