Bächtle-Geschichte: Am Anfang war die Mahnung

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Zum Jubiläum eine Sonderausstellung
Mit dem Fassanstich im vollen Festzelt beginnt am heutigen Donnerstagabend das Bächtlefest in Bad Saulgau. Es ist in der langen Tradition zugleich das 500. Bächtlefest. Fünf Tage lang ist die Stadt deshalb im Ausnahmezustand. Für den Bürgerausschuss des Bächtlefests ist das Jubiläum Grund genug für eine Sonderausstellung im Stadtmuseum. Ein Besuch lohnt sich allemal.
stellv. Redaktionsleiter

500 Jahre Bächtlefest: Ein Blick zurück auf die Ursprünge des Namens und des Festes.

Wie alt ist das Bächtlefest nun tatsächlich? Sicher ist, dass es mindestens 500 Jahre alt ist. So alt wie die erste schriftliche Erwähnung im Bad Saulgauer Stadtarchiv eben.

So sind auch unverhoffte Alterungen möglich. Bernhard Weh, früherer Schulleiter der Brechenmacherschule und der Gemeinschaftsschule in Ostrach, wunderte sich über ein beim Aufräumen gefundenes Bächtlefest-Abzeichen aus dem Jahr 1987, das auf „450 Jahre Bächtlefest“ verwies. „Nach Adam Riese komme ich dann 2018 nicht auf 500 Jahre“. Recht hat der frühere Schulleiter. Damals galt als erste urkundliche Erwähnung das Jahr 1534 im Saulgauer Buch „Ämter, Ersetzungen, Rechnungswesen“. Es handelt sich um eine Rechnung des Stadtwirts an den Magistrat über die Bewirtung auch am „Bechtelintag“. Danach wäre das Fest 1984 also tatsächlich erst 450 Jahre alt gewesen.

Inzwischen gilt ein älteres Schriftstück als erster Nachweis über das Fest. Dieses sollte offenbar dazu dienen, die Kosten für das Fest zu begrenzen. Aus einer stadtrechtlichen Bestimmung vom 17. Mai 1518 geht hervor, dass sich der Rat am „Bechtlefest“ in der Stadtwirtschaft zwar treffen könne, die Stadtkasse dürfe aber nur die Kosten für die eingeladenen Gäste und die Helfer beim „Bechtlefest“ übernehmen. Dass es sogar bereits früher ein Bächtlefest gab, darf aufgrund dieser Bestimmung vermutet werden. Der erhobene Zeigefinger kommt schließlich nicht von ungefähr.

Nach Dokumenten gealtert

So kam es, dass das Bächtlefest zwischen den 80er-Jahren und heute nicht nur nach Jahren, sondern auch nach Dokumentenlage älter geworden ist. „In den darauf folgenden Jahren gab es dann immer Abzeichen mit dem Hinweis auf 450 Jahren Bächtlefest“, erklärt Richard Frey, der Präsident des Bürgerausschusses, den Umstand, dass auch 1987 auf 450 Jahre Bächtlefest verwiesen wurde. Nachzulesen ist das im interessant und informativ gestalteten Jubiläumsbuch „500 Jahre Bächtlefest - 50 Jahre Bürgerausschuss“. Besonders bedeutend für die Bächtlefest-Forscher ist eine von Matthias Metzler erarbeitete Quellensammlung zum Bechtelinstag in Saulgau.

Was an diesem Tag zu dieser Zeit genau gefeiert wurde, weiß niemand ganz genau. Als „ein Festtag mit regional unterschiedlichem Namen, unterschiedlicher Schreibweise und unterschiedlichem Festgrund“, umschreiben es die Autoren im Jubiläumsbuch. Dokumente aus der Nordschweiz deuten darauf hin, dass der Bechtelinstag am 2. Januar begangen wurde. Spätere Dokumente deuten auf eine Verlegung auf den 12. März, den Gregoritag, hin. Der Name Bechtle aber sei geblieben.

Im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert kommt der Name „Bechtle“ laut Quellennachweis von Matthias Metzler nicht mehr vor. Stattdessen sind eine Reihe von Hinweisen auf ein „Schülerfest“ zu finden. Ein Verknüpfung von Schülerfest und Bechtle stellt ein gewisser Dr. Anton Birlinger her, ein Theologe und Germanist, der als Jungpriester einige Jahre in Saulgau tätig war und hier das Brauchtum kennenlernte. Er beschreibt das Bechtle in seinem 1862 erschienen Werk „Volksthümliches aus Schwaben“ als ein Schülerfest vor der Fastnacht.

Bechtle und Fastnacht

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts tauchen Dokumente auf, die auf die Verbindungen von Bechtle und Fasnacht hinweisen. Im großen historisch angelegten Fastnachtsumzug im Jahr 1878 nennt sich eine Gruppe „Bechtle“, eine Darstellung des Bechtles gibt es auch beim Fastnachtsumzug im Jahr 1896. Im Jubiläumsbuch abgebildet ist ein Foto mit einer großen Gruppe von Kindern. Auch im 20. Jahrhundert setzt sich die Tradition fort, Schülerfeste abzuhalten. Termin für die Schülerfeste sind jetzt bereits im Juli.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird die Tradition des Kinderfestes wieder aufgenommen. Mit einem Schreiben „Für Dich und mit Dir, liebe deutsche Jugend“ am 15. Juni 1946 wird zur Fortführung der Tradition des Kinderfestes aufgerufen und angemerkt, „dass das Kinderfest unter seinem damaligen Namen ,Bechtle’ bereits 1534 gefeiert wurde“. 1953 ist bereits von einem farbenprächtigen Festzug beim Saulgauer „Bechtle“ die Rede. Die Entwicklung zum Bächtlefest in seiner heutigen Form wird durch die Gründung des Bürgerausschusses in die Wege geleitet. Es gilt die Tradition zu bewahren: Kritisiert wird in einer Einladung zu einer Aussprache zu diesem Thema, dass das Kinderfest in den letzten Jahren zusammengeschrumpft sei. Es folgt der Appell: „Das Kinderfest soll und darf aber nicht sterben.“ Der Aufgabe nahm sich damals der wenige Tage später im Januar 1968 neu gegründete Bürgerausschuss für Heimatpflege unter der Leitung von Wilhelm Neudörffer an. Der Bürgerausschuss tat und tut dies bis heute – 50 Jahre nach seiner Gründung. Mehr noch: Das Bächtlefest entwickelte sich mit großem ehrenamtlichen Engagement zum Kinder- und Heimatfest, wie wir es heute kennen.

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