Die letzten japanischen Schüler fahren nach Hause

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Mit diesem Poster bedanken sich die japanischen Schüler bei den Bad Saulgauer Bürgern für die Gastfreundschaft. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung
stellv. Redaktionsleiter

Mit Plakaten in der Bad Saulgauer Innenstadt sagen Schüler und ehemalige Schüler der japanische Toin Gakuen Schule „Dankeschön“ an Bad Saulgau. Nach zwanzig Jahren stehen sie und ihre Lehrer vor dem endgültigen Abschied. Am Freitag, 9. März, um 19 Uhr wollen Schüler und Lehrer die ganze Bevölkerung Bad Saulgaus zum Dankeschön-Konzert in den Barocksaal der Schule einladen. Am Tag darauf schon fliegen die letzten 19 Schüler zurück in die Heimat.

„Wir möchten den Bürgern von Bad Saulgau für die langjährige Freundlichkeit danken“, sagt Dr. Hiroto Oka, der Leiter der Schule in Bad Saulgau. Ehemalige Schüler würden noch heute in Bad Saulgau als ein Stück Heimat sehen. Auch wenn sie wieder in Japan lebten.

Die letzten 19 Schüler treten diesen Weg nun ebenfalls an. Noch werden Schüler in den Klassen neun und 11 unterrichtet. Es sind die letzten Klassen einer Schule mit einer wechselhaften Entwicklung in den vergangenen 20 Jahren. Die Neuntklässler gehen mit einem Abschluss der Mittelschule nach Japan zurück, die Elftklässler können in einem Jahr an der Mutterschule in Yokohama das Abitur machen.

Im Jahr 1992 hat die Toin Gakuen Schule in Yokohama die Tochterschule in Bad Saulgau gegründet. Nach der Schließung des Aufbaugymnasiums wurde damit innerhalb kurzer Zeit ein neuer Mieter für das Gebäude gefunden. Japanische Manager in Deutschland und Europa hatten so die Möglichkeit, ihre Kinder in Europa in ein japanisches Internat zu schicken. Im Vergleich zur Mutter mit 8000 Schülern war die Tochter immer klein. Die konnte in den Anfangsjahren steigende Schülerzahlen vorweisen. 1995 gingen hier 135 japanische Schüler zur Schule. Doch die Krise der Weltkonjunktur hinterließ auch in der Bad Saulgauer Toin Gakuen Schule Spuren. Aus Kostengründen riefen japanische Unternehmen ihr Spitzenpersonal teilweise wieder nach Japan zurück. Damit sank die Zahl der Anmeldungen in Bad Saulgau. Vor zwei Jahren zog die Mutterschule die Notbremse und gab die Schließung der Schule bekannt. Betroffen sind außer den letzten Schülern auch zwölf deutsche Vollzeitbeschäftigte.

Der Moment des endgültigen Abschieds steht jetzt bevor. „Bevor wir gehen möchten wir uns bei den Bürgern von Bad Saulgau für ihre Mühen und ihre Freundlichkeit bedanken“, sagt Hiroto Oka. In Bad Saulgau hätten sich Lehrer und Schüler sehr wohlgefühlt. „Wir haben erfahren, wie wichtig Beziehungen zu Menschen sind“, sagt der Schulleiter.

Schulleiter Hiroto Oka erinnert an die Schul- und Musikfeste der japanischen Schule und an Austauschfahrten. So hat eine Delegation aus Bad Saulgau die Mutterschule in Japan besucht. Bewegt hat die japanischen Schüler die Bad Saulgauer Hilfsaktion zu Gunsten der Opfer der Tsunami- und Reaktorkatastrophe in der Region Fukushima unterstützt. Minoru Tanaka hat die 16 000 Euro aus Bad Saulgau inzwischen in einer vom Erdbeben betroffenen Stadt übergeben (wir werden darüber noch ausführlich berichten). Auch Minoru Tanaka kennt Bad Saulgau. Zwei Mal leitete er für jeweils zwei Jahre die Bad Saulgauer Tochterschule. Martin Mink aus Bad Saulgau hat der Spendenaktion für Japan in besonderer Weise Schwung verliehen. Das Dankeschön-Konzert am Freitag, 9. März, werden die noch verbliebenen Schüler in Bad Saulgau mit eigenen Beiträgen gestalten. Aber auch Geigerin Marina Kakuno wird dafür nach Bad Saulgau anreisen. Sie ging in die Bad Saulgauer Toin Gakuen Schule und studiert derzeit Geige in Wien.

Für Schulleiter Oka bringt die Schließung ebenfalls eine Änderung. Er wird in Deutschland bleiben, lebt mit seiner Familie in Konstanz. Eine neue Stelle hat er in einer japanischen Schule in Frankfurt gefunden.

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