So erlebte ein Unterfranke seine erste schwäbisch-alemannische Fasnet in Alttann

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Ein Mann inmitten verkleideter Hexen
Freundlich aufgenommen und nur ganz zart verstrubbelt von den Alttanner Höllteufeln: Andreas Belz aus dem unterfränkischen Schöllkrippen war zum ersten Mal bei der Fasnet in Oberschwaben. (Foto: Bettina Musch)
Bettina Musch

Überall in Oberschwaben finden zur Zeit große Narrensprünge statt, die viele Besucher teils von weit her anlocken. Auch Andreas Belz aus dem unterfränkischen Schöllkrippen ist angereist, um sich zum ersten Mal die schwäbisch-alemannische Fasnet bei einem Narrensprung anzuschauen.

Beim närrischen Treiben am Sonntagnachmittag in Alttann stellte er fest, dass es trotz vieler Gegensätze auch einige Gemeinsamkeiten von Karneval und Fasnet gibt.

Die Stimmung schlägt schon am Sonntagmorgen hohe Wellen. Vor und im Dorfgemeinschaftshaus in Alttann sind die Mitglieder der Narrenzunft Alttann schon eifrig dabei, alle Vorbereitungen für den Zunftmeisterempfang und die Bewirtung der Gäste zu treffen, die zum nachmittäglichen Narrensprung erwartet werden. Trotzdem nehmen sich einige Höllteufel die Zeit, Andreas Belz zu begrüßen.

Er staunt nicht schlecht, als die freundlichen Gesichter der Frauen und Männer in ihrem flammendroten und pechschwarzen Häs hinter den furchterregenden Fratzen der Holzmasken verschwinden. „So etwas gibt es bei uns nicht“, sagt er bewundernd, als ihm ein Höllteufel aus der Nähe seine kunstvoll geschnitzte Maske zeigt.

Bruder steht in der Bütt

Dabei ist dem Unterfranken närrisches Treiben durchaus bekannt. Die Gemeinde Schöllkrippen, aus der er kommt, ist mit Wolfegg gut zu vergleichen. Sie hat etwa 4000 Einwohner, drei Ortsteile und liegt idyllisch am Rand des Spessart in der Nähe von Aschaffenburg.

1948 wurde dort die Karnevalsgesellschaft Schöllkrippen gegründet, und der Urgroßvater von Andreas war ein Gründungsmitglied. Seit dieser Zeit ist die Familie dort aktiv. Oma und Opa, Vater und Onkel waren Büttenredner, und aktuell steht Andreas älterer Bruder Markus in der Bütt und hält dort launige Reden bei zwei Prunksitzungen mit einem bunten Programm.

 Das Kinderprinzenpaar der Narrenzunft Alttann hat den Narrensprung eröffnet.
Das Kinderprinzenpaar der Narrenzunft Alttann hat den Narrensprung eröffnet. (Foto: Bettina Musch)

Bunt wird es auch, als pünktlich um 13.31 Uhr in Alttann der Narrensprung beginnt, zu dem sich 57 Narrenzünfte, Musikgruppen und Fanfarenzüge angemeldet haben. Es ist ein höllisches Spektakel, laute Musik schallt aus den Lautsprechern und die vielen Zuschauer an der Hauptstraße haben bei dem prächtigen Wetter beste Laune. Ein liebreizendes Kinderprinzenpaar führt die Alttanner Narrenzunft an.

Das ist Andreas nicht fremd, in Schöllkrippen sind das allerdings Erwachsene. Seine Eltern waren ebenfalls schon in dieser Funktion unterwegs. Das dortige Prinzenpaar nennt sich „Ihre Tollität“ und „Ihre Lieblichkeit“. Mit Hofstaat, Prinzengarde, Tanzgarden und den Schöllkripper Ortsvereinen finden sie sich ebenfalls zu einem großen Umzug zusammen, dessen Ziel es ist, das Rathaus zu stürmen und, wie bei uns, den Bürgermeister seines Amtes zu entheben.

Zu Hause ein „Helau“ oder „Klopp Klopp“

„Wo na? – In’d Höll na!“ schallt es durch Alttann. Völlig ungewohnt für den unterfränkischen Gast, der zu Hause nur ein „Helau“ und von einer Nachbargemeinde ein „Klopp Klopp“ kennt. Woher das allerdings kommt, erschließt sich ihm und mir genauso wenig wie das „Wieso? – Awaa!“ der Narrenzunft Haidgau oder das „Ha weil halt – ha so halt“ des Narrenvereins Hasenweiler, die in Alttann mitspringen.

Andreas, von der Narrenzunft mit der Aufstellungsliste versorgt, hat wenig Probleme mit den Narrenrufen. Lauthals tönt sein „Zong – raus“ er lockt damit eine Hexe der Narrenzunft Ulm an, die ihn liebevoll in den Arm nimmt und leicht verstrubbelt. Sein Gastgeber in Alttann hat da weniger Glück.

Er bekommt gleich zweimal eine ordentliche Portion Konfetti unter seinen Hut und hat seine liebe Not mit den winzigen Papierschnipseln. „Bei unserem Umzug werden auch Bonbons, beziehungsweise Kamellen geworfen und Schnaps verteilt, aber niemand bekommt Konfetti, Heu oder welke Blätter in die Haare gerieben“, lacht Andreas, der das in Alttann beobachtet.

Mehr Mottowagen, aber kürzerer Umzug

Er erzählt, dass es in Schöllkrippen zwar mehr Mottowagen der etwa 20 Ortsvereine gebe, dafür sei der Umzug aber nur halb so lang wie der in Alttann, der doch anderthalb Stunden läuft. Leider hat der Schöllkripper keine Zeit, sich in das bunte Treiben nach dem Narrensprung zu stürzen, das im und um das Dorfgemeinschaftshaus für die Gäste bestens organisiert stattfindet. Aber er wird bestimmt wiederkommen, vielleicht auch im nächsten Jahr nach Wolfegg, wo der Umzug im jährlichen Wechsel von der Narrenzunft Wolfegg organisiert wird.

Vor der Rückfahrt kurbelt Andreas die Autoscheibe runter und verabschiedet sich mit einem lauten „Wo na? – in’d Höll na!“. Es hat ihm bei seinem ersten Treffen mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet offensichtlich gut gefallen.

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