Die Nachbereitung dauert länger als das Spiel

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Der SV Oberzell hat in der Fußball-Landesliga mit 2:0 gegen Schwendi gewonnen.
Der SV Oberzell hat in der Fußball-Landesliga mit 2:0 gegen Schwendi gewonnen. (Foto: colourbox.com)
Schwäbische Zeitung
Sportredakteur

Es gab allerhand zu diskutieren nach dem Spiel. Mit dem Schiedsrichter, über ihn und seine Entscheidungen und untereinander. Und so verwunderte es nicht, dass die „dritte Halbzeit“ auf dem Freigelände vor dem Ostracher Clubraum und im Raum länger dauerte als das Spiel selbst. In sehr freundschaftlicher Atmosphäre diskutierten Anhänger und vor allem Verantwortliche und Spieler beider Lager, bei dem einen oder anderen isotonischen Getränk, das Erlebte aus. So richtig betrachtet fehlte eigentlich nur der Schiedsrichter - aus Ostracher Sicht wohl aber mit Grund, hatte sich der unter Beobachtung die Partie leitende Tolga Karaüc (Langenargen) vor allem auf Ostracher Seite an diesem Abend nicht ausnahmslos Freunde, sondern eher das Gegenteil gemacht. Gleich zwei Zebras schickte Karaüc vorzeitig zum Duschen. Bereits nach 33 Minuten musste der überraschend für Lukas Maier, bei dem es gesundheitlich nicht ging, in die Startelf gerückte Gregor Knäpple nach dem zweiten Foul zum Duschen, zuvor hatte er für ein recht rüdes Foul an Florian Geiselhart Gelb gesehen. Fünf Minuten vor dem Ende traf es auch noch Kapitän und Innenverteidiger Johannes „Johnny“ Irmler, nachdem er in der ersten Halbzeit nach einer Kombination von Foul und Reklamieren schon Gelb gesehen hatte.

Den Ostrachern erschienen beide Feldverweise zu hart und selbst Altheimer Stimmen wurden dahingehend nach dem Spiel laut. Zumindest, was den zweiten Platzverweis betraf. Zumal Altheims ehemaliger Abteilungsleiter Edgar Ocker gegenüber seinem Kapitän Sebastian Gaupp die Version Irmlers, er, Irmler, habe den Schiedsrichter aufgefordert „Lass und jetzt endlich Fußball spielen“, bestätigte. „Das ist eigentlich keine Gelb-Rote Karte“, sagte auch Gaupp in einer größeren Runde. Und die Umstehenden, allesamt Altheimer Spieler, nickten. Auch Philipp Maier, der gelbbelastet ein bisschen Glück hatte nach einem Foul an Simon Fischer, in der Mitte der zweiten Halbzeit, ebenfalls nicht früher zum Duschen zu müssen. Derweil hart, aber eher vertretbar war die erste Gelb-Rote Karte für den etwas nicht nur in dieser Szene etwas übermotiviert wirkenden Gregor Knäpple, der sein erstes Spiel von Beginn an in diesem Jahr für den FCO absolvierte. Die wohl beste Szene eines Ostrachers hatte derweil Ex-Torwart Martin Sorg, der einen Freistoß von Martin Schrode aus 35 Metern, der übers Tor ging, direkt fing und dafür den Applaus aller Zuschauer erntete.

Und so saß ein bedröppelter Lukas Maier nach dem Spiel auf einem weißen Plastikstuhl, wohl wissend, dass er Timo Reutter noch an diesem Abend von einem neuerlichen Rückschlag würde berichten müssen. „Ich glaube, wir hätten hier heute einen Punkt verdient gehabt. „Ich schimpfe nicht gerne über den Schiedsrichter...“, sagte Maier und bekundete Unverständnis für einige Entscheidungen. Maier sah vor allem in der Art zu pfeifen Karaücs und der Schiedsrichter-Beobachtung an diesem Abend einen Zusammenhang. Aber letzten Endes habe man sich die Niederlage selbst zuzuschreiben. „Ich denke, Chancen hatten wir genug, selbst zu zehnt.“ Dass Karaüc an diesem Abend die Beobachtung augenscheinlich zu schaffen machte, erklärte eine weitere Aktion gegen einen Ostracher an diesem Abend: Tolga Karaüc verwies Simon Kober aus dem Ostracher Trainertrio nach zu lauten Protesten per Handzeichen hinter die Bande. Da aber Kober auch auf dem Spielberichtsbogen stand, sei dies ein Regelverstoß, meinte ein anwesender Schiedsrichter. „Er hätte ihm Rot zeigen müssen. Was macht er, wenn Simon Kober als Spieler eingewechselt werden soll...?“

Derweil freute sich ein anderer: „Das war nur ein großer Schritt in die richtige Richtung“, wehrte Zoran Golubovic Glückwünsche zum Klassenerhalt ab. „Wir haben noch vier Spiele, aber es sieht jetzt natürlich ganz gut aus.“ Trotz des Sieges zeigte sich Golubovic wenig zufrieden mit der zweiten Halbzeit. „Ich meine, wir haben selbst in den vergangenen Wochen es einigen Gegnern schwer gemacht, als wir in Unterzahl waren. Das haben wir heute auch erlebt. Ostrach hat das sehr gut gemacht.“ Golubovic nervte vor allem das mangelhafte Überzahlspiel. „Wir sind zwei-, dreimal in Situationen drei gegen zwei oder sogar vier gegen zwei und spielen es nicht sauber aus. Das regt mich mehr auf als der verschossene Elfmeter.“ Man habe über weite Strecken der zweiten Halbzeit keine Kontrolle über den Ball gehabt, die Bälle zu leicht hergegeben.

Trotz des knappen Ergebnisses, der verbissen geführten Zweikämpfe und insgesamt 13 Gelben (sieben für Ostrach und sechs für Atheim) und zwei Gelb-Roten Karten war die Atmosphäre vor allem nach dem Spiel freundschaftlich und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt. Natürlich hoffe er, dass Ostrach den Klassenerhalt schaffe, sagte Florian Geiselhart. Da saßen Rene Küchler und Stefan Hornstein rechts und Martin Renn links neben ihm. Und auch für die jeweiligen Gegenspieler herrschte Respekt vor, Geiselhart lobte Daniel Rothmund („schnell, bissig“), Hornstein den Altheimer Stefan Münst („ein sehr guter Stürmer, robust...“). Ein Spiel gegen Münst bleibt Hornstein in der kommenden Saison aller Voraussicht nach aber erspart, egal in welcher Liga. Denn nach Jonathan Guth bestätigten nun auch der so gelobte Stefan Münst, als auch Jochen Gulde, gegenüber der „Schwäbischen Zeitung“ zur kommenden Saison zum SV Langenenslingen zurückwechseln zu wollen. „Einfach so. Wir haben uns in Altheim wohl gefühlt. Da steht nichts dahinter.“ Aber man wolle in der kommenden Saison einfach wieder mit den Langenenslinger Freunden zusammenspielen.

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