Automat für Lebensmittel schließt Versorgungslücke

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Lebensmittel aus dem Automaten
Schon mal was von Modavo gehört? Modavo ist die Abkürzung von Mobilität und Daseinsvorsorge. Gemeint ist damit die langfristige Sicherung von Versorgung und Mobilität im ländlichen Raum. Der Landkreis Sigmaringen gehört zu 18 Regionen in ganz Deutschland, die von diesem Modellvorhaben profitieren. Im Bad Saulgauer Ortsteil Friedberg spüren die Bürger die Auswirkungen von Modavo. Sie können Lebensmittel aus dem Automaten holen.
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Seit etwa vier Wochen betreiben Helga und Rudolf Knoll aus Friedberg einen Lebensmittelautomaten direkt neben ihrem Hofladen. Rund um die Uhr können die Kunden Geld in den Automaten werfen, um Wurst, Milch, Eier, Äpfel, Fleischkäse und vieles mehr zu kaufen. In Friedberg steht der erste Automat im Landkreis Sigmaringen, der vom Bundesministerium für Verkehr bezuschusst wird. Der Landkreis Sigmaringen ist eine von bundesweit 18 Regionen, die am Modellvorhaben Mobilität und Daseinsvorsorge (Modavo) im ländlichen Raum teilnehmen und gefördert werden.

Kein Bäcker, kein Metzger, kein Supermarkt, keine Tankstelle: „Mit dem Warenautomaten schließen wir eine Versorgungslücke in Friedberg“, sagt Andreas Birkle, Mitarbeiter des Landratsamts Sigmaringen und Projektleiter von Modavo. Bei diesem bundesweiten Modellvorhaben werden 18 Regionen dabei unterstützt, innovative Konzepte zu erarbeiten, mit denen in Zukunft sowohl die Daseinsvorsorge und Nahversorgung als auch die Mobilität gewährleistet werden soll. Ergebnisse dieses Projekt sind unter anderem Rufbusse, Mitfahrbänkle und eben dieser Lebensmittelautomat.

Automat wird gekühlt

Beim Besuch auf dem Knollhof probiert Andreas Birkle gleich aus, ob der Automat überhaupt richtig funktioniert. Er wirft Münzgeld in den Automaten, tippt von Hand die gewünschte Warennummer ein und holt einen Karton mit zehn Eiern aus dem Automaten. „Der Automat wird gekühlt“, sagt Helga Knoll, die froh ist, dass der Automat auf ihrem Hof steht. Birkle schaut sich die Produkte im Automaten der Reihe nach an und stellt fest. „Das reicht für ein ausgiebiges Frühstück.“


 Helga Knoll und ihr Mann Rudolf betreiben bei ihrem Hofladen in Friedberg seit vier Wochen einen Warenautomaten.
Helga Knoll und ihr Mann Rudolf betreiben bei ihrem Hofladen in Friedberg seit vier Wochen einen Warenautomaten. (Foto: Dirk Thannheimer)

Kürzlich, so Helga Knoll, hielten Radfahrer an einem Montagmorgen an und ließen Dosenwurst und Landjäger zur Stärkung aus dem Automaten. Das wäre vor einem Monat noch gar nicht möglich gewesen, weil der Hofladen nur dienstags, freitags und samstags geöffnet hat. „Die Kunden kommen von überall her“, sagt Helga Knoll, bei der nun nicht mehr außerhalb der Öffnungszeiten geklingelt werden muss, um Nahrungsmittel einzukaufen. „Wir sind oft schon im Bett gelegen“, ergänzt ihr Mann Rudolf.

Eier sind besonders gefragt

Am gefragtesten seien aber Eier, ergänzt Helga Knoll, die regelmäßig den Automaten auffüllen muss. „Im Automat gibt es die wichtigsten Lebensmittel “, so Helga Knoll. Und sie ist auch froh über den Zuschuss des Landkreises, mit dem sich der Automat finanzieren ließ.

Als Helga und Rudolf Knoll vor vier Jahren mit den Abbrucharbeiten des landwirtschaftlichen Anwesens begonnen hatte, ging das Ehepaar bei den Zuschüssen leer aus. Das hielt es aber nicht davon ab, nach etwa neun Monaten Umbauarbeiten einen Hofladen mit Produkten aus der Region zu eröffnen. Die Kuhhaltung wurde aufgegeben, Ackerland, Streuobstwiesen und Wald bewirtschaftet die Familie aber weiterhin. Friedberg ist indes nicht das einzige von der Grundversorgung abgehängte Dorf. Zwei weitere Lebensmittelautomaten werden in Ostrach und Rosna aufgestellt.

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