Bürger im bunten Rock zeigen Charakterstärke

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Abstand halten ist auch eine wichtige Maßgabe beim Festgottesdienst anlässlich des Kirchenpatroziniums und dem Jahrtag der Tradi
Abstand halten ist auch eine wichtige Maßgabe beim Festgottesdienst anlässlich des Kirchenpatroziniums und dem Jahrtag der Traditionsvereinigungen. (Foto: privat)
Schwäbische Zeitung

Bürgerwache, Stadtgarde zu Pferd und katholische Kirchengemeinde haben am Sonntag mit einem Festgottesdienst in Bad Saulgau gemeinsam das Kirchenpatrozinium von Sankt Johannes und den Jahrtag der beiden Traditionsvereinigungen gefeiert.

Wegen der Coronavirus-Pandemie musste das althergebrachte Traditionsfest Sankt Johanni gehörig abgespeckt werden. Vielen Bürgern fehlten die würdevollen Feierlichkeiten und das große Szenario an beiden Tagen mit farbenfrohen Uniformen und Musik. Weder die „Vigilfeier“ mit Entfachen des Johannifeuers noch ein festliches Flair des großen Zapfenstreichs mit feierlicher Abendmusik durften am Vorabend auf das Kirchenpatrozinium einstimmen. Am Sonntag fehlten das Wecken durch den Spielmannszug und die Böllerschüsse von der Schillerhöhe zum Festauftakt. Es gab auch keine Fahnenparade und Defilee mit befreundeten Wehren und Garden.

Dennoch sollte das Hochfest trotz aller Beschränkungen würdevoll stattfinden. Für Bad Saulgaus Bürger im bunten Rock war klar, beim Festgottesdienst wie immer dabei zu sein. Musikalisch begleiteten die Schola der Sankt-Johannes-Chorknaben unter der Leitung von Volker Braig, Solist Florian Strobel in seiner Bürgerwachuniform und sechs Ministranten den Gottesdienst.

Dekan Peter Müller erklärte, dass er glücklich und froh sei, dass die Bürger im bunten Rock mit einer kleinen Abordnung den Weg in die Kirche gefunden hatten, um wie Johannes der Täufer auch den Weg für das Licht zu bereiten – trotz der Beschränkungen durch die Pandemie. Müller bezeichnete dieses Engagement als Charakterstärke der Bad Saulgauer Bürger im bunten Rock. In seiner leidenschaftlichen Predigt sprach der Dekan über den Umgang mit dem Zeichen des Kreuzes und über die Geschichte vom Adventshannes, einem alpenländischen Knecht, etwas einfältig, anständig und korrekt. Dieser nahm alles, was man ihm sagte, wortwörtlich. Als die Bäuerin im auftrug, er solle mit dem Besen durch die Küche gehen, schulterte er diesen und marschierte in der Küche auf und ab. Als es in der Adventskirche hieß, es solle dem Herrn der Weg bereitet werden, verstand Adventshannes das wörtlich und schaufelte den Schnee auf dem Weg vom Gehöft seines Bauern zur Kirche – die ganze Nacht durch – und er bereitete somit den Weg des Herrn. So gab es noch einige Beispiele. Der Dekan lobte Vorbildfunktion, Klugheit und die Willensstärke des Heiligen. Johannes der Täufer sei einer der bedeutendsten Heiligen der katholischen Kirche.

Müller bedankte sich am Ende des Gottesdienstes bei allen Mitwirkenden und der Kirchengemeinde. Nach dem Gottesdienst trafen sich die Uniformierten zu einem ungewohnten Johanni-Frühschoppen in einem Biergarten – ohne Musik und ohne befreundete Wehren und Garden.

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