Promovierter Ingenieur tritt Pfarrstelle an

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 Der 54-jährige Pfarrer Peter Häring in der Kirche Mochenwangen. Die wesentliche Aufgabe eines Priesters sieht er in der Seelsor
Der 54-jährige Pfarrer Peter Häring in der Kirche Mochenwangen. Die wesentliche Aufgabe eines Priesters sieht er in der Seelsorge. (Foto: Stehle)
Christoph Stehle

Diesen Sonntag erhält Pfarrer Peter Häring bei der Investitur in Mochenwangen die Zuständigkeit für die Seelsorgeeinheit „Westliches Schussental“ mit den fünf katholischen Gemeinden Berg, Blitzenreute, Fronhofen, Mochenwangen und Wolpertswende.

Zumindest ein Stück weit ist es auch eine Rückkehr für ihn. Denn der promovierte Maschinenbauer Peter Häring stammt aus Ravensburg und hat am Spohn-Gymnasium sein Abitur abgelegt. Nun übernimmt der spätberufene katholische Priester mit 54 Jahren als Pfarrer die Seelsorgeeinheit „Westliches Schussental“ mit rund 8500 Gemeindemitgliedern. Häring war seit 2007 Pfarrer in der Seelsorgeeinheit Ertingen im Kreis Biberach mit rund 5500 Katholiken und folgt nun auf Stefan Pappelau, der nach 14 Jahren Pfarrer in Göppingen geworden ist.

Pfarrer Häring würdigt zunächst die Leistung von Stefan Pappelau, der den Aufbau der 2001 gebildeten Seelsorgeeinheit entscheidend geprägt hat. Rechtlich sind die fünf Gemeinden nach wie vor selbstständig mit eigenem Haushalt. Sie bilden aber einen Kooperationsverbund, koordinieren sich über einen Gemeinsamen Ausschuss mit Vertretern aus den Gemeinden und unterhalten eine gemeinsame Kirchenpflege. Dabei ist Michael Lerner für die Themen Finanzen, Verwaltung und Personal zuständig. Für Peter Häring ist diese übergreifende Einrichtung eine Erleichterung, denn in seiner bisherigen Seelsorgeeinheit gab es für jede der sechs Pfarreien eine nebenamtliche Kirchenpflege.

Häring hält dies auch deshalb für wesentlich, da er die Aufgabe eines Priesters in erster Linie in der Seelsorge sieht, und es gibt Aufgaben, die Verwaltungsfachleute besser könnten, meint er. Als sogenannter leitender Pfarrer arbeitet Häring in der Seelsorgeeinheit mit einem Team zusammen. Zu diesem gehören der Karmeliterpater Francis Pavartikaran (Kranken- und Seniorenarbeit), der ständige Diakon Gerhard Marquard, der seinen Schwerpunkt in Berg hat, sowie die beiden Gemeindereferentinnen Manuela Gerster und Dorothee John, die nicht zuletzt in der Familien- und Jugendarbeit sowie als Religionslehrerinnen aktiv sind.

Peter Häring weiß um die spürbare Lebendigkeit, die es in den fünf Gemeinden nach wie vor gibt. Dabei hat jede ihr eigenes Profil und legt darauf auch Wert. Und da gelte es auch für den Pfarrer, sich zunächst hineinzufinden.

Und wie sieht Seelsorge heute aus? Auch im ländlichen Raum gibt es einen seit Jahren spürbaren Rückgang, verbunden mit vielfacher Kritik, beispielsweise mit Blick auf die Missbrauchsfälle. Peter Häring nimmt sich gerade deshalb auch vor, sich nicht mit der „Tristesse“ eines weiteren Rückzugs zufriedenzugeben. Er will stattdessen mit den Angeboten der Kirche einerseits bewusste Kontrastpunkte zum Alltag der Menschen setzen, um sie mit der Feier des Glaubens zu stärken, und andererseits die einzelnen Menschen in ihrem persönlichem Suchen und Fragen ernst nehmen.

Ein erster Schwerpunkt seiner Arbeit ist für Häring die Feier und Gestaltung der Liturgie, insbesondere der Sonntagsmesse, die nach dem zweiten Vatikanischen Konzil „Quelle und Höhepunkt allen kirchlichen Tuns“ ist und die nach wie vor den größten Anteil der Kirchenmitglieder erreicht. Dank zweier Priester kann es sie in der Regel auch weiterhin in allen fünf Gemeinden weiter geben. Eine ansprechende Predigt, auf die es sich gut und gern drei Stunden vorzubereiten gilt, und eine gute Kirchenmusik als integraler Teil der liturgischen Feier sind laut Häring ebenso wichtig wie eine lebendig mitfeiernde Gemeinde. Dies gilt natürlich auch für die Wortgottesdienste an den Werktagen.

Ein anderes Anliegen Härings könnte man mit dem Stichwort Aktivierung oder auch Missionierung umschreiben. Einerseits ist Peter Häring wichtig, dass die kleiner gewordenen Gemeinden eine offene Kirche bleiben, die an ihre Mitglieder – anders als manche Sekten – eben nicht rigorose Forderungen stellen. Auf der anderen Seite erscheint es gerade heute wichtig, dass die Frauen und Männer in den Gemeinden sich bewusst als Jünger Christi sehen, dass sie – modern gesprochen – als Multiplikatoren durch ihren Glauben und ihre Überzeugung anstecken. Denn das sei nicht allein Aufgabe der Priester.

Peter Häring hat sich gegen Ende der Promotion im Fach Maschinenbau mit dem auseinandergesetzt, was er danach machen möchte. Irgendwann ist dann in ihm der Entschluss gereift, einen ganz anderen Weg zu gehen und Priester zu werden. Ganz fremd war ihm der Gedanke nie gewesen. Prägend war dabei seine Familie sowie während des Studiums die aktive Mitgliedschaft in einer katholischen KV-Verbindung.

Natürlich braucht auch ein Priester ein privates Leben als Ausgleich. Seit der Kindheit ist Peter Häring sportlich aktiv, und gerade für das Radfahren bieten sich ja am neuen Wirkungsort gute Gelegenheiten. Er hat sich aber auch gleich wieder als Klarinettist in das Städtische Orchester Weingarten zurückgemeldet, in dem er seit der Jugend ebenfalls lang aktiv gewesen ist.

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