Wasserknappheit hat also zwei große Ursachen: Zum einen physische, etwa in Gegenden mit wenig Regen, zum anderen ökonomische.
Wasserknappheit hat also zwei große Ursachen: Zum einen physische, etwa in Gegenden mit wenig Regen, zum anderen ökonomische. (Foto: Ben Curtis)
Wolfgang Lohmiller

Wasser ist nicht nur das wichtigste Lebensmittel, sondern gleichzeitig auch die Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion, Existenzgrundlage für Tiere und Pflanzen und selbst für moderne technische Entwicklungen unverzichtbar. Über „Menschenrecht Wasser, globale Ungleichverteilung und wachsende Wasserkonflikte“ hat Heidi Megerle am Freitagabend die zahlreich versammelten Zuhörer im Festsaal des Klosters Sießen informiert. Die Geographin leitet an der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg den Studiengang „Ressourcenmanagement Wasser“.

Der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Tag liegt in Deutschland bei 121 Litern. Die Hauptursachen im persönlichen Bereich sind WC und Körperpflege. Essen und Trinken sind dagegen weniger bedeutend. Insbesondere durch die Spartasten auf dem WC ist der Verbrauch zurückgegangen. Wasser bedeckt etwa 70 Prozent der Erde. 97,5 Prozent sind Salzwasser, vom Süßwasser sind etwa 0,9 Prozent als Trinkwasser verfügbar. Dies bedeutet 1700 Liter pro Person und Tag, also viel mehr als nötig wäre. Allerdings haben 600 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser und 2,5 Millionen keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen.

Wasserknappheit hat also zwei große Ursachen: Zum einen physische, etwa in Gegenden mit wenig Regen, zum anderen ökonomische. So verfüge etwa Burundi zwar über 2000 Liter pro Person und Tag. Dem Land fehlen aber die Mittel zur Reinigung des Wassers. Während es in Baden-Württemberg über 900 Kläranlagen gibt, gebe es in Burundi nur eine. Hilfreich wäre es, Zisternen zu bauen. Ein weiteres Problem ist nach Megerle das globale Bevölkerungswachstum. Für das Jahr 2025 rechnet man für 1,8 Millionen Menschen mit einer Wasserknappheit. 70 Prozent des globalen Wasserverbrauchs gehen in die Landwirtschaft. Außerdem kauften immer mehr Investoren Wasser aus anderen Ländern. Oft müssen dortige Einwohner dann ihr Wasser bezahlen. Durch den Klimawandel steigt nach Megerle in manchen Ländern die Verfügbarkeit von Wasser, in anderen sinkt sie aber. Dadurch werde die Saat zu früh oder zu spät ausgebracht. Nicht zu vernachlässigen ist für Megerle die politische Sicht: „Durch verschmutztes Wasser sterben jährlich zehnmal so viele Menschen wie durch Krieg“.

„Wie aber steht es mit unseren regionalen Ressourcen?“, fragte die Professorin. Seit den 1960er-Jahren habe Baden-Württemberg große Fortschritte gemacht, etwa durch den Bau von Kläranlagen. Dennoch gebe es immer noch viel zu tun. Megerle nannte hier das Nitratproblem. An etwa 17 Prozent der deutschen Messstellen würden die Grenzwerte überschritten, und das Wasser dürfe nicht mehr getrunken werden, insbesondere von Babys. Die Ursache hierfür liege von allem in der Landwirtschaft. Die meisten Probleme gebe es in Niedersachsen. Die Lösung dürfe aber nicht sein, die Nitratstoffe in andere, weniger belastete Bundesländer umzuverteilen.

„Wie viel Wasser verbrauchen wir insgesamt?“, fragte die Professorin und sprach damit den „virtuellen Wasserverbrauch“ an, in den auch der Verbrauch für die Herstellung von Produkten einfließt. Sie kommt dabei auf einen Wert zwischen 2000 und 5000 Liter pro Person und Tag. Für die Herstellung eines T-Shirts rechnet man mit bis zu 4000 Litern, für eine Jeans mit bis zu 10 000 Litern Für eine Tasse Kaffee braucht man demnach 150 Liter. Für ein Kilogramm Rindfleisch werden 16 000 Liter Wasser verbraucht. Der Verbrauch schwanke aber je nach Herkunft: Regionale Produkte aus regenreichen Ländern verbrauchten weniger, etwa aus dem Biosphärengebiet der Schwäbischen Alb.

Als Lösungsansätze nannte Professorin Megerle eine weitere Reduzierung des Wasserverbrauchs. Ganz wichtig sei eine Reduzierung der Leitungsverluste und mehr Wiederverwendung des Wassers. Auch gebe es Techniken wie Tröpfchenbewässerung. Beim jetzigen Fleischverbrauch beanspruche eine Person 3600 Liter pro Tag, ein Vegetarier 2300 Liter. Zudem sei es wichtig, die bestehende Wegwerfmentalität zu reduzieren.

Die zahlreich erschienenen Zuhörer stellten viele Nachfragen. Ob Nitratwerte in Forstgebieten höher seien, fragte der technische Leiter der Stadtwerke, Johannes Übelhör. „Ehrlich gesagt: Nein“, antwortete die Professorin der Hochschule für Forstwirtschaft kurz. „Wir müssen in der Landwirtschaft etwas ändern“, betonte sie. Dies gelte insbesondere für „flächenlose Betriebe“, die ihre Gülle in weiter entfernten Gebieten unterbringen müssen.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen