Central Musical Company zeigt neue Fassung von „Phantom der Oper“

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 Die Opern-Direktoren (Hans-Jürgen Zander und Alexander Hohler) besuchen das Ballettensemble.
Die Opern-Direktoren (Hans-Jürgen Zander und Alexander Hohler) besuchen das Ballettensemble. (Foto: Monika Fischer)

Die Aufführung einer Musicalfassung des weltberühmten Romans „Das Phantom der Oper“ von Gaston Leroux durch die Central Musical Company hat jene Zuschauer enttäuscht, die sich auf Andrew Lloyd Webbers Version freuten. Zu wenig bekannt waren die von Arndt Gerber komponierten Songs, nicht immer nachvollziehbar die Handlungsstränge des von Paul Wilhelm neu getexteten Scripts. Die Inszenierung punktete jedoch durch üppige Ausstattung, ausgeklügelte Technik, muntere Darsteller und ein knapp zwanzigköpfiges Orchester.

Kritische Stimmen vermerkten, die von der Central Musical Company im Bad Saulgauer Stadtforum gezeigte Musicalfassung sei ja gar nicht das Original, sprich Andrew Lloyd Webbers Bühnenstück. Sie übersahen dabei, dass der Musicaltitel „Das Phantom der Oper“ nicht urheberrechtlich geschützt ist. Neu komponierte und getextete Versionen wie die aktuelle Aufführung dürfen sich daher völlig legitim ebenfalls als Original bezeichnen. Kritisch anzumerken wären jedoch die von der Tourneeleitung verfügte relativ hohe Preisgestaltung sowie der geforderte Verzicht auf eine stufenweise Erhöhung der Sitzreihen. Letzterer schränkte das Blickfeld und den Hörgenuss aus den mittleren und hinteren Sitzreihen unnötig ein.

Der Inhalt des Musicals dreht sich um einen Mann, der, musikalisch hoch begabt, mit einem abschreckend entstellten Gesicht geboren wurde. Um sich dem Spott seiner Mitmenschen zu entziehen, trägt er eine Teilmaske und nistet sich in den Kellergewölben der Pariser Oper ein. Durch Schreie, Seufzer und unerwartetes Erscheinen verschafft er sich den Ruf eines Phantoms und beansprucht eine geheime Loge sowie ein monatliches Gehalt von 20 000 Franc. Adrian Kroneberger, elegant in Frack und Zylinder, überzeugte in dessen Rolle als Sänger wie als Sprecher und Schauspieler. Erik, wie das Phantom in der Romanversion genannt wird, verliebt sich unrettbar in das Chormädchen Christine (etwas blass mit metallisch anmutendem Sopran: Kira-Luisa Reinhard), dem er in der Oper begegnet.

Die Sängerin bemüht sich um ein Engagement bei den neuen Direktoren (teils kabarettistisch angehaucht: Hans-Jürgen Zander und Alexander Hohler), erlebt aber eine herbe Abfuhr. Der Star der Bühne ist die zickige Carlotta (Adelheid Brandstetter), die ihre Stellung mit voluminösem Stimmvolumen verteidigt. Dies ändert sich, als das Phantom Christines Stimme ausbaut und ihr zu einer glänzenden Karriere verhilft. Dabei provoziert er sogar den Absturz eines riesigen Kronleuchters ins voll besetzte Opernhaus. Nicht nur in dieser Szene staunten die Besucher über die ausgefeilte Bühnentechnik des Musicals. Per Powerpoint-Projektion füllten Bilder wechselnder Handlungsorte die Rückfront der Kulisse: Mal erschien ein goldblitzender Treppenaufgang des Pariser Opernhauses, mal dessen labyrinthartiges Kellergewölbe und nicht zuletzt zerschellte der Leuchtkörper mit ohrenbetäubenden Knall.

Auch die Requisiten, die bei abgedunkelter Bühne im Schnelldurchgang auf- und abgetragen wurden, zeigten Stil und spiegelten den Zeitgeist des ausgehenden 19. Jahrhunderts, in dem das Stück spielt. Passend auch die aufwendigen Kostüme: Die Herren trugen Cut, Schwalbenschwanz, Zylinder, weiße Anzüge. Die Damen zeigten bodenlange, rüschenverbrämte Gewänder plus Umhang sowie üppig mit Straußenfedern besetzte Hüte. Vier Ballettmädchen präsentierten ihre Tänze in klassischen Tutus, schwingenden CanCan-Röcken oder engen Corsagen. Das Drama um das an gebrochenem Herzen sterbende Phantom endete vielversprechend für Christine und ihren eifersüchtigen Verlobten Raoul (David Hojsak). Nachdem das Mädchen ihren Förderer geküsst hatte, entließ er sie aus dem Kerker, in den er sie entführt hatte und ermöglichte beiden eine gemeinsame Zukunft.

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