Selbst Starkregen trübt die Stimmung beim Vorseer Dorffest nicht

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Das Theäterle sorgte für jede Menge Lacher.
Das Theäterle sorgte für jede Menge Lacher. (Foto: Thomas Pfeifer)
Siegfried Kasseckert

Dem Fröhlichen gehört die Welt… Ja, betont fröhlich ging‘s wieder zu beim Vorseefest am Wochenende in Anton Grundlers Stadel und drum herum. Ein glänzend aufgelegter Uli Böttcher präsentierte am Samstagabend sein „Ich bin viele“-Programm vor vollem Hause, und selbst heftiger Regen vermochte am Sonntagabend die Laune des Publikums bei Josef Fürsts schwäbischem Gedichte-Parcours und beim Theäterle der einheimischen Schauspieler nicht zu trüben.

Uli Böttcher, Chef des Hoftheaters in Baienfurt, erwies sich einmal mehr als Zugpferd. Viele kommen seinetwegen in den Wolpertswender Teilort, zu dem der Schauspieler offenbar eine besondere Liebe entwickelt hat; schon zum vierten Mal trat er bei einem Vorseefest auf, und immer mit seinem neuesten Programm. Dem Komödianten Böttcher, der einst als Akteur auf der Straße begann, fällt immer wieder viel Amüsantes ein. Im neuen Programm („Ich bin viele“) tritt er einmal sogar als sein eigener Sohn auf. Und vor allem seine Rollenspiele strapazieren die sprichwörtlichen Lachmuskeln.

So gut es Petrus sonst mit den Vorseern meinte, am Sonntagabend bei der Vorseerenade schüttete der Himmel wahre Sturzbäche aufs Dach des Festzelts und ließ den wunderbaren Mundart-Rezitator Josef Fürst, der Gedichte von Manfred Hepperle, Rolf Sättele, Hermann Rehm und eigene „Sprüchle“ zum Besten gab, gelegentlich nur noch schwer zu Wort kommen. Herrlich, wie er die sprachlichen Feinheiten der Unterländer und der Oberländer vorführte. Und immer erntete Josef Fürst, der lange Jahre Anwalt (Sprecher) Vorsees gewesen ist, Szenenapplaus, zum Beispiel als er erzählte, wie ein Mann reagierte, als er die Aussicht auf dem Panoramaweg in Wolpertswende genoss: „So eine schöne Gegend. Ich bin ganz berauscht“. Darauf seine Frau: „Siescht, s’got au ohne Saufa“. Ritchy (Richard Weiss) mit seiner Steierischen (Ziehharmonika) umrahmte das Ganze aufs Feinste. So perfekt wie noch nie.

Ein Höhepunkt beim Vorseefest ist seit eh und je das Theäterle. Unter der Regie von Thomas Beck – auch er ein Fan der Vorseer und gestrenger Regisseur – beglückten zehn Spieler, allesamt Vorseer, das Publikum im vollbesetzten Festzelt mit vier lustigen Stücken, in Schwäbisch natürlich. Vorseer, die sonst eher unauffällig daherkommen, erwiesen sich dabei als geradezu begnadete Schauspieler. So etwa Ralf Büg, der als Regisseur ein neues Stück einstudierte und dabei eine urkomische Figur abgab. Oder das zänkische Ehepaar, verkörpert von Sylvia Fürst, der Anwältin (Sprecherin) der Vorseer Martinsgemeinde, und ihr Mann Wolfgang, das sehr realistisch die schwierige Entwicklung der Tochter Patricia vom schreienden Baby zum aufmüpfigen Teenager erlitt. Früher war’s so e nette Krott, hieß es immer wieder. Sarah Fürst, auch im wirklichen Leben eine Tochter der beiden Fürsts, bekam immer wieder Sonderbeifall. Dass man in Vorsee offenbar Problemchen mit Mochenwangen, dem anderen Wolpertswender Teilort, hat, wurde in einem Stück deutlich, in dem die Vorseer versuchen, in Mochenwangen Eintrittskarten fürs Vorseefest an den Mann und an die Frau zu bringen. Hier brillierten vor allem die Amann-Brüder Alexander und Daniel. Inzwischen hatte auch der lästige Regen aufgehört.

Musik gab’s auch reichlich beim Vorseefest. Sepp Roth und seine Oberland-Blasmusikanten, bei denen auch Sylvia Fürst mitwirkte, und die Jugendkapelle des Musikvereins Wolpertswende, spielten kräftig auf. Und am späten Sonntagabend, als das Fest ausklang, zog Thorsten Hausmann, Stellvertreter der Anwältin und als Inhaber einer einschlägigen Firma zuständig für Licht und Ton beim Fest, eine Bilanz: „Uns geht’s bei unseren Aktivitäten nicht ums Geld. Uns geht’s um die Dorfgemeinschaft. Und die ist so gut und so eng wie kaum anderswo“.

Nächstes Jahr im August werden die Vorseer beim Stegfest wieder ganz unter sich feiern. Zur Pflege der Dorfgemeinschaft.

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