Alexander Nipp: Spätberufener und Vorbild

 Alexander Nipp (SV Unter-/Oberschmeien), Gaetano Falcicchio (FV Fulgenstadt), Tobias Huthmacher (SV Sigmaringen), Philipp Schle
Alexander Nipp (SV Unter-/Oberschmeien), Gaetano Falcicchio (FV Fulgenstadt), Tobias Huthmacher (SV Sigmaringen), Philipp Schlegel (SV Unterstadion): das Schiedsrichtergespann beim WFV Pokalendspiel (v.l.). (Foto: privat)
Heiko Stauß

Alexander Nipp, Landesliga-Schiedsrichter, der für den SV Unter-/Oberschmeien pfeift, steigt in die Verbandsliga auf. Wie bereits berichtet waren seine Leistungen in der Hinrunde der Fußball-Landesliga so gut, dass er zu den Top-Schiedsrichtern gehört, die in der Rückrunde in der höchsten Verbandsspielklasse des WFV pfeifen dürfen. Nicht alltäglich für einen bereits 31-Jährigen. In den vergangenen zehn Jahren, in denen er nun in der Landesliga pfeift, leitete rund 120 Spiele. „Ein tolles Gefühl. Vor allem nach so langer Zeit und in meinem Alter ist ein Aufstieg eher unüblich“, sagt Nipp und ergänzt: „Ich sehe es als kleine Bestätigung für die Arbeit der vergangenen Jahre.“

In der Vergangenheit hatte Nipp den Aufstieg oft nur knapp verfehlt: Irgendwie rechnete er schon gar nicht mehr damit, sodass er nun umso glücklicher ist, auch darüber, neue Spielorte kennenzulernen - zusammen mit seinem Gespann, zu dem meistens die Schiedsrichter Robin Stauß, Alexander Hoch und Marcus Gmeiner (alle SV Unter-/Oberschmeien) gehören. So stellt der Dorfverein aus dem Ort vor den Toren Sigmaringens in der Rückrunde ein komplettes Schiedsrichtergespann in der Verbandsliga. „Es ist nicht allein mein Verdienst, dass es mit dem Aufstieg geklappt hat“, sagt Nipp und bedankt sich bei seinen bewährten Assistenten, auf die er in der Rückrunde zurückgreifen kann. „Oberstes Ziel ist, sofort in der neuen Liga anzukommen und den Klassenerhalt zu schaffen, um danach noch mindestens eine komplette Saison dort zu verbringen“, sagt Nipp.

Wie er auf die „Pfeife“ kam, erzählt er sehr locker: „Meine fußballerischen Fähigkeiten reichten nicht, um als Spieler Karriere zu machen.“ Er absolvierte einen Schiedsrichterneulingskurs, leitete bereits als 15-Jähriger Spiele im Aktivenbereich, anfangs in den Kreisligen. Unter den Fittichen seines ihm zugeteilten Paten Herbert Franke besuchte er viele Sportplätze in der Umgebung. „Dass ich dort nicht von allen gestandenen Spielern respektiert wurde, steht außer Frage. Aber ich bin mit den Spielen gewachsen“, blickt Nipp zurück. Mit 17 Jahren folgte das erste Bezirksligaspiel, mit 20 der Aufstieg in die Landesliga. Dort pfeift er - bis heute. Motiviert haben ihn auch immer Spiele, in denen er anderen Referees in höheren Klassen an der Linie assistieren durfte.

Mittlerweile haben sich die Vorzeichen verändert. Nun begleiten ihn junge Talente wie Robin Stauß, selbst Schiedsrichter in der Bezirksliga und in der Rückrunde im A-Kader. Das heißt: Stauß könnte Nipp bald in die Landesliga folgen. Er profitiert auch davon, Nipp „über die Schulter schauen“ zu können. Nipp gibt dem Nachwuchstalent immer wieder Tipps und Verbesserungsvorschläge, empfiehlt ihm aber auch seiner souveränen und lockeren Art treu zu bleiben. Nipp weiß: Das macht ihn als Schiedsrichter und auch als Menschen aus. „Für einen Aufstieg benötigt man Glück. Das wünsche ich ihm, denn er macht das ganz gut“, sagt Nipp.

Robin Stauß ist nur einer, der von Nipp profitiert. Als Schiedsrichter-Beobachter bewertet Nipp auch die Leistungen anderer Talente in der Bezirksliga. „Es macht Spaß, den jungen Talenten zuzuschauen. Teilweise ist es faszinierend, wie die Jungen in ihrem Alter auftreten.“ Er hofft auf mehr Nachwuchs im Schiedsrichterwesen, egal ob Mann oder Frau. Nipp benennt auch hier klar die Probleme bei der Nachwuchssuche. „Ein Hauptgrund sind die verbalen und körperlichen Anfeindungen, denen wir teilweise ausgesetzt sind. Dass es bei so einem Verhalten schwer ist, Nachwuchs zu gewinnen, ist wenig überraschend.“

Die immer weiter sinkende Hemmschwelle bei manchen Spielern und Zuschauern, enttäuscht ihn: „Ich bin der Meinung, dass zu viel Negatives über Schiedsrichter und ihre Leistungen berichtet wird. Dennoch muss bei den Vereinen ein Umdenken stattfinden und mehr Werbung für ein geiles Hobby gemacht werden!“ Die Schiedsrichterei viele tolle Seiten. „Die Neulinge dürfen sich nicht zu sehr mit den negativen Seiten des Hobbys auseinandersetzen und sollten mehr das Positive sehen. Als Schiedsrichter lernt man viel fürs Leben, das einen nicht nur auf dem Sportplatz, sondern auch im privaten Umfeld und im Beruf weiterbringt.“ Aber auch das Gesellige gehört dazu. Einmal im Jahr verbringt Nipp mit seinen Assistenten ein Wochenende, besucht mit ihnen drei Bundesligaspiele. „Hier machen wir uns den Schiedsrichterausweis uns zum Vorteil. Schließlich müssen wir so die Tickets nicht bezahlen.“

Ein fußballerisches Highlight hat er 2021 bereits erlebt, als er Schiedsrichter Gaetano Falcicchio, in dessen letztem Spiel, beim WFV-Finale zwischen dem SSV Ulm und der TSG Balingen assistierte. „Der Moment, Teil eines Endspiels mit zwei Regionalligisten zu sein, das live im Fernsehen und in der Zusammenfassung in der Sportschau übertragen wird, bleibt für einen Schiedsrichter auf meinem Niveau sicherlich ein einmaliges Karriere-Highlight“, sagt Nipp, der in diesem Jahr mit seiner Hochzeit auch ein privates Highlight zu feiern hatte.

Nipp ist froh, den Weg als Schiedsrichter eingeschlagen zu haben. Denen, die die Schiedsrichterei skeptisch sehen, gibt er auf den Weg: „Wir Schiedsrichter sind nicht notwendiges Übel, sondern gehören genauso zum Fussballspiel dazu!“

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