Aus dem Parkhaus wird ein Konzertsaal

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Gianni Dato gibt mit seiner Band ein Konzert im Parkhaus.
Gianni Dato gibt mit seiner Band ein Konzert im Parkhaus. (Foto: Karin Liedtke)
Karin Liedtke

Das erste große Konzert seit fünf Monaten hat am Samstagabend Musiker wie Zuhörer gleichermaßen glücklich gemacht. Für „Gianni Dato & The Blue Tone“ wurde das Parkhaus Lindenstraße kurzerhand zum Konzertsaal zweckentfremdet.

Auch wenn das Coronavirus ihr arg zusetzt: Kultur ist nicht tot. Friedemann Benner, rühriger Vorsitzender des Bad Saulgauer Jazzvereins, setzt alles in Bewegung, damit nicht ein geplantes Konzert nach dem anderen abgesagt werden muss. Bei der Stadtverwaltung Bad Saulgau rannte er mit dieser Absicht offene Türen ein. Das Angebot, das obere Deck des Parkhauses Lindenstraße mietfrei nutzen zu können, erfüllte ihn mit Begeisterung. Selbst der Bühnenaufbau wurde von der Stadt übernommen. Gleich zu Beginn der Veranstaltung bedankte sich Benner deshalb überschwänglich für die uneingeschränkte Unterstützung von Bürgermeisterin, Kultur- und Ordnungsamt.

Gianni Dato und seine Band The Blue Tone für dieses Open Air nach Bad Saulgau zu holen, erwies sich als Glücksgriff. Der „Clan des Sizilianers“ sprühte förmlich vor Energie: Nach fünf Monaten ohne Auftrittsmöglichkeit kribbelte es den Musikern spürbar in den Fingern. Von Statur kein Riese, überraschte Dato mit Stimme und kraftvoller Ausstrahlung. „Ich bin kein großer Redner, ich mache lieber Musik“, hatte er eingangs kundgetan. Der gebürtige Italiener lebt seit 43 Jahren in Deutschland, singt auch beim Lake Side Jazz Orchestra und gibt in Lindau Gitarrenunterricht. Die übrigen drei „BlueToner“ standen ihm in nichts nach. Tobias Rädle am Piano lief bei „Message in a Bottle“ zur Hochform auf. Im Alltag ist er Musiklehrer am Gymnasium Friedrichshafen. Das Schlagzeug war bei Matthias Wagner in guten Händen. Die Leidenschaft des Tettnanger Grafikers gilt der Musik und das konnte man hören. Der verhinderte Bassist Wolfgang Kehle wurde durch den Schweizer Jean Pierre Dix von der Musikschule Schaffhausen würdig vertreten.

Den elektrisierten Zuhörern fiel es teils sichtlich schwer, an den zugewiesenen Sitzplätzen auszuharren. Dem Pfeifen, Johlen und kräftigen Beifall ließ sich dennoch unschwer entnehmen, dass die Band gut ankam. Mit über 100 Gästen war das Konzert gut besucht.

„Super Konzert, tolle Location“, brachte es Konzertbesucherin Susanne Prinz auf den Punkt. Sie war extra aus Lindenberg im Allgäu gekommen, doch die Fahrt hätte sich „mehr als gelohnt“. Nach beinahe drei Stunden reiner Spielzeit und zwei Zugaben verabschiedeten die Musiker sich mit Zuccheros Ohrwurm „Senza una donna“.

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