Magie der Flamenco-Gitarren

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Magie der Flamenco-Gitarren
Magie der Flamenco-Gitarren (Foto: Helmut Voith)
Christel Voith

Die Gitarrensaiten haben am Samstagabend in der ausverkauften Alten Pfarr in Wolfegg geschwirrt, als das Duo „Café del Mundo“ seine Zuhörer ins musikalische „Café der Welt“ entführt hat. Pure Lebensfreude versprühten die beiden Ausnahmegitarristen Jan Pascal und Alexander Kilian.

Eine helle Freude war es allein, ihrem stummen Dialog zu folgen, den herausfordernden Blicken, die zu sagen schienen: „Was machst du jetzt? Kommst du noch mit?“ Perfekt war die Übereinstimmung, das Aufeinander-Eingehen gleich virtuoser Partner, die abwechselnd führten, Melodien anstimmten, begleiteten, improvisierend weiterspannen. Bei einem Flamenco-Gitarren-Workshop sind sich 2007 die beiden Meister der Gitarre, die sich mit Haut und Haaren dem Flamenco verschrieben haben, begegnet und haben ein Duo gegründet: der 43-jährige Jan Pascal, der die ruhigen Balladen liebt, und der 31-jährige Alexander Kilian, dem die Lust am rasanten Spiel nur so aus den Augen blitzt. Schwindlig konnte einem schon beim Zuschauen und Zuhören werden, so rasend schnell schlugen die Finger in die Saiten. Dabei war es ein besonderer Genuss, dass die Flamenco-Gitarren pur zu hören waren, ohne Elektronik, die hier in der Alten Pfarr auch fehl am Platze wäre. Gestaltungsmöglichkeiten bieten die Instrumente auch so genug, wie am vielfältigen Programm zu erleben war. Denn so wie der andalusische Flamenco selbst jüdische, arabische oder Einflüsse der Sinti und Roma aufgenommen hat, so brachte auch das Duo seine Musik aus aller Welt mit. Flamenco als Musik, die das Herz erreicht, Musik voller Melancholie und Musik zum Träumen, Musik zum Trauern und zum Feiern.

Sympathisch hat Jan Pascal den Abend moderiert, hat erzählt, wo sie ihre Inspirationen für die eigenen Kompositionen oder Arrangements gefunden hatten. Sachte, als wollten sie sich erst an ihre Instrumente herantasten, fingen sie an, Blicke begegneten sich und es wurde eine Melodie daraus, eine Ballade, die bald der Fiesta Platz machte. Aus Polen kam die Ballade eines verschmähten Liebhabers: „Schenk mir noch einen letzten Sonntag“ – ein melancholischer Tango voll süßer Erinnerungen. Aus Spanien kamen zwei Lieder von Manuel de Falla aus der Oper „La vida breve“ und dem Ballett „El sombrero de tres picos“, ehe die Reise in die Toskana führte mit der Aufforderung „Spread your wings“ – breite deine Flügel aus -, die das Duo mit jeder Note beherzigte. Im „Zauber einer arabischen Nacht“ wirkte die Magie der Flamenco-Gitarren ebenso wie im schwindelerregend präsentierten Volkslied aus Brasilien. Ob Piazzolla-Tango oder ein letztes Feuerwerk typisch spanischer Gitarrenmusik: Die sprühende Lebensfreude übertrug sich auf die begeisterten Zuhörer, denen das Duo drei Zugaben schenkte – eine ruhige „Danza española oriental“ von Enrique Granados begleitete auf den Heimweg.

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