„Auf der Spielmacherposition verlieren wir Qualität“

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 Packende Spiele hat das Handball-Publikum in der abgelaufenen Saison in der Kronriedhalle gesehen. Nicht immer mit gutem Ausgan
Packende Spiele hat das Handball-Publikum in der abgelaufenen Saison in der Kronriedhalle gesehen. Nicht immer mit gutem Ausgang für den TSV Bad Saulgau. Dennoch sind die Macher mit der Spielzeit zufrieden. Gesucht wird noch nach einem Ersatz für Kreisläufer Patrick Osterc (Mitte). Er hat seine Karriere beendet. (Foto: Archiv Karl-Heinz Bodon)
Thomas Lehenherr

Die Handballsaison des TSV Bad Saulgau in der Landesliga ist vorbei. Die erste Mannschaft beendete die Saison auf Platz fünf, in einer Saison mit Höhen und Tiefen. SZ-Mitarbeiter Thomas Lehenherr hat sich mit dem Vorsitzenden Matthias Knoll, seinem Stellvertreter Alexander Osswald, dem sportlichen Leiter Krischan Hillenbrand und dem Trainer Matthias Kempf vor der Abteilungsversammlung am Mittwoch, 15. Mai, unterhalten.

Herr Knoll, ein turbulentes Handballjahr liegt hinter dem TSV. Nach anfänglichen Schwierigkeiten hat die erste Mannschaft das Saisonziel, Platz fünf, erreicht. Die Leistungsschwankungen waren aber enorm. Immer wieder verletzten sich Spieler. Außerdem musste Spielmacher Dennis Kaumann seine Koffer vorzeitig packen, der Verein trennte sich von ihm. Wie sehen Sie im Rückblick die Saison?

Matthias Knoll: Der Saisonstart gestaltete sich etwas holprig. Dies wundert mich nicht, nachdem wir zum Teil die Mannschaft umgekrempelt haben, und dies mit einem neuen Trainer. Im Verlauf der Saison haben wir gegen Mannschaften im oberen Tabellendrittel tolle Spiele gezeigt und auch gewonnen. Gegen vermeintlich leichtere Gegner haben wir unnötig Punkte liegen lassen. Mit Trainer Matthias Kempf bin ich sehr zufrieden. Er hat die Fitness in die Mannschaft zurückgebracht und taktische Raffinessen einstudiert. Die erste Männer-Mannschaft ist nach wie vor das Aushängeschild unseres Vereins. Bad Saulgau ist und bleibt eine Handball-Hochburg. Der Kader wurde sehr gut verstärkt. Schon jetzt freue ich mich auf die Vorbereitung zur neuen Saison.

Herr Osswald, betrachten wir einmal die Abteilung als Gesamtpaket mit allen Mannschaften. Die erste Mannschaft belegt Platz fünf in der Landesliga, die Zweite als Bezirksliga-Aufsteiger Platz drei, die Frauen spielen in einer unteren Klasse, die Jugend teils in den Bezirksklassen, teils in den Bezirksligen. Sind Sie mit der sportlichen und der personellen Entwicklung der Mannschaften zufrieden? Wie ist der Zulauf bei den Kinder- und Jugendmannschaften?

Alexander Osswald: Natürlich kann es sportlich immer besser laufen. Besonders in der Jugend haben wir noch Luft nach oben. Wir haben uns auf die Fahnen geschrieben, die Jugend weiter nach vorne zu bringen. Dazu benötigt es gut ausgebildete Trainer und Betreuer, die wir teilweise schon installiert haben. Um aber in der Jugend erfolgreich zu sein, brauchen wir viel Geduld, Beharrlichkeit und manchmal auch Glück. Der Zulauf in den unteren Jugendteams ist sehr gut. Unser Ziel muss es sein, dass möglichst viele Kinder dabei bleiben und die Zukunft des Vereins bilden. Im aktiven Bereich sind wir sehr zufrieden. Unsere drei Männer-Mannschaften haben allesamt das Saisonziel erreicht oder übertroffen. Die Frauen hatten nach einer sehr guten Hinrunde leider einen kleinen Einbruch.

Hat sich der chronische Mangel an Helfer, Betreuer, Trainer, den fast alle Vereine zu beklagen haben, etwas entspannt?

Osswald: Jein. Wir haben zwar eine sehr gute Helferstruktur und schaffen es, unsere Heimspieltage sehr gut zu organisieren, doch es sind immer dieselben Leute, die im Verein etwas tun. Die jetzigen Helfer sind schon lange dabei und werden irgendwann auch mal in den Ruhestand gehen wollen. Zudem fehlen uns die Fachkräfte, also gut ausgebildete Helfer, lizenzierte Trainer oder Schiedsrichter. Das Ziel muss sein, die Last auf viele Schultern zu verteilen. Wir brauchen mehr und neue Helfer. Dazu müssen wir unsere Kinder und Jugendlichen über den sportlichen Bereich hinaus auch im außersportlichen Bereich ausbilden. Nur so wird der Handballverein auch in den kommenden Jahren die Aufgaben meistern können.

