App und Sensor eröffnen neue Wege bei der Behandlung von Diabetes

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 Gehen bei der Behandlung von Diabetes neue Wege: Dr. Dietmar Huss (links) und Dr. Michael Merz.
Gehen bei der Behandlung von Diabetes neue Wege: Dr. Dietmar Huss (links) und Dr. Michael Merz. (Foto: Anita Metzler-Mikuteit)
Anita Metzler-Mikuteit

Die Zahl der an Diabetes mellitus erkrankten Menschen nimmt seit Jahren weltweit zu. Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Mithilfe einer technischen Lösung lässt sich die Lebensqualität der Patienten jedoch gravierend verbessern. Das Krankenhaus Bad Saulgau der Stiftung Rehabilitation Heidelberg (SRH) bietet diese innovative Diagnostik bereits seit November 2018 an. Die Rückmeldungen von Patienten sind ausnahmslos positiv.

„Das ist wirklich eine Revolution in der Behandlung von Diabetes-Patienten“, ist Dr. Michael Merz von der Internistischen Gemeinschaftspraxis Bad Saulgau überzeugt. Aufgrund der hohen Patientenzahlen und der damit einhergehenden zunehmenden Datenflut sei eine qualitativ hochwertige Versorgung von Betroffenen zunehmend schwierig. Auf Kongressen ist der Internist und Diabetologe auf das CGM-System aufmerksam geworden. Die Kürzel stehen für Continous Glucose Monitoring und lassen bei der Übersetzung bereits erahnen, worum es geht. Das aus drei Elementen bestehende System ermöglicht eine lückenlose Aufzeichnung der Glukosedaten rund um die Uhr. Dazu braucht es keine blutigen Pikser in die Fingerkuppe oder andere, für den Patienten unangenehme und lästige Vorgehensweisen, die die Tagesabläufe ständig unterbrechen.

Stattdessen wird im Halbjahres-Rhythmus ein Sensor unter die Haut transplantiert. Der hat in etwa die Länge einer Büroklammer und verfügt über eine enorme Speicherkapazität. Dieses winzig kleine und unscheinbare Teilchen ist in der Lage, alle fünf Minuten den Gewebezucker zu bestimmen und an den Transmitter zu senden. Der Transmitter wird mit einem Pflaster auf der Haut fixiert. Dieser versorgt den subkutanen Sensor durch Hochfrequenzenergie mit Strom. Eine App auf dem Smartphone oder der Smartwatch ermöglicht jederzeit und leicht verständlich den Zugriff auf Glukosewerte, Trends, Muster oder Warnmeldungen. „Somit steht ein lückenloser Überblick über wichtige Daten und Verläufe zur Verfügung“, sagt Dr. Merz. Mit einer automatischen Mahlzeiten- und Mustererkennung helfe die Software außerdem, mögliche Ursachen für Abweichungen schneller zu erkennen. Permanente Blutzuckerkontrollen würden damit der Vergangenheit angehören. Hauptvorteil für die Patienten sind die Alarmfunktionen im Hinblick auf Unter- und Überzucker. Die Häufigkeit dieser Zustände lässt sich mit einem derartigen System deutlich reduzieren.

Zertifizierung ist erfolgt

Bereits im November vergangenen Jahres fand die Zertifizierung als Eversense-Zentrum statt. Seither wurden bereits viele Eingriffe durchgeführt. „Die Rückmeldungen waren bislang ohne Ausnahme positiv“, so der Internist. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die Implantation unter Leitung von Dr. Dietmar Huss, Leitender Arzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie am SRH Krankenhaus Bad Saulgau, dafür Sorge trägt, dass das Implantat unter höchstmöglichen hygienischen Bedingungen im OP-Raum der Klinik unter die Haut gesetzt und nach sechs Monaten genauso fachmännisch entfernt und ausgetauscht wird. Dazu ist kein stationärer Aufenthalt nötig. Die Implantation dauert nur wenige Minuten und wird ambulant durchgeführt. Grundsätzlich werden die Kosten nach Antragstellung von den Krankenkassen übernommen. Ein weiterer positiver Aspekt ist die problemlose Einbindung in die Telemedizin. Darunter wird das Erbringen von Gesundheitsdienstleistungen durch Informations- und Kommunikationstechnologien verstanden.

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