Als Quereinsteiger zur Polizei: Darum wechseln zwei junge Männer ihren Job

 Tobias Franz (links) und Fabian Kösler (rechts) haben ihren Job bei der Bank für die Polizei aufgegeben.
Tobias Franz (links) und Fabian Kösler (rechts) haben ihren Job bei der Bank für die Polizei aufgegeben. (Foto: Sebastian Winter)
Crossmedia-Volontär

Tobias Franz und Fabian Kösler arbeiten auf den Polizeirevieren in Bad Saulgau und Pfullendorf. Beide sind als Quereinsteiger zur Polizei gewechselt. Warum sie dafür ihre sicheren Jobs aufgegeben haben und was sie bei der Polizei überrascht hat, erzählen sie hier.

Tobias Franz, 27, Polizei Pfullendorf

„Randalierende Fußballfans, schwere Verkehrsunfälle, Tötungsdelikte: Vor meiner Entscheidung für die Polizei waren immer mal wieder heftige Ereignisse in den Medien. Da dachte ich dann schon auch mal: Willst du dir das wirklich antun? Willst du bei solchen Sachen wirklich als Polizist der erste vor Ort sein? Irgendwann habe ich dann aber für mich entschieden: Ja, das will ich.

Tobias Franz hat sich trotz heftiger medialer Ereignisse für die Polizei entschieden. (Foto: Sebastian Winter)

Bevor ich im März 2018 bei der Polizei angefangen habe, war ich Berater für Immobilienrecht bei einer Bank. Nach meinem Schulabschluss hatte ich dort eine Ausbildung zum Finanzassistenten gemacht. Einfach, weil es für mich damals der bequeme, unkomplizierte Weg war. Ich hatte dort vorher schon ein Schulpraktikum absolviert und kannte die Leute.

Nach ein paar Jahren im Job habe ich aber gemerkt: Für dich gibt es hier keine langfristige Zukunft. Das ist nicht der Job, den du 40 Jahre lang machen willst. Was bringt dir ein bisschen mehr Geld, wenn du nicht glücklich bist, bei dem, was du tust? Viel zu oft habe ich nach acht, neun Stunden am Schreibtisch abends noch Sport machen müssen, um die Abwechslung zu bekommen, die mir im Büro gefehlt hat.

Viele finden so einen Job bei der Bank sicher bequem: immer von Montag bis Freitag, immer die gleichen Arbeitszeiten. Ich fand das eintönig. Tobias Franz

Die Arbeit der Polizei hat mich schon immer fasziniert, also habe ich mich beworben. Über das Aufnahmeverfahren bin ich in die Ausbildung für den gehobenen Dienst gekommen. Freunde und Familie waren anfangs schon leicht überrascht von dieser Entscheidung.

Viele finden so einen Job bei der Bank sicher bequem: immer von Montag bis Freitag, immer die gleichen Arbeitszeiten. Ich fand das eintönig. Die Skepsis und die Sorgen sind dann aber verschwunden, als sie gesehen haben, wie viel mir die Ausbildung bringt.

Natürlich war das alles für mich aber eine enorme Umstellung. Vom festen Job wieder in die Ausbildung, wieder täglich büffeln für Prüfungen. Vor allem die ersten Monate bei der Polizei haben mich überrascht. Wir haben fast nichts anderes gemacht, als rechtliche Grundlagen zu lernen. Da dachte ich schon mal: Aber ich bin doch bei der Polizei? Das Rechtliche ist aber eine wichtige Voraussetzung für den Streifendienst. Das habe ich später gemerkt.

In meiner ersten Praxisphase gab es dann schon Sachen, bei denen ich kurz geschluckt habe: Das erste Mal an einen großen Verkehrsunfall gerufen werden – etwas ganz Neues für mich. Aber man wächst an solchen Aufgaben und entwickelt sich dadurch auch persönlich extrem weiter.

Tatsächlich haben mir bei der Polizei auch oft Sachen geholfen, die ich bei der Bank gelernt habe. Wie man in schwierigen Situationen mit Leute kommuniziert. Bei der Bank waren es Kunden, bei denen das Konto dicht gemacht wurde, jetzt sind es aggressive, aufgebrachte Personen. Da muss man in beiden Fällen ruhig und einfühlsam bleiben.

Trotzdem: Zu meinem Job bei der Bank möchte ich definitiv nie mehr zurückkehren. Ich bin mehr als glücklich bei der Polizei. Der Job macht mir richtig Spaß. Ich bin zwar noch dabei, meinen Weg hier zu finden, aber ich weiß schon: Mein nächstes Ziel ist eine Führungsposition in einer Dienstgruppe.“

Fabian Kösler, 26, Polizei Bad Saulgau

„Ausbildung zum Bankkaufmann, dann der Berufsfachwirt, dann das Leiten einer Geschäftsstelle. Ich hatte keinen schlechten Job. Im Gegenteil: Eigentlich war ich bei meinem Job bei der Bank in einem sehr sicheren Hafen. Aber mir hat die Perspektive in dieser Branche gefehlt. Mir hat die nächste Weiterbildungsmöglichkeit gefehlt. Und ich wollte raus aus dem Büro.

Fabian Kösler hat für die Polizei seinen sicheren Hafen verlassen. (Foto: Sebastian Winter)

Zu dieser Zeit hatte ich schon einige Bekannte, die bei der Polizei waren und immer wieder erzählt haben, was sie dort erleben und wie die Ausbildung aussieht. Das hat sich für mich immer spannend angehört. Also habe ich die Entscheidung relativ schnell getroffen und meiner Familie davon erzählt.

Deren Reaktion hat mich richtig gefreut. Da waren keinerlei Anzeichen von Ängsten oder Sorgen, keine Einwände. Im Gegenteil: Die waren stolz. Richtig stolz, dass ich diesen Schritt gehen möchte.

Ich habe mich dann ganz normal bei der Polizei beworben und gut vorbereitet. Auf die Einstellungstests, den Sporttest, die ärztlichen Untersuchungen. Das ist das A und O, um gute Chancen zu haben. Glücklicherweise hat bei mir alles hingehauen und ich bin in die Ausbildung für den mittleren Dienst gekommen.

Tatsächlich habe ich in den Wochen und Tagen vor Beginn der Ausbildung auch überhaupt keine weichen Knie bekommen. Ich habe mich einfach richtig auf das gefreut, was kommt. Auf einen ganz neuen Lebensabschnitt.

Jetzt bin ich seit September 2020 mit der Ausbildung fertig und kann sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Es ist für mich der richtige Job, weil er so abwechslungsreich ist. Du weißt bei Dienstantritt nie, was dich in deiner Schicht erwartet. Kein Tag ist wie der zuvor.

Eine Todesnachricht zu überbringen, gehört sicherlich zu den unangenehmsten Aufgaben eines Polizisten. Fabian Kösler

Natürlich hat der Job seine schwierigen Momente. Eine Todesnachricht zu überbringen, gehört sicherlich zu den unangenehmsten Aufgaben eines Polizisten. Solche Sachen, oder auch ganz allgemein unnatürliche Todesfälle, sind sicher nichts, was spurlos an einem vorbeigeht.

Trotzdem habe ich mir meinen alten Job nie zurückgewünscht. Ich möchte mich hier weiterentwickeln und als Nächstes über das Studium in den gehobenen Dienst kommen, damit ich später eine Dienstgruppe leiten kann.“

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