Bülent Ceylan macht sich wirklich über alles lustig

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Comedian bei einem Auftritt
Star-Comedian Bülent Ceylan beschwert sich vor 1000 Besuchern im Stadtforum Bad Saulgau in der Rolle des Hausmeisters Mampfred heftig über seine Frau Waltraud. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Star-Comedian Bülent Ceylan hat bei seiner Tour durch kleine Hallen am Samstagabend Halt in Bad Saulgau gemacht. Knapp 1000 Besucher erlebten im großen Saal des Stadtforums eine fast dreistündige Show, die neben purem Klamauk und Heavy-Metal-Sangeskünsten auch parodistische Glanzstücke bereit hielt. Dabei machte Ceylan selbst vor Adolf Hitler nicht Halt.

Kaum steht der 43-jährige Mannheimer mit deutsch-türkischen Wurzeln auf der Bühne, geht es los mit kräftigem Applaus im Stehen. Und der wird im Laufe des Abends nicht weniger. Ganz im Gegenteil. Schnell wird klar: Die Sympathien auf beiden Seiten sind groß. Bülent Ceylan fühlt sich sichtlich wohl mit seinem Publikum, schwärmt von der schönen Halle und von Bad Saulgau – auch wenn er Mühe hat, den Namen auszusprechen und den schwäbischen Dialekt als „brutal“ bezeichnet. Es herrscht Wohnzimmer-Atmosphäre. Ceylan sucht von Anfang an die Nähe zum Publikum und macht keinen Hehl daraus, dass dieses an diesem Abend mit Blick auf seine neue Show auch als „Versuchskaninchen“ fungieren wird. Das stört die Besucher kein bisschen. Und bevor es richtig los geht, verweist er auf sein „Programm gegen Rassismus“. Schiebt aber gleich hinterher, dass er sich „natürlich über alles lustig machen wird“. Das macht er in der Tat – teils bis zur Schmerzgrenze.

Lässt sich „Gosch“ nicht verbieten

Nachdem er zunächst in die Rolle von Harald schlüpft und die Gäste die ersten Lachsalven von sich geben, geht es mit Recep Erdogan weiter. Ceylan hat sich auf großen Bühnen schon mehrfach kritisch gegenüber dem türkischen Präsidenten geäußert. Auch wenn er danach durchaus Angst um sein Leben hatte. Er macht auch an diesem Abend klar, dass er sich von Erdogan „nicht die Gosch“ verbieten lässt. Mit „Tor“ aus seinem neuen Programm „Luschtobjekt“ folgt gleich die nächste Lachnummer. „Ihr seid super“, lobt er das Publikum und gibt zu, dass er den Text dieser Szene komplett vergessen hat, er quasi aus dem Stegreif gespielt hat.

Der anschließende Hallenbad-Rap ist Quatsch-Comedy pur, die Gäste stimmen mit ein und halten sich die Bäuche vor Lachen, als Ceylan von der Sprungbrett-Szene erzählt – samt Borabadehose, die irgendwann verloren geht.

Es wird ruhig im Saal, als er von seinem Vater erzählt, der vor sieben Jahren starb. „Man kann Kinder nie genug überhäufen mit Liebe“, sagt er und nennt seine Familie seinen „größten Erfolg“. Ob Ceylan tatsächlich – wie seine Mutter Hilde behauptet – in Bad Saulgau gezeugt wurde, sei dahingestellt. Dann geht es weiter mit der Biogräfin Soja von Weizenkeim aus Dinkel, die sehr „leinsam“ lebt, sich immer mal wieder vor den Cholesterinspiegel stellt und auch mal „aminosauer“ wird. Richtig zur Sache geht’s bei der Selbsthilfegruppe für Diktatoren, zu der sich neben Donald Trump, Wladimir Putin, Recep Erdogan und Kim Jong-un zum Schluss Adolf Hitler gesellt. Warum der überlebt hat? „Gauland hat meinen fehlenden Hoden gefunden und mich geklont“, so Bülent Ceylan, der Hitler bedrückend gekonnt parodiert. Sein beachtliches Sangestalent konnte Ceylan vor wenigen Monaten bei der deutschen Live-Show „The Masket Singer“ unter Beweis stellen. Dazu hat er sich als Engel mit rockiger Stimme unter die anderen Wunderwesen gemischt. Die Jury tippte auf einen „Profi-Heavy-Metal-Sänger“. Den Eindruck bekommt man auch am Schluss dieser fast dreistündigen Show: Bülent Ceylan schlüpft dem Anlass entsprechend in riesige Engelsflügel und rockt in Rammstein-Manier, was das Zeug hält. Das Publikum ist begeistert. Auch von seiner Atemlos-Version von Helene Fischer oder – im Lichtermeer und „zum Runterkommen“ – beim bekannten Metallica-Song „Nothing else matters“.

Beim Abi-Ball als Helmut Kohl

Ceylans Tour „Intensiv“ geht weiter. So wie in Bad Saulgau sind die meisten Veranstaltungen Monate vorher ausverkauft. Seine ersten Bühnenerfolge genoss er in der Schule: Beim Abi-Ball trat er als Helmut Kohl auf und begeisterte seine Mitschüler genauso wie seine Lehrer. Das Studium der Philosophie und Politikwissenschaft gab er zugunsten seiner Bühnenkarriere auf. Der vielfach ausgezeichnete Comedian-Star engagiert sich auch sozial, setzt sich für die Mannheimer Aidshilfe, das dortige Kinderhospiz und verschiedene Anti-Rassismus-Projekte ein.

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