Herr Hillenbrand, Sie haben nach dem Abstieg viel Zeit und Energie investiert und mit Trainer Matthias Kempf aus Pfullendorf einen neuen Übungsleiter verpflichtet. Trotzdem ist viel passiert: Langwierige Verletzungen wichtiger Leistungsträger wie David Bakos, David Tovmasyan und Daniel Balan warfen das Team immer wieder zurück. Andreas Csuka und Dennis Kaumann verließen den Verein während der Saison oder - im Falle Kaumanns - mussten gehen. Wie beurteilen Sie die Saison?

Krischan Hillenbrand: Mit dem sportlichen Abschneiden bin ich zufrieden. Mit Armin Greiner haben wir im Tor einen würdigen Vertreter gefunden. Der Abgang von Csuka war für uns nicht überraschend. Wir hatten schon länger eine Veränderung auf dieser Position geplant. Die Verletzungen gehören im Handballsport leider dazu. Positiv war dabei, wie unser Trainerteam und die Mannschaft positiv geblieben sind. Was mich persönlich sehr getroffen hat, war die Trennung von Dennis Kaumann. Um ihn wollten wir die kommenden Jahre eine neue Mannschaft aufbauen. Aber wir werden eine Lösung finden.

Wagen wir schon eine sportlichen Ausblick auf die neue Saison. Es gilt Abgänge wie Kaumann, Csuka, Tovmasyan, Osterc zu ersetzen. Eine Mammutaufgabe. Dem stehen sind bislang mit den Pfullendorfern Eric Kempf, einem Linksaußen, und Dennis Sugg auf der Halbposition sowie Hannes Fischer drei Neuzugänge entgegen. Zudem werden junge oder Jugendspieler aufrücken. Wird der TSV in der nächsten Saison einen schlagkräftigen Kader haben?

Hillenbrand: Ich habe mit den Jugendspielern, bei denen wir ein Potenzial sehen, bereits über die neue Saison gesprochen und sie wollen die Saisonvorbereitung zu einhundert Prozent durchziehen. Sie müssen zeigen, dass sie wollen und über die zweite Mannschaft zu Einsätzen in der Ersten kommen. Nicht zu spielen ist für einen jungen Spieler keine Option.

Die Kreisposition werden wir intern lösen. Bei den Linkshändern haben wir definitiv ein Problem, zumal noch nicht klar ist, ob Matthias Fuchs eine weitere Saison bei uns spielen kann. Er befindet sich in der Bewerbungsphase und es ist leider noch nicht absehbar, wohin es ihn letztendlich verschlägt. Ich hoffe, dass seine zukünftige Arbeitsstelle in der Nähe von Bad Saulgau sein wird.

Auf der Spielmacherposition verlieren wir an Qualität, die kurzfristig nicht gleichwertig zu ersetzen ist. Auf unseren Trainer kommt eine große Aufgabe zu. Klar ist für mich, dass die Mannschaft sich noch intensiver, vor allem in den Bereichen Abwehr- und Angriffstaktik, auf die kommende Saison vorbereiten muss. Wir Verantwortlichen müssen Geduld haben und ich werde die Entwicklung genau beobachten und positiv begleiten. Ich bin gespannt, wie die Handschrift unseres Trainers aussehen wird.

Herr Kempf, Ihr erstes Jahr als Trainer des TSV liegt hinter Ihnen. Wie waren Sie mit dem Engagement Ihrer Mannschaft zufrieden? Haben Sie ihr persönliches Saisonziel erreicht?

Matthias Kempf: Ich denke, wir können mit dem Ergebnis absolut zufrieden sein. Unter Berücksichtigung unseres schmalen Kaders und den verletzungs- und berufsbedingten Ausfällen haben wir die Runde super abgeschlossen.

Zu Beginn der Runde hatten wir drei Trainingseinheiten pro Woche angesetzt. Des Öfteren waren aber nur sechs bis acht Spieler anwesend. Deswegen trainierten wir fortan nur noch zweimal und wurden von der zweiten Mannschaft unterstützt, sodass immer rund 14 Spieler anwesend waren. Damit lässt sich gut arbeiten, was sich an den Ergebnissen am Ende der Runde auch widerspiegelte.

Erschwert wurde die Sache durch die Abgänge von Andreas Csuka und am Ende der Runde von Dennis Kaumann. Dies riss qualitativ eine Lücke in die Mannschaft, wurde zum Glück jedoch sehr gut kompensiert. Somit können wir zufrieden aus der Runde gehen, und ich freue mich bereits auf die neue Saison.

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