Das Ostergeschenk wird greifbar

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Exzellenzgymnasium in Bad Saulgau ist kabinettsreif
Seine Rede wurde am Samstagabend mit Spannung erwartet. Und Ministerpräsident Winfried Kretschmann konnte die Erwartungen der mehr als 1000 Besucher beim Festakt anlässlich 1200 Jahre Bad Saulgau. In der Stadt soll ein Exzellenzgymnasium gebaut werden. Es wäre die erste Schule dieser Art in Baden-Württemberg.
stellv. Redaktionsleiter

Es war noch nicht das erhoffte Jubiläumsgeschenk, aber zumindest die Aussicht auf ein solches für Ostern. Bei der Entscheidung für ein Exzellenzgymnasium im MINTech-Bereich mit angeschlossenem Internat in Bad Saulgau hat Ministerpräsident Winfried Kretschmann die finale Kabinettsentscheidung „noch vor den Osterferien“ in Aussicht gestellt.

Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann machte in seiner Rede zum Jubiläum deutlich, dass die Entscheidung für die Schule neuer Art auf dem Gelände des früheren Aufbaugymnasiums wegen der hohen Kosten keine leichte ist. „80 Millionen Euro allein für Bau und Ausstattung ist eine sehr, sehr große Summe“, sagte der Ministerpräsident. Hinzu kommen weitere „nicht gerade bescheidene jährliche Betriebskosten“. Er betonte aber mehrfach, dass er nach wie vor persönlich hinter dem Exzellenzgymnasium in Landesträgerschaft, aber auch dem Standort Bad Saulgau stehe.

Trotz der vielen Bedenken sieht Kretschmann das Projekt jetzt kurz vor dem Ziel. „Wir haben die Vorlage jetzt kabinettsreif“, so der Ministerpräsident. Ursprünglich war eine Entscheidung bereits in den kommenden Tagen erwartet worden. Weitere Absprachen mit Partnern vor Ort und der Region seien noch notwendig. Außerdem stünden noch Absprachen mit der Wirtschaft über deren Beteiligung an dem Projekt auf der Agenda. „Es wäre mein Wunsch, dass wird das vor Ostern in trockenen Tüchern haben“, so Kretschmann. Die Landesregierung plant auf dem Gelände des früheren Aufbaugymnasiums – einer Immobilie in Landesbesitz – ein Exzellenzgymnasium für besonders begabte Schüler in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINTech). 192 Schüler aus dem ganzen Land sollen in dieser Schule mit angeschlossenem Internat in den Klassen 10 bis 12 lernen und dabei bereits in Projekten mit verschiedenen Universitäten zusammenarbeiten.

Viele Unterstützer

Vielen lokalen und regionalen Akteure im Hintergrund sei es zu verdanken, dass dieses Projekt sich nun auf der Zielgerade befindet. Namentlich erwähnte der Ministerpräsident das in Bad Saulgau gegründete Schülerforschungszentrum und Rudolf Lehn, dessen ehemaligen Leiter. Kretschmann: „Mit dem Exzellenzgymnasium wollte Rudolf Lehn die Arbeit im MINTech-Bereich auf eine neue Stufe heben.“ Bürgermeisterin Doris Schröter habe ihn in dieser Sache vor einigen Jahren „sozusagen angebohrt“.

Mehr Mädchen als Ingenieure

Zwei Problemkreise nannte der Ministerpräsident, die für ein solches Exzellenzgymnasium im Land sprechen. Neben einer älter werdenden Gesellschaft, bräuchten die Kernbranchen des Landes wie Automobil- und Anlagenbau oder die Medizintechnik junge Ingenieure. Baden-Württemberg befinde sich dabei im globalen Wettbewerb. „China bildet eine Million Ingenieure im Jahre aus“, sagte Kretschmann. „Wir brauchen auch mehr Mädchen, die in diesen Bereich gehen. Das Land braucht bestens ausgebildete Menschen in den naturwissenschaftlichen Fächern, sonst werden wir den Wettbewerb nicht stemmen können“, so Kretschmann.

Auf die Kritik, dass Bad Saulgau keine Universität in der Nachbarschaft aufweisen kann, ging Kretschmann nicht direkt ein, betonte aber das Potenzial ländlicher Gebiete. „Es gibt im Land ländliche Räume, aber keine Provinz“, so Kretschmann. „600 hidden Champions“ in Baden-Württemberg – Unternehmen als Weltmarktführer im weniger bekannten Investitionsbereich – hätten ihren Sitz im ländlichen Raum.

Projekt des Landes

Bürgermeisterin Doris Schröter war mit den Aussagen des Ministerpräsidenten zufrieden. „Sie haben versprochen, dass sie sich der Sache annehmen und sie haben Wort gehalten,“, sagte die Bürgermeisterin. Die sieht auch Rudolf Lehn so. Er hofft im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung, dass bei den abschließenden Gesprächen nicht die regionale Wirtschaft zu stark in die Unterstützung des Projekts einbezogen wird. Diese sei schon stark bei der Unterstützung des Schülerforschungszentrums engagiert. „Das sei ein Projekt des Landes. Deshalb sind hier auch Unternehmen wie Daimler, SAP oder Bosch in der Pflicht“, so Lehn.

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