Barde und Musiker erzählen die Stadtgeschichte

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 Dirigent Stefan Leja (links) und Rudolf Hüglin vom Blasmusikverband (rechts) gratulieren den Geehrten (v.l.) Martin Blaser, Joa
Dirigent Stefan Leja (links) und Rudolf Hüglin vom Blasmusikverband (rechts) gratulieren den Geehrten (v.l.) Martin Blaser, Joachim Schiller, Peter Klein und Helmut Kabus. (Foto: wol)
Wolfgang Lohmller

Die Stadtmusik Bad Saulgau hat ihr Jahreskonzert ganz unter das Zeichen der 1200-Jahr-Feier gestellt. So wurde der Stadtbarde Michael Skuppin dazu eingeladen, den ersten Teil des Abends mit Streiflichtern aus der Geschichte der Stadt zu untermalen.

Skuppin wies darauf hin, dass bereits vor zehntausend Jahren in der Gegend musiziert wurde, worauf die aus Knochen gebauten Flöten im nahe gelegenen Lonetal hinwiesen. Im Jahr 819 wurde ein Kirchlein auf dem Kirchberg erstmals als in „Sulaga“ stehend bezeichnet. Sehr schön präsentierte die Stadtmusik hierzu eine Madrigale. Unter dem „Großschwaben“ Friedrich dem Zweiten vom Geschlecht der Staufer erhielt Saulgau das Stadtrecht und wurde 1239 erstmals als Stadt erwähnt – ein guter Anlass für ein weiteres Fest, wie Skuppin betonte. Ein Privileg war 1372 das Recht, einen Bierpfennig und einen Weinheller zu verlangen. Damit sollte die Stadtmauer finanziert werden, weil dies aber nicht reichte, wurden die Bürger angehalten, ihre Hauswände am Stadtrand als Mauern zur Verfügung zu stellen. Im Jahr 1518 wurde das erste Bächtlefest gefeiert.

Passend dazu spielte die Stadtmusik einen lebhaften Springtanz. Natürlich ging Skuppin auch auf die Zeit der Donaustädte und die Pestepidemien ein, ebenso wie auf die Zeit der Hexenverbrennungen. Skuppin betonte, dass diese nicht im Mittelalter geschah, das daher nicht „dunkel“, sondern „leuchtend“ gewesen sei, wenn man etwa an das friedliche Zusammenspiel der Religionen denke. Passend dazu präsentierte die Stadtmusik das Konzertwerk „Die Hexe und die Heilige“ von Steven Reinicke. Stets beeindruckte die gekonnte Zusammenführung der Themen durch Dirigent Leja.

Als Napoleon die Staatsgrenzen neu ordnete, blieb wohl bei manchen Einwohnern noch die Sehnsucht nach den österreichischen Herrschern. Auch die Stadtmusik hatte ja lange einen Dirigenten, der aus Österreich kam (Josef Zeitler), und so spielte sie auch Suppés Marschmusik „O du mein Österreich“.

1869 wurde Saulgau an die Bahn angeschlossen. Ein Genuss war die Polka „Bahn frei“ von Eduard Strauß, bei der sogar ein junger Bahnwärter der Stadtmusik pfiff. Pfiffig und tänzelnd erklangen Melodien aus Leonid Bernsteins Musical „A wonderful town“, zu denen Dirigent und Barde die Zuhörer immer wieder aufforderten, „Saulgau“ oder „Sulga“ dazwischen zu rufen.

Im zweiten Teil des Abends folgten dann anspruchsvolle Bläserwerke. Bei den „Symphonic Marches“ von John Williams wirbelten die Finger der Spieler flink. In den “Seventh Night of July“ schildert Itaru Sakai eine japanische Erzählung, in der ein junger Mann und eine Frau durch Milchstraßen voneinander getrennt sind und sich nur einmal im Jahr – in der siebten Nacht des Juni – sehen können. Das Stück begann feierlich und getragen, es folgten geradezu schmachtende Töne, dann wurde es wild, der Schluss triumphal.

Der „Grand Filou“ , ein musikalischer Spass, den Xaver Lecheler arrangiert hat, war ein „Geordnetes Durcheinander“ durch die klassische Musikliteratur, bei dem Dirigent Leja sich immer wieder gegen seine Musiker durchsetzen musste. Hierzu hatte er auch sein Jackett ausgezogen und fuchtelte heftig herum. Als er schließlich einen der Angreifer mit einer Pistole erschossen hatte, dirigierte er zu dessen Abtransport durch eine Sanka das Anfangsmotiv Beethovens Fünfter Sinfonie und Chopins Trauermarsch. Schließlich aber triumphierten die Musiker mit dem „Auf in den Kampf, Torero“ aus der „Carmen“.

Als Zugabe spielte die Stadtmusik die neue Bad-Saulgau-Hymne von Marc Lutz. Dirigent Leja versprach am Ende – um Viertel nach elf die Hand zum Schwur erhoben – das nächste Jahreskonzert kürzer zu gestalten.

Im Namen des Blasmusikverbands Baden-Württemberg ehrte Rudolf Hüglin den Tenor-Hornisten Joachim Schiller, der erst vor drei Jahren zur Stadtmusik Bad Saulgau hinzugestoßen ist, für seine 30-jährige Tätigkeit in der Blasmusik mit einer Ehrenurkunde sowie mit einer Ehrennadel in Gold. Der altbewährte Trompeter Peter Klein erhielt für seine 40-jährige Mitgliedschaft eine Ehrennadel in Gold mit Diamant. Für 25 Jahre als Kassierer erhielt auch Martin Blaser eine Ehrennadel in Gold mit Diamant. Helmut Kabus, der sein Amt als Vorsitzender der Stadtmusik Bad Saulgau im Herbst aufgeben wird, wurde ebenfalls mit einer Ehrennadel in Gold und Diamant ausgezeichnet.

Am Ende des Konzerts übergab Richard Frey, der Präsident des Bürgerausschusses, Bürgermeisterin Doris Schröter eine Ehrenurkunde zum 1200-jährigen Bestehen der Stadt. Ebenso übergab er dem Komponisten Marc Lutz eine Urkunde dafür, dass dieser zum Jubiläum eine neue Hymne komponiert hat, die sehr viel Beifall fand.

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