Alles über oberschwäbische Dialekte

Lesedauer: 5 Min

Peter Schmid signiert im Alten Kloster sein Buch „Oberschwäbisch - Seealemannisch“.
Peter Schmid signiert im Alten Kloster sein Buch „Oberschwäbisch - Seealemannisch“. (Foto: Monika Fischer)
Schwäbische Zeitung
Monika Fischer

Bereits vor sechs Jahren hat der Bad Saulgauer Geschäftsmann Peter Schmid sich intensiv mit den Eigenheiten oberschwäbischer Dialekte befasst. Das Ergebnis seiner Forschungen liegt jetzt in Form eines umfangreichen Werks vor, das er einem Freundeskreis am vergangenen Freitag im Alten Kloster Bad Saulgau vorstellte.

Peter Schmid ist als Geschäftsmann, Musiker und kulturell vielseitig interessierter Bad Saulgauer bekannt. Dass er sich seit Jahren in die Dialektforschung hinein gekniet und über seine Ergebnisse ein Buch geschrieben hat, war wohl nur Insidern bekannt. Das Werk ist seit kurzem unter dem Titel „Oberschwäbisch – Seealemannisch“ auf dem Markt und bietet eine „Umfassende Einführung in den Dialekt“, wie der Untertitel besagt. Damit ist dem Autor ein in doppelter Hinsicht gewichtiges Schriftstück gelungen.

Zum einen bringt es knapp 1,4 Kilogramm auf die Waage und gehört damit zu den Schwergewichten im Bücherregal. Zum andern hat es das Zeug zu einem Standardwerk, denn es beschäftigt sich auf 503 Seiten mit den Eigenheiten der Dialekte innerhalb eines begrenzten geographischen Bereichs. Dieser beginnt südlich von Ulm, erstreckt sich bis zum Bodensee und war bisher noch nicht entsprechend untersucht worden. Für seine Buchvorstellung hatte der Autor eine Powerpoint-Präsentation vorbereitet, die er in lockerer Form kommentierte und mit vielen Beispielen unterfütterte.

Unterschiede von Stadt zu Stadt

Dabei wurde deutlich, dass sich die Aussprache, Grammatik und der Wortschatz für denselben Sachverhalt oft schon von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf unterscheiden. Aufgespürt hat Schmid diese regionalen Besonderheiten in unzähligen Gesprächen, vielfach mit alten Menschen, die noch den ursprünglichen Dialekt eines Ortes beherrschten. Auf Fahrten zu derartigen Interviews habe er gut und gerne 10 000 Kilometer zurückgelegt.

Das Buch gliedert sich in sechs Teile, wobei Kapitel eins die Grundlagen der schwäbischen Sprache beleuchtet. Dazu gehört auch der Abschnitt „Das schwäbische Alphabet“, in dem Schmid unter anderem phonetische Zeichen vorschlägt ähnlich der Betonungszeichen im Französischen oder Spanischen. Diese könnten dialekt-ungeübten Lesern die Aussprache eines bestimmten Worts erleichtern. Kapitel zwei und drei sind eine sehr unterhaltsame Fundgrube für sprachliche Wendungen, die ein Schwabe für verschiedene Lebenssituationen parat hat. Interessant ist auch der „Schwäbische Sprachatlas“, der die untersuchte Region als Landkarte abbildet.

Darauf lässt sich beispielsweise sofort erkennen, wo welches Dialektwort für den Begriff Kartoffeln gebräuchlich ist. Gibt es in Bad Saulgau etwa Grombiera, Bodabirra oder vielleicht Härdepfl? Eine beiliegende CD vermittelt exakt, mit welcher Betonung und Färbung ein Wort in der jeweiligen Gegend ausgesprochen wird. Und ein Oberschwäbisches Wörterlexikon übersetzt die Bedeutung aller erwähnten schwäbischen Ausdrücke in bestes Hochdeutsch. Den maßgeschneiderten musikalischen Rahmen zur Buchvorstellung gestaltete das überaus vielseitige Ensemble „Saitencocktail“ um Birgit Fuchs aus Bad Waldsee, das auch im schwäbischen Liedgut bestens beheimatet ist.

Das Buch „Oberschwäbisch - Seealemannisch“ von Peter Schmid ist in der Biberacher Verlagsdruckerei erschienen und kann zum Preis von 29,90 Euro in den Buchhandlungen gekauft werden.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen