100 Jahre jung und immer noch sportaffin

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Erwin Kolbe mit seinen Urenkeln. Gemeinsam feiern sie den 100. Geburtstag des Ur-Opas.
Erwin Kolbe mit seinen Urenkeln. Gemeinsam feiern sie den 100. Geburtstag des Ur-Opas. (Foto: Clemens Riedesser)
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Erwin Kolbe aus Bad Saulgau hat im Kreis seiner Lieben am 13. September seinen 100. Geburtstag gefeiert. Sein Rezept für ein langes Leben: „Nicht rauchen, sehr viel Sport treiben, täglich frühmorgens auf nüchternen Magen einen kleinen Schluck vom guten Williams und anschließend einen Löffel Honig.“

Die Vorzeichen, dass er dereinst auf ein gleichermaßen hohes Alter wie erfülltes Leben würde zurückblicken können, standen freilich alles andere als gut. In ärmlichen Verhältnissen erblickte Kolbe am 13. September 1920 in Langenbielau (Schlesien) das Licht der Welt. Bereits im Alter von zwei Jahren erkrankt er schwer, springt dem Tod nur knapp von der Schippe.

Der gelernte Textilkaufmann überlebt auch Krieg und Gefangenschaft in Casablanca, den USA und in Großbritannien. Sein fußballerisches Talent führte ihn sogar in die Auswahlmannschaft der Gefangenen. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft hatte die Liebe zu seiner ersten Ehefrau, die er mit 19 Jahren in der Ramsau geheiratet hatte, keinen Bestand mehr. So zog er nach Niederwangen zu seinen Eltern, arbeitete dort als Vertreter und spielte Fußball in Wangen. Der Fußball war es auch, der ihn indirekt über eine Einladung zu einer privaten Feier nach Bad Saulgau führte. Dort lernte er seine große Liebe Anni kennen, mit der er fast 62 Jahre verheiratet war. „Zwischen unserem Kennenlernen und der Hochzeit bin ich zwei Jahre lang jedes zweite Wochenende mit dem Fahrrad von Niederwangen nach Bad Saulgau und zurück gefahren“, erinnert sich der Jubilar. Aus dieser Ehe gingen drei Kinder – zwei Töchter und ein Sohn – hervor, die ihm jeweils eine Enkeltochter schenkten. Heute ist der Jubilar Ur-Opa und genießt diese Rolle.

Der Sport und vor allem der Fußball hätten ihm viele Türen geöffnet und ihn in seine zweite, oberschwäbische Heimat gebracht. Dort arbeitete Kolbe zunächst als Verkäufer von Landmaschinen bei der Firma Scheck, danach war er bis zu seiner Pensionierung bei der Firma Bautz beschäftigt. Nebenher führte er mit seiner Frau zusammen jahrelang eine Tankstelle in der Paradiesstraße.

Schwere Schicksalsschläge waren hingegen der Unfalltod seiner ältesten Tochter 2010 und der Tod seiner Ehefrau im Jahr 2016. Heute genießt Kolbe das Spazierengehen, das Beobachten der Baustellen und die häufigen Besuche bei seinen drei Urenkeln genauso wie den frühmorgendlichen Blick in den Sportteil der „Schwäbischen Zeitung“, die er im Altersheim ins Zimmer gelegt bekommt. „Der Sport war für mich mein Leben, heute sind es meine Urenkel“, betont Kolbe.

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