Auftrag für Flüchtlingsunterkunft geht an Generalunternehmer

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Schwäbische Zeitung

Soll der Neubau des Flüchtlingsheims in Rötenbach in der Gemeinde Wolfegg an einen Generunternehmer gehen? Oder sollen die einzelnen Projekte am Gesamtbau jeweils separat vergeben werden? Diese Frage ist in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Wolfegg heiß diskutiert worden. Schließlich geht es hier ein Stück weit um eine Grundsatzfrage, wie man mit solchen vergleichsweise einfachen Bauprojekten umgeht.

Klar ist, dass das „Gesetz über Wettbewerbsbeschränkungen“ vorschreibt, dass bei der Vergabe öffentlicher Aufträge mittelständische Interessen zu berücksichtigen sind, sprich: die separate Vergabe einzelner Bauprojekte, also die sogenannte Einzelgewerksvergabe. Der Vorteil dieses Prozederes ist, dass das lokale Handwerk besser zum Zuge kommt, geht es zum Beispiel um Elektriker-, Bodenleger-, Zimmererarbeiten oder Ähnliches. Andererseits bedeutet das für die Gemeindeverwaltung auch mehr Arbeit, weil alles einzeln ausgeschrieben werden muss.

Das ist auch der Grund, warum die Gemeindeverwaltung nun das Thema Generalunternehmervergabe ins Spiel brachte, der das Flüchtlingsheim schlüsselfertig übergibt, sich aber dann auch selbst um die Einzelprojekte kümmert. Die Gemeinde habe so viel Arbeit und Projekte zu erledigen, dass eine solche Ausschreibung durchaus reizvoll sei, so Bürgermeister Peter Müller, weil die Verwaltung somit viel Zeit sparen würde. „Ich weiß, dass es in Vogt gut läuft und in Schlier auch gut war“, so Müller. Er betonte aber auch, dass man das jetzt bei einem solchen einfachen Bau wie einem Flüchtlingsheim ausprobieren könne. Bei Millionenprojekte würde man selbstverständlich weiterhin auf die Einzelgewerksvergabe setzen.

In der Sitzung war die Resonanz gemischt auf diesen Vorschlag. Es gebe auch Risiken und eine Einzelgewerksvergabe sei in der Bevölkerung besser akzeptiert, hieß es da am Ratstisch. Günter Eisele wies auf das Gesetz und die Interessen der Handwerksbetriebe vor Ort hin und machte sich gegen den Vorschlag der Gemeindeverwaltung stark.

Karl Wenzel sprach sich für den Vorschlag der Gemeindeverwaltung aus: „Ich sehe ganz klar den Zeitfaktor.“ Michael Miller wies darauf hin, dass es durchaus auch in der Gemeinde Wolfegg selbst Generalunternehmer gibt, die sich dann bei der Ausschreibung beteiligen könnten. Somit könnte der Auftrag ja auch in der Gemeinde bleiben. Und Werner Quandt merkte an, dass die Handwerker derzeit überall viele Aufträge haben und es oft schwierig sei, für manche Arbeiten einen Handwerker zu bekommen.

Letztlich entschied sich der Gemeinderat nach der Diskussion mit neun zu drei Stimmen für die Generalunternehmervergabe. Also wird der Bau des Flüchtlingsheims für einen Generalunternehmer ausgeschrieben.

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