„Schön war die Zeit“ – beim fröhlichen Sängerabend in Wolfegg

Lesedauer: 5 Min
 Harmonierten sehr gut: die Tänzerinnen der Jugendformation des Tanzsportclubs Wangen und das Bühnenbild von Maria Schad.
Harmonierten sehr gut: die Tänzerinnen der Jugendformation des Tanzsportclubs Wangen und das Bühnenbild von Maria Schad. (Foto: Dietmar Hermanutz)
Dietmar Hermanutz

Es war eine gelungene Premiere für die diesjährigen fröhlichen Sängerabende des Liederkranzes Alttann. Die Festhalle Wolfegg war am vergangenen Samstag vollbesetzt, und die Sänger des Liederkranzes Alttann, die landauf landab nur als Männerchor Alttann bekannt sind, boten ein abwechslungsreiches Programm. Solos, Duette, Trios, Tanz, eine humorige Moderation und vor allem ausgereifter Chorgesang ließen den Abend im Flug vergehen.

Das Motto „So schön war die Zeit“ legte die thematische Liedauswahl auf die 50er- und 60er-Jahre, als das Nachkriegsdeutschland geprägt war von Flüchtlingsströmen, Wirtschaftswunder und aufkommender Reiselust. Mit Liedern von Heimweh und Sehnsucht nach verlorenen Freundschaften begann die musikalische Reise, die stark durch Freddy Quinn geprägt war. Johannes Osswald überzeugte als Solist mit dem Titel „Heimatlos“. Für den Chor hingegen gab es eine ansprechende Chorsatzvariante des Stückes „Heimweh“, das vor allem durch den sich stetig wiederholenden Hintergrundchor „So schön, schön war die Zeit“ im kollektiven Gedächtnis verankert ist. Dort finden sich auch Stücke wie „Wochenend und Sonnenschein“ oder „Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein“, die vom beginnenden Aufschwung und beginnender Freizeitgestaltung zeugen. Neben den deutschsprachigen Schlagern gewinnt musikalisch aber auch der aus Amerika kommende Rock’n’ Roll zunehmend an Bedeutung. In die mit alten Radios, Schellackplatten und Motorrollern liebevoll dekorierte Halle passten die Jive-Vorführungen der Jugendformation des Tanzsportclubs Wangen. Flotte Schritte, verschiedene Hebefiguren und die gepunkteten Röcke der Damen passten bestens zusammen und harmonierten überdies wunderbar mit der gemalten Bühnendekoration von Maria Schad.

Ihr Mann Peter Schad leitet nicht nur den Chor als Dirigent, sondern er informierte an diesem Abend auch über das Programm, achtete aber auch gleichzeitig darauf, dass der Humor mit Witzen, Reimen und Anekdoten nicht zu kurz kam. Operetten waren laut Schad in den 50er-Jahren noch eine gerne gehörte Musikgattung. Mit dem Stück „Schwarzwaldfahrt“ von Horst Jankowski wurde der Operettenverfilmung des Schwarzwaldmädels die musikalische Aufwartung gemacht.

Bei der wohlklingenden Präsentation der Urlaubsregion Schwarzwald setzten unweigerlich gedankliche Reisevorbereitungen ein, ähnlich wie es auch schon bei den bereits gehörten Italienschlagern der Fall war. Weitere bemerkenswerte Stücke aus dieser Ära waren die „Caprifischer“, eine deutsche Fassung von „Spanish Eyes“ und der Kriminaltango. 23 tiefe Männerstimmen und eine schummrig-rote Bühnenbeleuchtung sorgten für ein bisschen Gänsehautstimmung.

Mit den Beatles erlebten die 60er-Jahre eine musikalische Revolution. Legendär der Hit „Yesterday“, der von Bruno Häfele und Kuno Reichle in doppelter John Lennon-Besetzung präsentiert wurde. Während sich Häfele an das englische Original hielt, hatte Reichle keinerlei Skrupel, eine urschwäbische Variante mit dem Refrain „Jesses nei, rutsch I aus und fliag in a Dräglach nei“ zu präsentieren. Das Publikum war restlos begeistert.

Ebenso beim Auftritt des Trios mit Johannes Osswald, Jürgen Weber und Stefan Weber, die als die Drei von der Tankstelle mit „Ein Freund, ein guter Freund“ auf der Bühne standen. Ein bisschen aus der Zeit gefallen war die musikalische Moritat über die tanzende „O Donna Clara“, die von Herbert Sonntag humorig präsentiert wurde.

Mit Blick auf die 70er-Jahre sang Walter Appenmaier mit seiner schönen Bassstimme das Hannes Wader-Stück „Heute hier, morgen dort“. Neuland beim fröhlichen Sängerabend betrat man mit dem Auftritt einer Band, die sich aus den Chormitgliedern Franz Ott (Keyboard), Josef Matheis (Bass) und dem Schlagzeuger Lukas Schad rekrutierte. Im Stil gepflegter Kaffeehausmusik präsentierten sie ein Potpourri mit Liedern einer vergangenen Zeit.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen