Seit 65 Jahren spielt Erich Kling Orgel in Wolfegg

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Der Lieblingsplatz von Erich Kling ist an der Orgel, wo er jeden Freitag für den Gottesdienst übt.
Der Lieblingsplatz von Erich Kling ist an der Orgel, wo er jeden Freitag für den Gottesdienst übt. (Foto: Angela Mennig-Saiger)
Angela Mennig-Saiger

Auf ein langes Stück Wolfegger Geschichte kann Erich Kling zurückblicken. Dabei ist er über die Jahre selbst zu einem Stück Wolfegger Geschichte geworden. Denn der 90-Jährige spielt seit 65 Jahre an der berühmten Hör-Orgel der Pfarrkirche St. Katharina.

Der Impuls zur Musik kam von der Mutter, und so erhielt Erich Kling im Alter von 9 Jahren den ersten Klavierunterricht. Dies war die Grundlage für das später selbst gewählte Spiel an der Orgel. Die große Faszination für die „Königin der Instrumente“ ließ ihn bis heute nicht los und ist ihm zum Lebensbegleiter geworden: „Die Musik vervollständigt den Sinn und Inhalt meines Lebens“, sagt der 90-Jährige.

Seine musikalische Arbeit ist für ihn ein sehr persönliches Bekenntnis

„Gemüt, Seele und Empfinden: Das alles kann man in die Musik hineinlegen“, sagt Erich Kling. Inspiriert und begeistert haben ihn zeitlebens Komponisten wie Bach, Mozart und Haydn. Seine musikalische Arbeit ist für ihn jedoch zuallererst ein sehr persönliches Bekenntnis: Es soll Lobpreis, Ruhm und Verehrung zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig aber den Menschen Freude bereiten.

Seit dem 1. November 1955 ist Erich Kling als Organist in Wolfegg tätig und gestaltet Gottesdienste sowie gesungene Vespern mit. Von 1955 bis 1992 leitete der damalige Rektor der Schule zudem den Wolfegger Kirchenchor.

Auf die Suche nach Streichern gegangen

Ins Schwärmen gerät er, wenn er an die vielen wundervollen Orchestermessen in der prächtigen Wolfegger Barockkirche zurückdenkt, darunter Höhepunkte wie die Mozartmesse in C für Chor und Orchester oder die Haydnmessen. Schwierig sei es in diesen Zeiten gewesen, Streicher zu finden. Er musste seine Kontakte in der Umgebung nutzen, um eine spielfähige Gruppe zu finden. Eine großartige Unterstützung sei ihm während dieser Zeit der damals noch junge Franz Ott gewesen, berichtet Erich Kling.

Zu seinem eisernen Organistenjubiläum gab es am Ende des Allerheiligen-Gottesdienstes einen etwas außergewöhnlichen Programmpunkt: Pfarrer Klaus Stegmaier brachte Respekt, Wertschätzung und Anerkennung für die Treue, Zuverlässigkeit und den Dienst an der „Musica Sacra“ zum Ausdruck, und Bernhard Fleischer vom Kirchengemeinderat dankte mit einem Geschenkkorb.

„Beim ,Sanctus’ sprang der Funke über“

Geboren 1930 in Aulendorf, erlebte Erich Kling seine Kindheit in der Schillerstadt Marbach am Neckar. Schon während des Studiums an der Lehreroberschule in Saulgau begleitete ihn das Orgelspiel. Weitgehend autodidaktisch hat er es sich damals erobert, und es sollte ihn sein Leben lang begleiten.

„Es gab drei Orgeln in Saulgau“, erzählt er. „Die Festsaal-Orgel war besonders schön, und beim ,Sanctus’ sprang der Funke über.“ Die Orgelmusik spielte fortan die erste Geige in seinem Leben.

Wolfegg war für Erich Kling die erste Wahl

Weitere Lebensstationen waren Weingarten, Immenried, Schwarzenbach und Friesenhofen, wo er als Lehrer tätig war. Die Lehrerstelle in Wolfegg, die er 1955 antrat, beinhaltete damals neben der Residenzpflicht auch die Organistenstelle, erinnert er sich. Die überaus prachtvolle Barockkirche und der schöne, heitere Klang der Hör-Orgel zogen ihn von Anfang an in ihren Bann. Wolfegg war für Erich Kling die erste Wahl.

Auf eine so lange Zeitspanne zurückzublicken, das bedeutet, die große Dynamik der Jahresfeste und des menschlichen Lebens mitgestaltet zu haben, von Epiphanie bis Weihnachten, von der Taufe bis zum Requiem.

Vier Pfarrer hat er erlebt während all der Jahre: Pfarrer Iländer, Pfarrer Schmid, Pfarrer Blessing und Pfarrer Stegmaier – und sieben Päpste, fügt er schmunzelnd hinzu.

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