Eindringliche Kirchenmusik aus drei Jahrhunderten

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Katharina von Glasenapp

Das Kirchenkonzert in der Pfarrkirche St. Katharina zum Abschluss der Internationalen Wolfegger Konzerte bot, wie immer bei dem Dirigenten Manfred Honeck, ein ungemein dichtes Programm. Zum wiederholten Mal war der Philharmonische Chor München zu Gast, Chorleiter Andreas Herrmann hatte seine Sängerinnen und Sänger perfekt auf ein selbst für sie in großen Teilen neues Repertoire eingestimmt.

Wie das Orchesterkonzert im Rittersaal am Samstag war auch das Kirchenkonzert, das dem Dirigenten immer besonders am Herzen liegt, von italienischer Musik geprägt: Zwei ebenso berühmte wie berührende A-cappella-Stücke bildeten den Rahmen, das gewichtige Requiem von Luigi Cherubini stand im Mittelpunkt. Das „Miserere mei, Dominus“, die Vertonung des 51. Psalms des römischen Priesters Gregorio Allegri aus den 1630er Jahren, war bis 1870 jedes Jahr am Karfreitag in der Sixtinischen Kapelle aufgeführt worden. Den Sängern des päpstlichen Chors war es verboten gewesen, die Noten aus der Hand zu geben oder abzuschreiben. Mozart hörte das Stück im Alter von vierzehn Jahren und schrieb es aus dem Gedächtnis auf, sonst wäre es vielleicht verlorengegangen. In der schlichten Komposition wechseln mehrstimmiger Satz und gregorianischer Choral ab. Der Philharmonische Chor München pflegte einen schlanken, warmen Klang, ein Soloquartett mit einer in überirdische Höhen aufsteigenden Sopranistin war auf einer der Seitenemporen über dem Altarraum postiert – ein eindrücklicher Beginn!

Diese besondere Stimmung setzte sich in dem Larghetto des schottischen Komponisten James MacMillan fort: Ursprünglich ist auch dieses Werk eine A-cappella-Vertonung des 51. Psalms aus dem Jahr 2009 für das britische Ensemble „The Sixteen“. Im vergangenen Jahr schuf er eine Orchesterfassung des Chorwerks und widmete sie Manfred Honeck, der das nun “Larghetto“ benannte Stück im vergangenen Oktober mit seinem Pittsburgh Symphony Orchestra zur Uraufführung brachte. Aus tiefen Streichern aufsteigend fächert sich der Klang des Orchesters immer mehr auf, bringt ausdrucksstarke Aufwallungen von Bläsern und Schlagwerk, der geistliche Charakter bleibt auch in der Instrumentalversion erhalten. Auch MacMillan lässt gregorianischen Choral einfließen und diesen von den Bläsern gleichsam rezitieren – die jungen Musiker der Orchesterakademie der Mailänder Scala lösten auch diese höchst anspruchsvolle Aufgabe mit Bravour.

Das Requiem in c-Moll des italienischen Komponisten Luigi Cherubini war für die Komponisten des 19. Jahrhunderts von großer Bedeutung. Beethoven wünschte es sich zu seiner Trauerfeier, für viele spätere Kollegen setzte Cherubini hörbar Maßstäbe. Dennoch ist das facettenreiche Werk außerhalb Italiens relativ unbekannt. Nun konnte man es dank Honecks intensiver Gestaltung, dem großen Engagement der jungen Musiker des Orchestra dell’Accademia Teatro alla Scala und dem leistungsfähigen Philharmonischen Chor München erleben. Das Werk kommt ohne Solisten aus, nur für eine kurze Passage hebt sich ein Quartett aus dem Chor heraus. Die Tradition der musikalischen Rhetorik mit ihrem bittenden, flehenden Charakter im Requiem wird fortgeführt, gleichwohl fehlt es im flammenden „Dies irae“ nicht an stürmischer Dramatik. Eine kunstvolle Fuge im Offertorium , festlicher Jubel im „Sanctus“, ein lichtes „Pie Jesu“ und ein „Agnus Dei“, das sich aus angstvollen Punktierungen zu sanfter Ruhe wandelt, zeichnen das Werk aus.

Der wiederum beeindruckende Schluss des Konzerts war den Damen des Chors vorbehalten: Die „Laudi alla Vergine Maria“ sind ein Teil von Giuseppe Verdis „Quattro pezzi sacri“ und vertonen einen Text von Dante Alighieri aus seinem „Paradiso“. Schwebend leicht und ausdrucksvoll, unangestrengt auch nach langen Proben und am Ende des Konzerts folgte der Frauenchor dem fließend plastischen Dirigat von Manfred Honeck. Glockengeläut und herzlicher Beifall für das junge italienische Orchester, den Chor und seinen Leiter Andreas Herrmann und den Dirigenten beendeten ein intensives Konzertwochenende.

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