Schon wieder kein Geld fürs Dorfgemeinschaftshaus

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Ist die alte Schule in Rötenbach in Gefahr? Theoretisch ja, weil das Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende dringend sanierungsbedürftig ist. Aber die Dorfgemeinschaft Rötenbach in der Gemeinde Wolfegg will das Schmuckstück der Dorfgeschichte retten und dann auch noch ein Dorfgemeinschaftshaus daraus machen. Doch für das ambitionierte Projekt mit geschätzten Kosten von 1,2 Millionen Euro braucht es ein Zuschuss vom Land Baden-Württemberg – und dieses hat den Rötenbachern mittlerweile schon zum zweiten Mal in Folge einen Korb gegeben.

„Die Sache ist klar, wenn wir den Zuschuss nicht bekommen, funktioniert das Projekt nicht“, sagt Wolfeggs Bürgermeister Peter Müller. Wenn es einen dritten Korb vom Land gibt, ist die Gemeindeverwaltung am Zug. „Dann muss ich über eine Veräußerung oder einen Abbruch nachdenken“, so Müller. 430 000 Euro wollen die Rötenbacher aus dem ELR-Topf (Entwicklung Ländlicher Raum) abgreifen – eine stattliche Summe. 250 000 Euro kommt von der Gemeinde, laut Bürgermeister Müller, das Maximum, das der Haushalt zurzeit verkraften kann. 160 000 Euro stemmen die Vereine aus eigener Kraft und zudem wollen die Rötenbacher so viel wie möglich an Eigenleistung einbringen.

In Rötenbach ist die Enttäuschung groß, dass man trotz des Engagements des ganzen Ortes eine Absage bekommen hat. „Andere Projekte im Land haben einen Zuschuss für Sanierungen von Dorfgemeinschaftshäusern bekommen und wir haben noch nicht einmal eines“, drückt Werner Quandt, Vorsitzender und Gründer des Dorfgemeinschaftsvereins, seinen Frust aus.

Warum das Projekt für den kleinen Ort so wichtig ist, berichtet Paula Schnell, Beisitzerin im Dorfgemeinschaftsverein: „Wir haben kaum noch Wirtschaften, wo sich die Vereine treffen können Und wenn es irgendwann keine Möglichkeit mehr gibt, brauchen wir das Dorfgemeinschaftshaus.“ Es stehe zu befürchten, dass die Vereine dann plötzlich keinen Ort für Veranstaltungen im Dorf mehr haben. Und an das Wirtschaftssterben könnte sich das Vereinssterben anschließen. Da das Probelokal des örtlichen Musikvereins zu klein geworden ist, brachte dieser vor 2014 zum ersten Mal die Idee eines gemeinsamen Dorfgemeinschaftshaus in die Diskussion.

Viertes Bürgerhaus in Wolfegg

Die Pläne sind schon ausgearbeitet und zeigen ein stimmiges Konzept: Im alten Schulgebäude soll ein großer Veranstaltungsraum mit Bühne installiert werden. Dort können dann Feste gefeiert werden, der Theaterverein kann seine Stücke präsentieren. Im Obergeschoss können sich die Vereine einrichten.

Nun kann tatsächlich die Frage gestellt werden: Warum braucht das 580-Seelen-Dorf Rötenbach ein eigenes Dorfgemeinschaftshaus in einer Gemeinde wie Wolfegg? Schließlich gibt es in Wolfegg die Gemeindehalle, in Molpertshaus das alte Schulhaus und in Alttann das Haus für Bürger und Gäste. Die Antwort ist einfach: Einerseits ist die Vereinsstruktur im Ort ein Grund, andererseits auch die Struktur der Gemeinde Wolfegg mit gerade einmal 3700 Einwohnern. Diese hat mit den vier Ortsteilen Wolfegg, Alttann, Molpertshaus und Rötenbach ein besondere Struktur. Alle Ortsteile strahlen auch in die angrenzenden Nachbarkommunen aus und haben ein dementsprechendes Einzugsgebiet. Das Dorf Rötenbach hat zum Beispiel einen eigenen Musikverein, eine Narrenzunft, ein Theaterverein und so weiter. Die Mitglieder kommen bis aus Vogt, Kißlegg und darüber hinaus.

„Uns ist wichtig, dass wir nicht nur unsere Dorfsuppe kochen. Wir sind Wolfegger, aber wir wollen nicht zur Wohnsiedlung werden“, beschreibt Katja Deiß, stellvertretende Vorsitzende des Vereins, die Situation. Denn die Vereinsstruktur bringt Leben in den Ort und leistet wichtige Jugendarbeit. „Die Vereine in unserer Gemeinde sind der Grund, warum wir keine Jugendhäuser und Streetworker brauchen“, sagt dazu Peter Müller.

Deswegen sitze auch der Frust so tief, dass es für dieses Projekt, bei dem man eh schon an die Grenzen des Machbaren gehe, kein Geld bekommt, sagen die Verantwortlichen des Dorfgemeinschaftsvereins. Deswegen haben sie den CDU-Landtagsabgeordneten Raimund Haser zur Mitgliederversammlung eingeladen. Er habe der Gemeinde empfohlen, einen Antrag auf die sogenannten Rückflussmittel im ELR-Förderprogramm zu beantragen. Rückflussmittel sind Gelder, die nicht komplett gebraucht worden sind oder Gelder von Projekten, die in der Periode nicht umgesetzt werden konnten. Mitte Mai sei auch die Staatssekretärin im Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Friedlinde Gurr-Hirsch (CDU) in Rötenbach gewesen und habe sich ein Bild von der alten Schule gemacht.

Jetzt kommt also ein neuer Anlauf, um etwas von den Rückflussmitteln zu bekommen. „Das werden wir jetzt zum ersten Mal machen und hoffen, dass wir zum Zug kommen“, sagt Müller. Schließlich hat Wolfegg bereits ELR-Mittel für das Projekt alte Schule in Wolfegg bekommen, die zum Hotel umgebaut werden sollte. Aber durch die Verzögerungen durch Brand- und Denkmalschutzauflagen konnten die Mittel, wie die SZ berichtet, nicht abgerufen werden. Deswegen ist dieses Geld frei, das zurück in den Topf fließt.

Antwort in den nächsten Wochen

Die Gemeinde und vor allem die Rötenbacher hoffen darauf, dass es klappt. Eine Antwort wird in den nächsten Wochen erwartet. Denn im Herbst geht das Bewerbungsverfahren für die Gelder 2019 los. „Bis dahin sollten wir es wissen“, so Müller. Egal wie die Geschichte ausgehen wird, die Rötenbacher machen eines klar: Sie werden um ihre alte Schule kämpfen, denn es hängen viele Erinnerungen an dem Gebäude – egal ob gute oder schlechte. Außerdem nutzen schon jetzt die Vereine das Gebäude – und das soll so bleiben.

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