Oberschwaben verliert ein weiteres Traditionslokal - aber gewinnt eine Kochschule

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Ein Mann sitzt auf einem Stuhl. Dahiner steht seine Frau. Beide lachen in die Kamera
Christian und Silvia Rist haben das Landhotel Rist in Mochenwangen umgetrieben. Doch jetzt ist Schluss mit dem Restaurant. (Foto: Adelinde Schwegler)
Adelinde Schwegler

Und wieder ist Oberschwaben um ein Traditionslokal ärmer: Der Landgasthof Rist in Mochenwangen hat zum Jahreswechsel den Betrieb eingestellt. Jedoch ganz können und wollen die Wirtsleute Christian und Silvia Rist von der Gastronomie sich nicht ganz verabschieden. Und darum soll es ab Sommer in der Mochenwangener Bahnhofstraße 8 in „Rists Kochwerkstatt“ mit Catering und einer Kochschule weitergehen.

Das Geschäft lief gut

„Es war eine schwere, aber eine Vernunftentscheidung“, den 1930 von seinem Großvater gegründeten und vor 21 Jahren von seinen Eltern übernommenen Gastronomiebetrieb aufzugeben, sagt Christian Rist. Ausschlaggebend für diesen Schritt waren nicht mangelnde Nachfrage und auch nicht die branchenweit beklagte Personalnot, sondern ganz persönliche Aspekte. Im Gegenteil: „Das Rist“ erfreut sich eines treuen Kundenstamms, sein Ruf reicht weit über Mochenwangen und das Schussental hinaus, seine Speisekarte vereint Extravaganz und Bodenständigkeit. Deshalb musste, wer dort speisen wollte, schon frühzeitig reservieren, weil die Gaststube einfach immer voll besetzt war. Das Geschäft lief so gut, dass die Grenzen der Belastbarkeit erreicht und die Signale zu spüren waren: „Wir mussten an unsere Gesundheit denken“, sagen die Wirtsleute. Den Hoteltrakt hatten sie deshalb 2016 schon zu Appartements umgewandelt.

Silvia Rist wechselt in die Hotelbranche

Es blieb ein geliebter, aber doch ein Knochenjob. Feierabend gab es für Christian Rist als Küchenchef und seine Frau Silvia im Servicebereich erst spät in der Nacht. Der montägliche Ruhetag war nicht zum Ausruhen sondern für Arbeiten im Hintergrund. Urlaub gab es allenfalls zweimal zwei Wochen im Jahr. Das ging an die Substanz: „Das war zu viel, um weiterzumachen wie bisher“. Aber für die Wirtsleute, die heute 50 und 43 Jahre alt sind, auch zu früh, um sich auf Rentnerbänkchen zu setzen. Und so reifte der Plan, dass Christian Rist den bereits bestehenden Cateringservice ausbauen und sein Wissen und seine kreative Ader rund um Küche und Essen in einer Kochschule weitergeben könnte. Und Silvia Rist als gelernte Hotelfachfrau wird ab Frühjahr in einem der neuen Ravenburger Hotels an der Rezeption arbeiten.

Das Haus war Berufung

Unser Haus war uns „nicht nur Beruf, sondern Berufung“, sagt Silvia Rist. Und ihren Erfolg, so das Wirtsehepaar, würden sie ganz wesentlich der Unterstützung der Eltern Erich und Waldtraud Rist sowie einem Mitarbeiterstamm zu verdanken, der dem Haus seit der Betriebsübernahme vor rund 20 Jahren bis zum letzten Öffnungstag treue Dienste erwies und nun quasi mit dem Landgasthof in Rente ging. „Wir sind, waren und bleiben eine große Familie“, freuen sich Christian und Silvia Rist und erzählen, wie im Laufe der Zeit auch private Kontakte und Freundschaften zwischen ihnen, Kundschaft und Personal entwickelten.

Keinen passenden Pächter gefunden

Zuschließen war übrigens nicht die einzige Option. Nachdem es in der Familie keinen Nachfolger gibt, hätten sie sich selbstverständlich um einen Pächter bemüht, aber jenen nicht gefunden, der an Stil und Tradition des Hauses – eine Zusammenklang aus schwäbischer Dorfwirtschaft und Gourmettempel – angeknüpft hätte, sagt Rist: Modern, raffiniert und jahreszeitlich, mit regionalen Zutaten und dennoch schwäbisch traditionell zu kochen, war der Weg, mit dem das Haus in Mochenwangen seinen Ruf erworben hat. Sein Lieblingsessen, ein „richtig guter Schweinsbraten mit Soß’“ ist heut kein Glanzstück mehr auf einer Speisekarte, lacht Rist.

Lob vom SZ-Gastrokritiker

Und so entstanden in seiner Küche „Bodenständige Glücksmomente“, wie sie Gastro-Kritiker Erich Nyffenegger vor Monaten in der „Schwäbischen Zeitung“ beschrieb: „Dreierlei schwäbische Spezialitäten auf einem länglichen Teller: Da aalt sich links eine kernige und mit kräftigem Bärlauch gewürzte Maultasche auf eine sahnigen Rahmsauce, die puren Fleischgeschmack im Herzen trägt. Mittig türmen sich Kässpätzle die durch eine wuchtige Käsemischung intensive Geschmacksmomente offenbaren… Rechts davon ruht auf einer aromatischen Bratensoße der König unter den schwäbischen Klassikern: ein saftiger Rostbraten mit Knusperzwiebel“. Ein Gericht von vielen. Ein Genuss, der für manchen Erinnerung bleibt.

Ab nach Australien

Für manch anderen könnte es jedoch ein Revival geben. Die voll ausgestattete Küche, Geschirr, Gläser die ganze Einrichtung, die nötig ist, um einen Gaumenschmaus zu kochen und als Augenweide anzurichten, sind vorhanden. Wie man damit umgeht, dieses Wissen will Christian Rist mit seiner Kochschule weitergeben. Die ersten Umbauarbeiten im Gastraum sind bereits angeleiert. Doch erst geht es für Silvia und Christian Rist ab in den Urlaub, diesmal zwei Monate statt zwei Wochen – nach Australien.

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