Der Aufstieg startet mit einer Trainersuche

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Da ist das Ding: Staffelleiter Dietmar Traub überreicht Johannes Rueß, Kapitän der SGM, den Meisterwimpel.
Da ist das Ding: Staffelleiter Dietmar Traub überreicht Johannes Rueß, Kapitän der SGM, den Meisterwimpel. (Foto: Thomas Ruppert)
Sportredakteur

Was für ein Start: Im ersten Jahr des Bestehens gelingt der Spielgemeinschaft SV Daugendorf/TSG Zwiefalten als Meister der Kreisliga B 2 die Rückkehr in die A 1. Dabei erlebte die neue SG keine ganz unproblematische Saison, galt es doch aus zwei Mannschaften eine zu machen. Und wie könnte das besser gelingen, als mit einem Meistertitel. Gleichzeitig ein krönender, aber bitterer Abschluss: Denn vor wenigen Wochen beschlossen SG und Trainer getrennte Wege zu gehen, trotz des Erfolgs. Es mutet es schon ein bisschen merkwürdig an, wenn Zeljko Mijic, Abteilungsleiter der TSG Zwiefalten, sagt: „Fabian Lorinser hat bei uns hervorragende Arbeit geleistet. Da gibt es überhaupt nichts. Er hat die Spieler aus beiden Vereinen zu einer Mannschaft geformt.“ Sportlich sei Lorinser nichts vorzuwerfen. Eine Bemerkung, die Raum für Spekulationen lässt. Fabian Lorinser wird da schon deutlicher: „Ich kam nach Daugendorf, weil ich einen Spieler gut kannte und der hat mich gefragt, ob ich mir das nicht vorstellen könne. Ich habe mir die Mannschaft dann ein paar mal angeschaut und entschieden, dass ich das mache.“ Folglich habe er in den Monaten danach von der Daugendorfer Seite absoluten Rückhalt gespürt. „Da gibt es nichts. Das war von der anderen Seite weniger der Fall. Da ist von einigen an meinem Stuhl gesägt worden“, sagt Lorinser.

Dennoch kann niemand Lorinser den Erfolg nehmen. Ihm ist recht schnell gelungen, eine Einheit zu formen. „Als ich die Mannschaft übernommen habe, war das mein erstes Ziel und meine wichtigste Aufgabe“, sagt der ehemalige Spieler des SV Bad Buchau, dessen erste Trainerstation im Aktivenbereich die Spielgemeinschaft ist, oder besser gesagt war. „Ich hatte eine junge Truppe, die mitgezogen hat“, sagt Lorinser. „Das habe ich schon in der ersten Einheit gemerkt: Da ist Lust aufs Training da“, sagt Lorinser, der jetzt erst mal Pause machen und seinen Kreuzbandriss, den er früh in der Saison erlitten hat, operieren lassen wird. „Ich wollte hier von Beginn an meine Philosophie umsetzen, die sich ein bisschen an Jürgen Klopp anlehnt. Pressing, Angriffsfußball, nach vorne. Nicht nur taktisch defensiv. Wir wollten auch den Zuschauern etwas bieten.“ Eine Initialzündung habe die Niederlage beim SSV Emerkingen geboten. „Zwei Tage nach dem 1:2 gegen Emerkingen haben wir trainiert und die Mannschaft hat da einen riesigen Willen gezeigt und sich selber aus dem Tief rausgeholt. Die wollte. Der zweite Punkt war der Sieg in Herbertshofen. Dort lagen wir schon mit 0:2 zurück und haben die Partie noch gedreht. Da wusste ich: Jetzt geht nichts mehr schief.“ Nach seiner Genesung will Lorinser seine B-Lizenz machen und vielleicht in einem größeren Verein hospitieren.

Auch Zeljko Mijic glaubte von Beginn an an die Mannschaft. „Das ist ein Team, das zusammen an einem Strang zieht. Der Teamgeist zeichnet die Mannschaft aus. Zwar haben wir viele junge, aber auch erfahrene Spieler, wie Tobias Münst oder Johannes Rueß. Das sind absolute Führungsspieler, die natürlich auch schon in der Bezirksliga Erfahrung gesammelt haben. Fast könnte man sagen, dass sich jeder junge, unerfahrene Spieler an einen älteren und oder erfahrenen Spieler anlehnen kann. Mir war eigentlich schon in der Vorrunde klar, dass wir das Ziel haben, aufzusteigen.“ Und so entwickelte sich in der Saison, in der die Spielgemeinschaft am zweiten Spieltag die Tabellenspitze übernahm und nicht wieder abgab, auch eine Eigendynamik, trotz Verletzungspech. Denn neben Lorinser selbst, der sich den dritten Kreuzbandriss seiner Laufbahn zuzog, verletzten sich noch andere Spieler wie Simon Kley (Schulterbruch) oder Johannes Geiselhart (Kreuzbandriss) und Marius Hebeisen (Meniskus) und machten das Unterfangen nicht gerade leichter. „Trotzdem ist es uns gelungen, die Ausfälle adäquat zu ersetzen. Hier gilt mein Respekt auch den jungen Spielern“, sagt Mijic.

Für den Zwiefaltener Teil der SG ist das die Rückkehr in die Kreisliga A nach einem Jahr Abwesenheit, für die Daugendorfer nach zwei Spielzeiten. Die Bilanz ist beeindruckend, wenn auch nicht ganz so dominant wie die der Meister der anderen B-Ligen. Immerhin zweimal verließ die SGM den Platz als Verlierer, stellte aber mit Abstand die beste Auswärtsmannschaft der Liga: 55:9 Tore, 37 Punkte aus 13 Spielen, also zwölf Siege und ein Remis. Elf Punkte Vorsprung aufs zweitbeste Auswärtsteam der Liga, der SSV Emerkingen. Insgesamt feierte die Spielgemeinschaft 21 Siege, bei drei Unentschieden in 26 Spielen. Zu Hause belegte die SGM SV Daugendorf/TSG Zwiefalten „nur“ Platz drei, hinter Emerkingen und Uttenweiler II.

Derzeit läuft die Suche nach einem Trainer auf Hochtouren. „Am liebsten ein erfahrener Coach“, soll es sein, sagt Zeljko Mijic. Auch weil er weiß, was in der A-Liga auf seine Mannschaft zukommt. „In der Kreisliga A spielen wir 30-mal gegen Teams wie Emerkingen. Da müssen alle immer 120 Prozent geben.“ Sprich: An jedem Wochenende wird die Mannschaft gefordert. „Wir führen die Gespräche immer zu viert mit den potenziellen Trainern, Marc Geiselhart und ich aus Zwiefalten sowie Jonas Butscher und Johannes Rueß von Daugendorfer Seite. Wir stimmen uns da in allen Belangen ab“, sagt Mijic und lobt die Zusammenarbeit mit den Daugendorfer Kollegen. „Das läuft super und im Hintergrund haben wir ja auch immer noch einen Routinier wie Stefan Schmid, dessen Rat und Wort wir alle sehr schätzen. Ich frage ihn oft: Was denkst du?“ In knapp sechs Wochen steigt die Mannschaft wieder in die Vorbereitung ein. „Dann stehen einige Vorbereitungsturniere an“, sagt Mijic. Und ab August gibt es dann die 120-Prozent-Spiele mit einem neuen Trainer.

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