Kultur braucht Vernetzung

Lesedauer: 4 Min
 Die Teilnehmenden des Kultur-Austausch im Bauernhaus-Museum Allgäu Oberschwaben in Wolfegg vor der Zehntscheuer, in der Mitte s
Die Teilnehmenden des Kultur-Austausch im Bauernhaus-Museum Allgäu Oberschwaben in Wolfegg vor der Zehntscheuer, in der Mitte steht Kultur-Staatssekretärin Petra Olschowski. (Foto: Landratsamt)
Schwäbische Zeitung

Kultur und gesellschaftlicher Zusammenhalt – das war kürzlich das Thema lebhafter Diskussionen in Wolfegg. Landrat Harald Sievers hatte zu einer Begegnung mit Kultur-Staatssekretärin Petra Olschowski in die Zehntscheuer des Bauernhaus-Museums Allgäu-Oberschwaben eingeladen. Das Besondere an diesem Austausch: Erstmals kamen laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Vertreter verschiedenster Kultursparten aus der Region zusammen – vor allem Künstler, aber auch ehrenamtliche Organisatoren und Hauptamtliche aus den Kommunen und dem Landkreis.

Unter den 40 Teilnehmern waren Musiker, Schauspieler, Regisseure, bildende Künstler, Schriftsteller, Galeristen und Kulturverwalter aus dem Landkreis Ravensburg. Ziel war es, sich mit der Kulturarbeit in der Region auseinanderzusetzen und die Herausforderungen, Chancen und Besonderheiten mit Staatssekretärin Olschowski und den beiden Landtagsabgeordneten Petra Krebs und Raimund Haser zu teilen, so das Schreiben.

In seiner Eröffnung betonte Sievers den besonderen Auftrag von Kultur für das Zusammenleben in der Region und deren großen Reichtum im Landkreis Ravensburg. Daraufhin fanden sich die Teilnehmer mit Leitfragen gewappnet in einem lebhaften World-Café in der Zehntscheuer aus Gessenried zusammen. Diskutiert wurden der Beitrag von Kultur zum gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Voraussetzungen für das Gelingen von Kulturarbeit und das Vorbildpotenzial der Kulturarbeit im Allgäu und in Oberschwaben für andere Regionen. Kultur, da waren sich laut des Presseberichts alle einig, sei kein Luxusgut, vielmehr eine gesellschaftliche Notwendigkeit. Sie brauche gute Infrastruktur, Wertschätzung, finanzielle Förderung und vor allem eines: Vernetzung.

Gelobt wurde die hohe Eigeninitiative der Kulturschaffenden im Landkreis Ravensburg. Staatssekretärin Olschowski betonte, dass die Herausforderungen der Kulturarbeit hier in der Region (etwa fehlender Nahverkehr, Bürokratie bei Förderanträgen) mit anderen ländlich geprägten Regionen vergleichbar seien und stellte Förderprogramme aus Stuttgart vor. Petra Krebs unterstrich die Bedeutung von Zusammenarbeit und gemeinsamer Abstimmung in der Kulturarbeit. Auch die Bereitstellung von Räumen für Kultur sei ihr ein wichtiges Anliegen. Haser wies auf die aktuell hohe Komplexität von Kulturarbeit etwa in Sicherheitsfragen hin und plädierte für Unterstützung. Auch brach er eine Lanze für den „Mut zur Spitze". Leuchttürme der Kulturarbeit sollten überregional strahlen.

Olschowski stellte abschließend heraus, dass die Bedeutung von Kultur für eine Gesellschaft sich gerade in ländlichen Regionen nicht hoch genug bewerten lässt. Mit Blick auf den Nachbar England führte sie den Brexit nicht zuletzt auf die Schwäche der Kulturarbeit auf dem Land zurück. Einstimmig wünschten sich die Teilnehmer mehr Gelegenheiten zu gemeinsamen Austausch, zur Vernetzung und mehr Sichtbarkeit ihrer Beiträge zur lebendigen Kultur und damit zur funktionierenden Gesellschaft.

Meist gelesen in der Umgebung
Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen