Wolfegg ist gegen schnellen Kiesabbau

Lesedauer: 6 Min
Kiesabbau und Asphaltherstellung in Grenis sollen weitergehen. Rechts die Lkw-Route zwischen Grenis und dem geplanten Standort Grund. (Foto: Foto/Grafik: drs/ric)
Schwäbische Zeitung

Auch die Gemeinde Wolfegg lehnt das Zielabweichungsverfahren in Sachen Kiesabbau im Vogter Teilort Grund ab. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend beschlossen. Damit reiht sich die Gemeinde unter anderem hinter die Naturschutzverbände sowie die Gemeinden Vogt, Baienfurt und Schlier ein. Der Gemeinderat Baindt wird sich, so ist zu erwarten, am 6. Februar den Stellungnahmen der Gemeinde Baienfurt und dem Zweckverband Wasserversorgung Baienfurt-Baindt anschließen.

Wie berichtet, hat die Kiesgesellschaft Karsee (Meichle und Mohr) ein Zielabweichungsverfahren beim Regierungspräsidium Tübingen beantragt, um dort in Grund schneller Kies abbauen zu können. Das Zielabweichungsverfahren, das seit November läuft, heißt so, weil von den im gültigen Regionalplan festgehaltenen Zielen (in diesem Fall Forstwirtschaft, bedeutsamer naturnaher Landschaftsraum, Ausschlussgebiet für Rohstoffabbau) abgewichen werden soll. Ein neuer Regionalplan ist beim Regionalverband Bodensee-Oberschwaben bereits in Arbeit.

Vorgesehen ist ein elf Hektar großes Kiesabbaugebiet im Altdorfer Wald, auf vier Hektar will die Kiesgesellschaft Karsee so früh wie möglich beginnen. Die betroffenen Gemeinden wurden gebeten, beim Regierungspräsidium eine Stellungnahme abzugeben. Baienfurt und Baindt sind betroffen, weil sie ihr Wasser aus der Quelle Weißenbronnen (Gemarkung Wolfegg) in der Nähe des avisierten Kiesabbaugebiets beziehen – sie fürchten um ihr Trinkwasser. Wie berichtet, haben sie einen Geologen beauftragt, der die Wassersituation auf dem Waldburger Rücken untersuchen soll.

Wolfegg wäre als Anrainergemeinde indirekt von dem Kiesabbau betroffen, weil voraussichtlich der Kies aus Grund mit Lastwagen durch die Gemeinde in das Kieswerk beziehungsweise die Asphaltmischanlage nach Grenis (Gemarkung Amtzell) transportiert werden würde. Im Gespräch war immer wieder eine Route durch Wassers, was in der Stellungnahme wieder aufgeführt ist. Das Satellitenkonzept, also der Transport nach Grenis, zöge ungelöste Verkehrsprobleme mit sich.

In der Stellungnahme der Gemeinde heißt es unter anderem, dass es sich bei dem Vorhaben nicht um einen „Härtefall“ handle, mit dem Eingriff in den Altdorfer Wald würden ein wertvoller Bestandteil eines überregional wichtigen Landschaftsraums sowie die Schutzschicht für das Grundwasser zerstört.

In der Wolfegger Gemeinderatssitzung wurde einmal mehr deutlich, wie emotional dieses Thema ist. Die Mehrheit der Räte war sich einig, dass man sich gegen das Zielabweichungsverfahren stellen muss. „Hier werden sonst Tatsachen geschaffen, die nicht mehr umkehrbar sind“, sagte Bürgermeister Peter Müller. Man müsse gerade den Gemeinden Baienfurt und Baindt die nötige Zeit zugestehen, bis die Ergebnisse der Bohrungen da sind. Das unterstützte auch Karl Wenzel: „Grundwasser hat Priorität Nummer 1.“

„Unser Gut ist die Landschaft“

Eine Brandrede hielt Ludwig Speidler. „Wir sind schon viel früher vor vollendete Tatsachen gestellt worden, als man in Grenis das Asphaltmischwerk gebaut hat, obwohl man wusste, dass in Grenis der Kies ausgeht. Wir müssen uns auf die Hinterbeine stellen und es ablehnen. Wir kriegen hier auch keine großen Gewerbegebiete mehr, unser einziges Gut ist unsere Landschaft. Ins gleiche Horn stieß Günter Eisele: „Was kommt, wenn Grund nicht kommt, weiß ich nicht. Aber wenn Grund kommt, weiß ich, was kommt.“

Kritiker der Stellungnahme waren Franz Frick und Werner Quandt, die als Einzige dagegen stimmten. „Wir werden uns ein Eigentor schießen, wenn wir gegen den Kiesabbau in Grund sind. Dann gehen sie nach Roßberg, und wir haben den ganzen Verkehr in Wolfegg und Alttann“, so Frick. Und Quandt befürchtet gar, dass der Kies bis von Krauchenwies und Leutkirch nach Grenis gefahren werden könnte. Auch Sorge um mehr Verkehr im Teilort Molpertshaus wurde in der Sitzung geäußert.

Eine Ablehnung des Zielabweichungsverfahrens bedeutet aber nicht, dass der Kiesabbau nicht trotzdem kommen kann. Sollte er im neuen Regionalplan verankert werden, kann trotzdem gebuddelt werden, wenn das Landratsamt Ravensburg als Genehmigungsbehörde grünes Licht geben sollte. Außerdem kann das Regierungspräsidium Tübingen in Sachen Zielabweichung nach eigenem Ermessen entscheiden.

Alle Hintergründe zum Thema Kiesabbau gibt

es in einem Dossier unter

www.schwaebische.de/kiesabbau

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen