Chance für 200 Wohngebäude bei der Energieeinsparung

Lesedauer: 5 Min
 Im Zuge der Quartierskonzepterstellung suchen die Stadtwerke nach der ältesten Heizung im Quartier. Der Gewinner darf sich über
Im Zuge der Quartierskonzepterstellung suchen die Stadtwerke nach der ältesten Heizung im Quartier. Der Gewinner darf sich über eine 11er-Eintrittskarte ins Thermalbad freuen (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Das „Quartierskonzept Seewattenstraße/Eichendorffweg“ ist im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung am Montagabend im Stadtforum gestanden. Das Konzept wurde von der Stadtverwaltung, den Stadtwerken und der Energieagentur Sigmaringen auf den Weg gebracht. Nach der Begrüßung durch Bürgermeisterin Doris Schröter stellten Martin Träger von den Stadtwerken sowie Michael Maucher und Michael Bauer von der Energieagentur Ravensburg/Sigmaringen den rund 70 Bürgerinnen und Bürgern den aktuellen Stand des Projektes vor.

Worum geht es beim Quartierskonzept Seewattenstraße/Eichendorffweg?

Seit 2010 beteiligt sich die Stadt Bad Saulgau am „European Energy Award (eea)“. Mit diesem Gütesiegel und dem energiepolitischen Leitbild, das der Gemeinderat im selben Jahr beschlossen hat, hat sich die Stadt zu strukturierten Maßnahmen zur Energieeinsparung und Nutzung erneuerbarer Energieträger verpflichtet. Aktuell werden rund 44 Prozent des benötigten Stroms im Stadtgebiet aus erneuerbaren Energien vor Ort gedeckt und etwa 16 Prozent des Wärmeverbrauchs. „Da ist noch Luft nach oben“, sagte Doris Schröter. Das Quartierskonzept gibt die Möglichkeit, in einem zusammenhängenden Gebiet mögliche Einsparpotentiale darzustellen. Längerfristiges Ziel ist bei entsprechender Wirtschaftlichkeit die Nahwärmeversorgung durch den Bau eines Wärmenetzes. Auch das Potential der Solarenergienutzung ist ein Bestandteil des Projekts.

Welche Vorteile entstehen für die beteiligten Bürgerinnen und Bürger?

Die Beteiligten erfahren, welche Sanierungsmaßnahmen an ihrem Gebäude ökonomisch und ökologisch sinnvoll sind. So können langfristig Energiekosten eingespart werden. Damit verbunden ist eine mögliche Wertsteigerung der Immobilie. Das Projekt wird von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert.

Was hat die Datenauswertung bislang ergeben?

Von den rund 200 Wohngebäuden gibt es vergleichsweise viele mit einem hohen Energieverbrauch, weil sie vor Inkrafttreten der Wärmeschutzverordnung gebaut wurden. Auch das Solarpotential wurde inzwischen bestimmt. Die betreffenden Dächer sind überwiegend gut bis sehr gut für die Installation einer Photovoltaikanlage geeignet. Für eine solche Anlage und die damit verbundene mögliche Eigenstromnutzung sprechen der steigende Strompreis und der Preisrückgang bei PV-Anlagen. Ein Energiemanagement hilft bei der intelligenten Nutzung des Stroms.

Welche attraktiven Förderprogramme gibt es aktuell?

Michael Bauer nennt das Jahr 2019 das „Jahr der Förderprogramme“ und rät dazu, diese auch zu nutzen. Etwa die Bafa-Heizungsoptimierung. Seit 2016 werden der Ersatz von Heizungspumpen und Warmwasserzirkulationspumpen durch hocheffiziente Pumpen sowie der hydraulische Abgleich am Heizsystem gefördert. Für die Sanierung zum KfW-Effizienzhaus gibt es zinsgünstige Kredite oder Investitionszuschüsse. Die zahlreichen weiteren Fördermöglichkeiten wie auch die Förderprogramme der Stadtwerke können in einem kostenlosen Beratungsgespräch detailliert besprochen werden.

Gibt es ähnliche Projekte in anderen Städten?

Ja, in Bad Waldsee gibt es etwa das „Quartierskonzept Altstadt“ mit rund 440 inkludierten Gebäuden. Auch hier wurden per Datenerhebungen Informationen zum Alter der Gebäude, des Gebäudetyps, Art und Alter der Heizanlage, Anzahl der Personen im Haus und der tatsächliche Energieverbrauch ermittelt. Auch hier geht es um das Ziel, ein Konzept für eine nachhaltige Energieversorgung zu entwickeln.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Auf Grundlage der ausgewerteten Daten erarbeiten Fachingenieure momentan mehrere Varianten zur nachhaltigen und wirtschaftlichen Wärmeversorgung des Quartiers. Diese werden etwa Mitte des Jahres vorgestellt. Nach der Entscheidung für die beste Alternative wird das Wärmeprojekt soweit geplant, um den anliegenden Gebäudeeigentümern konkrete Angebote zur Wärmeversorgung vorlegen zu können. Mit der Umsetzung kann voraussichtlich ab 2020 begonnen werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen