Acht Talente werden speziell gefördert

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Die Teilnehmer des ersten Torspielertags in Neufra/D. mit den Stiftungsgründern Hubert Deutsch (mittlere Reihe, 3.v.r.) und Thom
Die Teilnehmer des ersten Torspielertags in Neufra/D. mit den Stiftungsgründern Hubert Deutsch (mittlere Reihe, 3.v.r.) und Thomas Deutsch (mittlere Reihe, 2. v.r) sowie den Trainerteam. (Foto: Thomas Warnack)
Sportredakteur

s(mac) - 40 Talente aus Württemberg haben am Torspielertag in Neufra/D. am vergangenen Samstag teilgenommen. Mit ihrer Stiftung ProKeeper Akademie Oberschwaben (ProKA) suchen die Brüder Hubert Deutsch, einst unter anderem Torhüter in der Oberliga, beim FV Biberach, und Thomas Deutsch, selbst in der Oberliga und der Regionalliga (FC Memmingen), Talente im Alter zwischen neun und 15 Jahren und wollen die besten unter ihnen, acht Torspieler aus den Vereinen der Region, speziell und gezielt fördern.

„Ich bin mit der Resonanz überglücklich. Die Talente kamen aus einem Umkreis von über 100 Kilometern nach Neufra. Aus Esslingen, aus dem Allgäu, aber auch aus der Region, insbesondere aus den Bezirken Donau und Zollern. Die Teilnehmer selbst und die Eltern waren begeistert“, sagt Hubert Deutsch. Zusammen mit seinem Bruder Thomas hat er vor gut einem Jahr die Stiftung ProKeeper Akademie (ProKA; die SZ berichtete) ins Leben gerufen. In Neufra begutachteten die beiden Brüder und die zehn Trainer, die sich unter der Ägide von „Cheftrainer“ Marian Fedor an den Torspielertagen um die Talente kümmern und ihnen mit speziellen Übungen das Spiel des Schlussmanns näher bringen, die Talente. „Wer aber am Ende zu den acht gehört, die im folgenden Vierteljahr eine spezielle, professionelle Ausbildung mit wöchentlichen Trainingseinheiten erhalten, liegt alleine bei den zehn Trainern. Wir halten uns da komplett raus“, sagt Hubert Deutsch. Und quasi als besonderes „Schmankerl“ erzählte Dennis Rudel, bis vor kurzem Torspielertrainer bei Union Berlin als Assistent von Jens Keller, aus seinem Dasein als Torwartprofi.

Ermittelt wurden die Talente an verschiedenen Stationen, in denen Reflexe, Schnelligkeit und das schon vorhandene Torhüterspiel getestet wurden. Wie zum Beispiel mit einer Strobobrille, die dem Träger Informationen vorenthält, das Bild der Wirklichkeit verzerrt wiedergibt. „Die Brille stammt aus der Raumfahrt, kostet rund 500 Euro. Damit soll der Torhüter lernen, den Einfallradius des Balles einschätzen zu können. Wie reagiert der Torhüter unter Stress?“, erläutert Hubert Deutsch. So trainieren auch die Volleyballer des VfB Friedrichshafen mit einer solchen Brille. Eine andere Übung ist das Flipboard, einer Art Trampolin für den Ball. „Der Ball springt jedes Mal anders ab. Jedes Mal muss sich der Torspieler neu darauf einstellen, schult sein Reaktionsvermögen“, erklärt Deutsch. Insgesamt gab es morgens und abends je zehn Stationen, an denen die Talente mit den Trainern zu Gange waren. Jeder Teilnehmer zahlte 80 Euro und erhielt dafür eine komplette Torspielerausrüstung inklusive Handschuhe. „Wenn wir alle Leistungen allein für das Equipment zusammenrechnen, kommen wir auf Kosten von 95 Euro. Die Gebühr von 80 Euro erheben wir eher, um sicherzustellen, dass die Kinder und Jugendlichen mit Ernsthaftigkeit bei der Sache sind“, sagt Hubert Deutsch. Mit ihrer Stiftung, die Deutsch selbst als „Leuchtturmprojekt“ bezeichnet, wollen die Brüder natürlich die besten Talente der Region finden. „Deutschland ist zunächst mal eine Torspielernation. Wir als ehemalige Torspieler wollen auch zeigen, wie wichtig diese Rolle auf dem Fußballplatz ist. Sie ist eine Führungsrolle“, sagt Hubert Deutsch, selbst in der Geschäftsführung eines großen Unternehmens in der Region tätig. Dabei gehen die Gedanken der beiden weit über das Torspielerdasein und den Fußball hinaus.

Wer eine führende Rolle auf dem Platz übernehme, könne das später durchaus auch im Berufsleben, sagt Hubert Deutsch. „Wir wollen Führungskompetenzen in jeder Hinsicht fördern.“ Im Hinblick aufs Torhüterspiel selbst wollen die beiden Deutsch-Brüder mit der ProKA das Denken der kleinen Vereine sensibilisieren und darauf aufmerksam machen, wie wichtig eine Schulung der Torspieler ist. „Natürlich ist klar, dass die meisten Vereine nicht über die Mittel verfügen, sich einen Torspielertrainer leisten zu können. Deshalb treten wir hier im ländlichen, strukturschwachen Gebiet auf, um die Vereine dahingehend zu unterstützen und den jugendlichen Talenten eine gute Ausbildung anzubieten.“ Denn oftmals fehle gerade das in der ländlichen Region, solche Akademien seien meist nur auf die Städte konzentriert.

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